Inhaltsübersicht
I. Charakteristik
der verschiedenen risikoorientierten Performancemaße
II. Anwendungspraxis
im Prozess der Unternehmenssteuerung
I. Charakteristik der
verschiedenen risikoorientierten Performancemaße
Das Spektrum risikoorientierter Performancemaße umfasst
sowohl absolute, in Geldeinheiten bewertete Größen wie den „ Value at Risk “ als
auch an einer Kapitalbezugsbasis relativierte Kennziffern wie RAROC oder RORAC.
1. Value
at Risk
Bei der Maßgröße „ Value at Risk “ (VaR) handelt es sich um
eine wahrscheinlichkeitstheoretische Kennziffer, die einen in absoluten
Geldeinheiten bewerteten Verlust aufzeigt, der während eines bestimmten Zeitraums
mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Methodisch
unterscheidet die Praxis zwischen verschiedenen Verfahren zur Berechnung, wie
auch der Terminus „ Value at Risk “ nicht einheitlich angewendet wird, sondern
gelegentlich die Bezeichnung „ Money at Risk “ zu finden ist.
Durch die Quantifizierung des Risikos drohender
Vermögensverluste in absoluten Geldeinheiten ist der Value at Risk per se keine
Relations-Kennziffer, sondern erhält seine Aussagekraft erst durch die
Gegenüberstellung zum Haftungskapital. Üblicherweise wird bei den VaR-Modellen
auf marktdeduzierte, mittels statistischer Parameter berechnete
Wahrscheinlichkeitsverteilungen zurückgegriffen.
Methodisch sind VaR-Berechnungen insbesondere im Bereich der
Marktpreisrisiken etabliert. Da diese VaR-Ansätze vornehmlich auf Risikoarten,
wie Marktzins-, Währungskurs- und Aktienkursrisiken abzielen, sind zunächst die
marktwertbestimmenden Faktoren von einzelnen Positionen oder Portfolien zu
bestimmen. Für Zinstitel ohne Bonitätsrisiko kann auf die jeweiligen Spot Rates
abgestellt werden, mit denen die Zahlungen zur Barwertermittlung abzuzinsen
sind. In anderen Fällen, z.B. bei Optionen, können die Faktoren in aller Regel
aus dem jeweiligen Bewertungsmodell abgeleitet werden, wie im
Black-Scholes-Modell der Kurswert des Underlying, die Volatilität und der
kurzfristige risikofreie Zinssatz (Holst,
J./Holtkamp, W. 2000, S. 817). In welcher Weise die Faktoren
zum Preis der betrachteten Vermögensgegenstände in Beziehung stehen, ergibt
sich entweder bereits aus dem Bewertungsmodell oder anhand eines empirischen
Sensitivitätenmodells, das häufig auf der Basis von Erfahrungswerten entwickelt
wird.
Im nächsten Schritt werden denkbare Szenarien zur Entwicklung
der Faktoren betrachtet und anhand von punktuellen Simulationen oder
statistischen Modellen Wahrscheinlichkeitsverteilungen für Preise ermittelt.
Methodisch kommen vor allem folgende vier Modelle zur Anwendung:
-
Benchmark-Methode
Die Benchmark-Methode beschränkt sich auf die punktuelle Simulation einzelner
Szenarien. Hierfür werden aus dem breiten Spektrum möglicher wertbestimmender
Faktoren diejenigen extrahiert, von denen angenommen wird, dass sie das
Risiko wesentlich beeinflussen. Aus der gegenüber dem derzeitigen Wert
größten negativen Wertdifferenz bei den einzelnen Szenarien ergibt sich als
maximal auftretender Verlust unmittelbar der VaR. Die Aussagekraft dieses
Modells hängt in starkem Maße von der Festlegung der einzelnen Szenarien ab.
-
Historische Simulation
Das statistische Modell der historischen Simulation geht von den
vereinfachenden Annahmen aus, dass in der Vergangenheit eingetretene
marktwertbestimmende Faktoren in gleicher Verteilung auch in dem betrachteten
zukünftigen Zeitraum eintreten werden und Bewertungszusammenhänge linear
sind. Für ein betrachtetes Konfidenzintervall ergibt sich aus der gegenüber
dem derzeitigen Wert größten negativen Wertdifferenz der Vergangenheit
unmittelbar der VaR als der für den gleichen Zeitraum der Zukunft maximal
erwartete Verlust. Den Vorteilen einer verhältnismäßig einfachen Handhabung
und der Zugrundelegung einer „ tatsächlichen “ unverfälschten Verteilung steht
hinsichtlich der Aussagekraft allerdings der Nachteil gegenüber, dass sich
Märkte verändern und Weiterentwicklungen zu Konstellationen führen können,
die einerseits mit den historischen Verhältnissen nicht mehr vergleichbar
sind, anderseits aber nicht in das Modell einfließen.
-
Monte-Carlo-Simulation
Im Unterschied zur historischen Simulation orientiert sich der stochastische
Ansatz der Monte-Carlo-Simulation nicht an tatsächlichen eingetretenen
Gegebenheiten, sondern an einer geschätzten Verteilung zufällig generierter
Ausprägungen der Risikofaktoren (Holst, J.
/Holtkamp,
W. 2000, S. 817). Unterstellt wird dabei in der Regel, dass
die Risikoparameter normalverteilt sind. Die Technik der
Monte-Carlo-Simulation ist vielseitig einsetzbar und kommt als numerische
Methode vor allem dann zum Einsatz, wenn ein Problem nicht mittels
geschlossener Formeln, also analytisch, gelöst werden kann (Lesko,
M./Vorgrimler, S. 1999, S. 1200). Die Aussagequalität der
nach der Monte-Carlo-Simulation erhaltenen Messwerte hängt im Wesentlichen
davon ab, inwieweit es gelingt, bei der Schätzung der Verteilung die
tatsächlich eintretenden – unter Umständen von historischen Erfahrungen
abweichenden – Gegebenheiten treffend abzubilden.
-
Analytische Varianz-Kovarianz-Methode
Wie die Monte-Carlo-Simulation arbeitet auch die analytische
Varianz-Kovarianz-Methode mit Annahmen hinsichtlich der marktwertbestimmenden
Faktoren. Die Bestimmung des VaR eines Portfolios erfolgt allerdings nicht
durch Simulation, sondern im statistischen Verfahren aus den Volatilitäten
der als risikorelevant angesehenen Faktoren. Hierbei werden als besonderes
Qualitätscharakteristikum der analytischen Varianz-Kovarianz-Methode die
quantifizierten Einflüsse aus den einzelnen Risikofaktoren nicht lediglich
addiert, sondern über eine Varianz-Kovarianz-Matrix die Korrelationen
zwischen den einzelnen Risikofaktoren berücksichtigt. Für jeden der Faktoren
wird eine Normalverteilung mit bestimmten Korrelationen zwischen den Faktoren
unterstellt.
Unabhängig von der angewandten Methode erfolgt die Berechnung
des VaR jeweils für ein bestimmtes Konfidenzintervall und eine bestimmte
Wahrscheinlichkeit. So bedeutet beispielsweise ein für ein Konfidenzintervall
von einem Tag ermittelter VaR mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,90%, dass ein
höherer Verlust als der VaR nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,10% zu
erwarten ist. Die Zeithorizonte, die üblicherweise bei VaR-Modellen verwendet
werden, betragen einen Tag, zehn Tage oder einen Monat.
Hinsichtlich der Aussagefähigkeit von VaR-Werten ist zu
bedenken, dass die Risikoquantifizierungen aus Wahrscheinlichkeitsmodellen
stammen. Zum einen werden darin mögliche Verluste aus Crash-Szenarien außerhalb
des gewählten Konfidenzniveaus nicht berücksichtigt und zum anderen ist die
Nachhaltigkeit der getroffenen Annahmen nicht gewährleistet. Zusätzliche Crash
Tests und Back Testing zur Überprüfung der Prämissen sind erforderlich. Erst
unter diesen Voraussetzungen entsteht ein abgerundetes Bild für ein effektives
Risikomanagement mit Bezug zwischen Modell und Realität (Deutsch,
H.-P. 1997, S. 11). Für die Beurteilung der VaR-Zahl durch
Dritte ist zudem erforderlich, dass das jeweilige Konfidenzniveau, die
Halteperiode sowie die gewählte Methode angegeben wird.
2. RiskMetrics
Unter der als Trademark geschützten Bezeichnung „ RiskMetrics “
ist von Morgan, J.P. eine Korrelationsmatrix für die VaR-Berechnung entwickelt
worden. Die seit 1994 für Anwender kostenfreie Verfügbarkeit der
Varianz-Kovarianz-Matrix hat mit dazu beigetragen, dass sich die
Varianz-Kovarianz-Methode im Bankenbereich zu dem am häufigsten verwendeten VaR-Berechnungsverfahren
entwickelt hat (Johanning, L.
1998, S. 25).
3. Stress
Testing
Unter „ Stress Testing “ fallen Verfahren, die in Ergänzung zu
wahrscheinlichkeitsorientierten Risikoanalysen die Auswirkungen erheblicher
Parameteränderungen untersuchen. In ihnen werden verschiedenste Konfigurationen
von extremen Entwicklungen innerhalb der Szenarien angenommen und die Wirkungen
auf bestimmte Zielgrößen berechnet. Der dabei ermittelte maximale Verlust wird
als Risikokennzahl ausgewiesen.
Die Wahl der Szenarien kann auf außergewöhnlichen
historischen Ereignissen, wie „ Crash-Situationen “ , beruhen, auf hypothetische
„ Worst-Case “ -Annahmen abstellen oder Erwartungen zugrunde legen, die sich aus
neuen Marktentwicklungen abzeichnen. Da jeweils nur bestimmte Extrema simuliert
werden, brauchen für die Berechnung der Risikokennzahlen keine
Verteilungsannahmen hinsichtlich der Risikoparameter getroffen werden.
Zwangsläufig kann aus diesen Gründen der Risikokennzahl aber auch keine
Wahrscheinlichkeit zugerechnet werden. Bei der Beurteilung derartiger
Risikokennzahlen ist zu beachten, dass eine aussagekräftige Interpretation für
Dritte nur dann möglich ist, wenn diesen auch die verwendeten Szenarien
vermittelt werden.
4. RAROC
Zu den bekanntesten Verhältnisgrößen innerhalb der
risikoorientierten Performancemaße zählt die Kennziffer „ Risk adjusted Return
on Capital “ (RAROC). In ihr wird mathematisch ein risikoadjustierter Return
einer bestimmten Kapitalgröße gegenübergestellt. Wirtschaftlich soll mit dieser
Kennziffer gezeigt werden, ob die erzielten Gewinne in einem angemessenen
Verhältnis zu den zur Erzielung der Gewinne verursachten Verlustrisiken stehen.
Diese Kennziffer ist von Bankers Trust entwickelt und 1995 als Trademark
eingetragen worden. Insbesondere im Kreditgewerbe hat das RAROC-Konzept
traditionelle Maße, wie Eigenkapitalrendite oder Rendite auf das (bankaufsichtsrechtlich
bestimmte) regulatorische Kapital, ersetzt. Ein wesentlicher Vorteil des
RAROC-Konzepts liegt darin, dass geschätzte Risikokosten – vergleichbar einer
Versicherungsprämie – direkt in die Berechnung eingehen. RAROC-Kennziffern
können dabei als Maß für diverse Ebenen der Unternehmensaktivitäten
herangezogen werden, wie z.B. für die einzelne Kundenbeziehung, für
Geschäftsfelder oder Unternehmensbereiche sowie für den gesamten Konzern.
Die Komponente „ risikoadjustierter Return “ ergibt sich im
ersten Schritt aus den Erträgen abzüglich der tatsächlichen Kosten und ist im
zweiten Schritt um Risikokosten zu bereinigen. Bei den Risikokosten handelt es
sich um einen durchschnittlich erwarteten Verlust. Dieser wird in aller Regel
anhand von Schätzmethoden ermittelt, in die Erfahrungswerte eingehen. Im
Grundkonzept errechnet sich der erwartete Verlust als Produkt aus
Ausfallwahrscheinlichkeit, Verlustquote und Kreditäquivalent. Bei dem
Kreditäquivalent kann es sich um eine Forderung selbst oder eine durch ein
bestimmtes Verfahren zum äquivalenten Risikogehalt vergleichbar gemachte
Position handeln. In den jeweiligen Verfahren werden eine Vielzahl von
relevanten Daten, wie beispielsweise die Kundenbonität, die
Sicherheitenstellung einschließlich Haftungsübernahmen, Limitinformationen und
Kreditinanspruchnahmen, berücksichtigt. Für diese Daten können sowohl interne
als auch externe Informationen herangezogen werden. Aufgrund dieser Fundierung
wird der erwartete Verlust im Prinzip wie ein Kostenbestandteil behandelt und
als „ Standardrisikokosten “ bezeichnet. Die Planbarkeit der Standardrisikokosten
ermöglicht zudem, diese bereits bei Geschäftsabschluss als Kostenkomponente in
der Margengestaltung zu berücksichtigen.
Unter Risikoaspekten spielt bei der Komponente „ Capital “ die
Finanzierungsfunktion keine Rolle, sondern nur die
Risikotragfähigkeitsfunktion. Fremdkapital und selbst Eigenkapital aufgrund der
dualen Funktion als Haftungs- und Finanzierungsbasis sind insofern nicht die
geeignete Bezugsgröße. Maßgeblich ist vielmehr eine Größe, die ein Unternehmen
als Ressource vorzuhalten hat, um die Risiken, denen es ausgesetzt ist,
auffangen zu können. Zu diesen Risiken gehören insbesondere die Risikoarten
Kreditrisiken, Marktrisiken und operative Risiken. Das hierfür ökonomisch als
Risikopuffer erforderliche Kapital wird üblicherweise als „ Ökonomisches
Kapital “ bezeichnet. Sein Betrag ist als Folge dieses Zwecks in aller Regel
nicht aus der Bilanz ablesbar. Das Ökonomische Kapital ist vielmehr als der
Betrag zu ermitteln, der zum Auffangen der unerwarteten Verluste erforderlich
ist. Eine Beziehung zum bilanziellen Eigenkapital besteht allerdings in der
risikopolitischen Restriktion, dass unter Risikotragfähigkeitsaspekten das
erforderliche Ökonomische Kapital das Eigenkapital nicht übersteigen kann.
5. RORAC/ROEC
Wie bei der risikoorientierten Performancegröße RAROC handelt
es sich auch bei der Kennziffer „ Return on Risk adjusted Capital “ (RORAC) um
eine Verhältnisgröße. Sie dient inhaltlich als Maß dafür, mit welchem Risiko
ein bestimmter Ertrag erwirtschaftet wird. Abweichend zur RAROC-Methodik wird
im RORAC-Konzept allerdings nicht der „ Return “ um Standardrisikokosten
bereinigt, sondern der Risikoaspekt nur im zugrunde gelegten „ Capital “
berücksichtigt, indem auf das zur Abdeckung unerwarteter Verluste notwendige
Kapital abgestellt wird (Ökonomisches Kapital). Synonym zur Bezeichnung RORAC
ist auch der Terminus „ Return on Economic Capital “ (ROEC) gebräuchlich (Lehar, A.
, S. 861).
6. RORAA
Zu den als ersten Modellansätzen einer Einbeziehung des
Risikos in die Performancemessung gehörte die vermögenswertbasierende Kennzahl
„ Return on risk-adjusted Assets “ (RORAA). Diese Kennzahl wird definiert als
Quotient aus (risikoadjustiertem) Ergebnis und risikoadjustierten Aktiva (Lehar, A.
, S. 861).
Die Risikoadjustierung bei den Aktiva erfolgt in dem
RORAA-Modell durch Abzug des statistischen Erwartungswertes der Kreditausfälle
von den Aktiva. Die Verwendung des RORAA-Konzepts ist in der Praxis nicht sehr
weit verbreitet. Varianten des RORAA-Modells sollen indes auch nach Einführung
der RAROC- und RORAC-Methodik noch bei einigen amerikanischen Banken ergänzend
im Einsatz sein (Lehar, A.
, S. 861).
7. Sharpe
Ratio
Bei der „ Sharpe Ratio “ oder dem synonymen Terminus
„ Reward-to-Variability-Ratio “ handelt es sich um ein relativiertes
risikoadjustiertes Performancemaß, das angibt, wie stark die täglichen Gewinne
um einen Durchschnittsgewinn streuen. Die Kennziffer wurde ursprünglich von W.
F. Sharpe für die Performancemessung im Portfoliomanagement entwickelt, wird inzwischen
aber für die Performancemessung im Handel verwendet (Stalder,
M./Straub, B. 1996, S. 43). In der Kennziffer wird die Volatilität
der täglichen Gewinne und Verluste in Standardabweichungen berechnet und
annualisiert. Die Sharpe Ratio wird auch als Maßstab für Portfoliovergleiche
mit einem Benchmark-Portfolio verwendet (Krumnow,
J./Gramlich, L. 2000, S. 1164 f.).
8. RAPM
Die in der Risikoquantifizierung verwendete Abkürzung „ RAPM “
steht für die beiden synonym verwendeten Termini „ Risk adjusted Performance
Measurement “ (Krumnow,
J./Gramlich, L. 2000, S. 1073; Lehar, A.
, S. 857) und „ Risk adjusted Profitability Measurement “ (Schierenbeck,
H. 1997, S. 474). Diese Termini werden lediglich als
Oberbegriff für die verschiedenen Verfahren zur risikoadjustierten
Ergebnismessung, wie RAROC oder RORAC, verwendet.
II. Anwendungspraxis im
Prozess der Unternehmenssteuerung
Das risikoorientierte Rentabilitätsmanagement ist nicht nur
zum zentralen Thema einer Shareholder-Value-orientierten
Gesamtunternehmenssteuerung avanciert, sondern in zunehmendem Maße auch
Instrumentarium zur Steuerung der einzelnen Geschäftsfelder eines Unternehmens
geworden. Publizitätswirksames Abbild dieser Entwicklungen ist der jeweils
eigenständige Stellenwert, den sowohl die Risikoberichterstattung als auch die
Segmentberichterstattung im Jahresabschluss erlangt hat. Die Pflicht zur
Berichterstattung über Risiken ist im Rahmen des KonTraG für Konzernabschlüsse
expressis verbis in das HGB aufgenommen worden (§ 315 Abs. 1) und vom Deutschen
Rechnungslegungs- Standards Committee (DRSC) thematisiert worden – als
Deutscher Rechnungslegungsstandard (DRS) Nr. 5 „ Risikoberichterstattung “ und in
den branchenspezifischen Richtlinien DRS 5 – 10 für Kredit- und
Finanzdienstleistungsinstitute sowie DRS 5 – 20 für Versicherungsunternehmen. Der
Vorreiterrolle des Kreditgewerbes im Risikomanagement entsprechend ist der
Standard für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute noch vor dem
allgemeinen und dem versicherungsunternehmensspezifischen Standard entwickelt
worden.
Auch die Segmentberichterstattung, die international bereits
seit Mitte der 1970er-Jahre etabliert ist, hat erst durch das KonTraG ihren
Stellenwert im HGB erhalten (§ 297 Abs. 1). Die hierzu vom DRSC entwickelten
Richtlinien DRS 3 „ Segmentberichterstattung “ und branchenspezifischen
Regelungen DRS 3 – 10 und DRS 3 – 20 sind bereits alle im Mai 2000 in ihrer
endgültigen Form vom BMJ bekannt gemacht worden. Kernelement einer
geschäftsfeldorientierten Segmentsteuerung ist die effiziente Verteilung der
knappen Ressource Kapital auf die einzelnen Unternehmensbereiche oder
Geschäftseinheiten. Unter Shareholder-Value-Aspekten ist dabei
idealtypischerweise die Kapitalallokation nach Rendite-Risiko-Kalkülen
vorzunehmen, d.h. Eigenkapital wird dort investiert, wo es den höchsten Ertrag
bringt. Risikoorientierte Performancegrößen bieten hierfür durch die
Berücksichtigung des unterschiedlichen Risikopotenzials eine neutrale
einheitliche Messgröße. Welches der einzelnen Verfahren für ein Unternehmen am
zweckmäßigsten ist, hängt im spezifischen Fall von den jeweiligen Aktivitäten
des Unternehmens, den methodischen Anforderungen, der erforderlichen Präzision
und den technisch-organisatorischen Möglichkeiten ab, unter denen die
Steuerungsinformationen mit einem vertretbaren Aufwand erzielbar sind.
Zu berücksichtigen ist, dass die Publikation intern
verwendeter Kennzahlen nicht zwangsläufig den Informationsstand externer
Berichtsadressaten verbessern. Insbesondere bei risikoorientierten
Performancegrößen ist in der Regel ein tiefergehendes Verständnis für die
angewandten Methoden einschließlich einer zusätzlichen Angabe zu den
verwendeten Modellen und den getroffenen Annahmen erforderlich.
Literatur:
Bankers Trust Corp., :
RAROC – Risk Management, New York 1995
Deutsch, Hans-Peter :
Interne Risikomodelle, in: Börsen-Zeitung, 12.8.1997, S. 11
Holst, Jonny/Holtkamp,
Willy : Risikoquantifizierung und Frühwarnsystem auf Basis der
Value-at-Risk-Konzeption, in: BB, Jg. 55, 2000, 2000Bd. 16, S. 815 – 820
Johanning, Lutz :
Value-at-Risk zur Marktrisikosteuerung und Eigenkapitalallokation, Bad Soden /
Ts. 1998
Krumnow,
Jürgen/Gramlich, Ludwig : Gabler-Bank-Lexikon, Wiesbaden, 12. A., 2000
Lehar, Alfred :
Risikoadjustierte Performancemessung in Banken, in: Bank-Archiv, Jg. 46, 1998,
Bd. 11 – 12, S. 857 – 862 und 949 – 955
Lesko,
Michael/Vorgrimler, Stephan : Monte-Carlo-Techniken bei modernen
Kreditrisikomodellen, in: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, Jg. 52,
1999, Bd. 21, S. 1200 – 12051999
Morgan & Inc., J.P.
Co. : Introduction to Risk Metrics, New York, 4. A., 1995
Schierenbeck, Henner :
Ertragsorientiertes Bankmanagement, Bd. 2: Risiko-Controlling und
Bilanzstruktur-Management, Wiesbaden, 5. A., 1997
Stalder, Marco/Straub,
Bernhard : Risikogerechte Budgetierung, in: Schweizer Bank, 1996, Bd. 2, S.
41 – 43
|