Inhaltsübersicht
I. Definition
und Abgrenzung von Medienbetrieben
II. Besonderheiten
von Medienbetrieben und Medienmärkten
III. Ressourcen
von Medienbetrieben
IV. Kosten-/Erlösstrukturen
von Medienbetrieben
V. Entwicklungstendenzen
von Medienbetrieben
I. Definition und
Abgrenzung von Medienbetrieben
1. Einführung
Für den Medienbereich kann in jüngster Vergangenheit eine
verstärkte Dynamik und eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung beobachtet
werden. Dies führt zu einem steigenden Erkenntnisinteresse an
medienwirtschaftlichen Sachverhalten. In der Betriebswirtschaftslehre hat sich
inzwischen eine spezielle Medienbetriebswirtschaftslehre als
Wirtschaftszweiglehre entwickelt. Jedoch befindet sich die
Medienbetriebswirtschaftslehre in einem noch relativ frühen Stadium der
wissenschaftlichen Entwicklung, sodass insbesondere bei der Abgrenzung des
Begriffs „ Medienbetrieb “ eine ausgeprägte Vielfalt und Heterogenität der
Sichtweisen anzutreffen ist (Schumann,
Matthias/Hess, Thomas 2005, S. 6 ff.; Sjurts, Insa
2004, S. 391).
Grundsätzlich kann für eine Definition des Begriffs
Medienbetrieb auf die betriebswirtschaftliche Definition von Betrieben
zurückgegriffen werden. Demnach können Betriebe als planvoll organisierte
Wirtschaftseinheiten, in denen Sachgüter und/oder Dienstleistungen erstellt und
abgesetzt werden, verstanden werden (Wöhe,
Günter/Döring, Ulrich 2005, S. 2). Darüber hinaus ist eine
Einordnung des Begriffs Medien für eine weitergehende Begriffsbestimmung
vorzunehmen. In den Kommunikationswissenschaften werden Medien traditionell als
die technischen Mittel oder Instrumente, die der Verbreitung von Aussagen und Inhalten
dienen, definiert (Pürer, Heinz
2003, S. 208). Nach den technisch induzierten Sende- und Empfangsqualitäten
kann dabei weiter zwischen dem Körper als primäres Medium (ohne Technikeinsatz,
z.B. Sprache), den sekundären Medien, die eine technische Apparatur auf Seiten
der Produktion, nicht aber der Rezeption erfordern (z.B. Zeitung, Zeitschrift)
sowie den tertiären Medien, für die auf beiden Seiten technische Vorrichtungen
notwendig sind (z.B. Fernsehen, Radio) unterschieden werden (Pross, Harry
1972, S. 128, S. 224). Vor dem Hintergrund der aufgeführten Definitionen soll
unter einem Medienbetrieb zunächst eine planvoll organisierte
Wirtschaftseinheit verstanden werden, in der Medien erstellt und abgesetzt
werden.
Auf Basis dieser vorläufigen Definition soll nun eine
Konkretisierung des Begriffs Medienbetrieb erfolgen. Dies geschieht anhand der
Abgrenzung des Medienbetriebsbegriffs. Eine solche Abgrenzung kann anhand
verschiedener Aspekte erfolgen; so können Medienbetriebe etwa auf Basis der
Eigentumsverhältnisse, der Rechtsform, der Leistungsart, der Betriebsgröße und
vieler anderer Kriterien abgegrenzt werden. Hier wird eine Abgrenzung von
Medienbetrieben und Nicht-Medienbetrieben mittels konstituierender Wertschöpfungsaktivitäten
vorgenommen, da diese insbesondere geeignet sind, den in der vorläufigen
Definition verwandten Sachverhalt der Erstellung und des Absatzes von Medien
näher zu spezifizieren. Eine verfeinerte Abgrenzung verschiedener
Medienbetriebstypen voneinander soll anschließend auf der Basis der
Leistungsart erfolgen.
2. Abgrenzung auf Basis der
Wertschöpfungsaktivitäten
Zentrale Merkmale der vorläufigen Definition des
Medienbetriebs sind die Erstellung und der Absatz von Medien. Als die beiden
konstituierenden Wertschöpfungsaktivitäten, die der Erstellung von Medien
zugrunde liegen, lassen sich die Bündelung eigen- und fremderstellter
redaktioneller Inhalte sowie die Transformation der Inhalte auf ein
speicherfähiges Trägermedium verstehen. Als dritte konstituierende
Wertschöpfungsaktivität soll die direkte oder indirekte Distribution mit
aufgenommen werden. Nur bei einem gemeinsamen Vorliegen dieser drei Aktivitäten
soll im Folgenden von einem Medienbetrieb gesprochen werden. Davon abzugrenzen
sind Nicht-Medienbetriebe, die – ebenso wie die Medienbetriebe – Teil der
Medienwirtschaft sind, bei denen jedoch nicht alle der drei genannten
Wertschöpfungsaktivitäten Bestandteil des Geschäftsmodells sind, wie dies z.B.
bei einer Druckerei der Fall ist. Vielmehr werden komplementäre Aufgaben
innerhalb der Medienwirtschaft erfüllt. Damit lassen sich Medienbetriebe als
planvoll organisierte Wirtschaftseinheiten definieren, in denen die Bündelung
eigen- und fremderstellter redaktioneller Inhalte (informatorische und/oder
unterhaltende Inhalte), die Transformation dieser Inhalte auf ein
speicherfähiges Trägermedium sowie die direkte oder indirekte Distribution
vorgenommen werden.
Diese Abgrenzung erscheint insbesondere vor dem Hintergrund
der Vielzahl der bei der Wertschöpfung im Medienbereich involvierten Akteure
angemessen. Betrachtet man beispielsweise Fernsehsender, Radiosender,
Zeitungsverlage oder Internet-Content-Anbieter, so finden sich durchgängig alle
drei der konstituierenden Merkmale von Medienbetrieben. Dagegen finden sich bei
Distributoren, logistischen Dienstleistern im Medienbereich (etwa das
Pressegrosso im Zeitungs-/Zeitschriftenbereich), Rechteagenturen sowie reinen
Händlern von Medienprodukten nicht alle der drei konstituierenden
Wertschöpfungsaktivitäten. Sie fokussieren vielmehr auf eine
Wertschöpfungsaktivität und unterstützen daher Medienbetriebe im Rahmen des
Wertschöpfungsprozesses. In Abbildung 1 sind die konstituierenden Merkmale
von Medienbetrieben und Beispiele für ihre Abgrenzung aufgeführt.
Abb. 1: Abgrenzung von Medienbetrieben
3. Differenzierung auf Basis der Leistungsart
Zur Differenzierung von Medienbetrieben untereinander soll
die Leistungsart herangezogen werden. Für die Medienbranche gilt, dass sie in
ihrer Gesamtheit äußerst komplex und heterogen ist, sodass einzelne
Medienteilmärkte eigene ökonomische Besonderheiten aufweisen. Vergleicht man
beispielsweise Medienbetriebe aus dem Bereich Zeitschriften und Fernsehen
miteinander, so stellt man fest, dass sich diese z.T. substanziell hinsichtlich
ihrer Geschäftsmodelle, ihrer Kosten- und Erlösstrukturen sowie ihrer zentralen
wertschöpfenden Funktionen unterscheiden. Um medienbetriebliche Phänomene zu
erklären, ist somit eine differenzierte Betrachtung der einzelnen
Mediengattungen sinnvoll. Zunächst können entsprechend der primären Art des
Leistungsangebotes die Medienbetriebe in Zeitungsbetriebe,
Zeitschriftenbetriebe, Buchbetriebe, TV-Betriebe, Radiobetriebe, Musikbetriebe,
Internet-Content-Betriebe und Video-/Computerspielebetriebe differenziert
werden.
Diese Medienbetriebstypen liegen in der Unternehmenspraxis
zum einen singulär vor; ein Beispiel ist die Rheinische Post, welche in ihrem
Leistungsangebot ausschließlich auf Zeitungen fokussiert. Jedoch können die
einzelnen Betriebstypen auch unter einer gemeinsamen Führungsgesellschaft
auftreten. So vereinigt die Frankfurter Allgemeine Zeitung beispielsweise einen
Buchbetrieb und einen Zeitungsbetrieb. Im Printbereich findet für einen
Medienbetrieb traditionell der Begriff des Verlags Verwendung. Dieser umfasst
zum einen singuläre Betriebstypen (Zeitungsbetrieb, Zeitschriftenbetrieb und
Buchbetrieb) und zum anderen eine Kombination dieser einzelnen Betriebstypen
unter einer Führungsgesellschaft. Dieses verbreitete Phänomen der Integration
verschiedener Medienbetriebstypen ist auch bei den elektronischen Medien
anzutreffen. So umfassen Rundfunkbetriebe oftmals TV- und Radiobetriebe (z.B.
die ARD). Eine noch weiter gehende Integration verschiedener
Medienbetriebstypen stellen so genannte integrierte Medienkonzerne dar. Diese
vereinigen eine Vielzahl von elektronischen und printbasierten
Medienbetriebstypen. Ein Beispiel hierfür ist etwa Time Warner Inc. in den USA.
In Abb. 2 sind die verschiedenen Medienbetriebstypen und Beispiele für die Abgrenzung
aufgeführt.
Abb. 2: Leistungsartbezogene Differenzierung der
Medienbetriebstypen
II. Besonderheiten von
Medienbetrieben und Medienmärkten
Medienmärkte weisen Besonderheiten auf, die sie von anderen
Sektoren einer Volkswirtschaft unterscheiden (Wirtz, Bernd
W./Sammerl, Nadine 2005, S. 87 ff.). Diese Besonderheiten müssen vom
Management eines Medienbetriebs zur erfolgreichen Führung berücksichtig werden.
Medienprodukte sind oft Leistungsbündel, die sich aus dem immateriellen Inhalt
und dem materiellen Trägermedium für die Distribution zusammensetzen. Der
originäre Produkt- und Kundennutzen hängt primär von den Inhalten ab; dem
Trägermedium kommt zumeist nur nachrangige Bedeutung zu. Für die Herstellung
von Mediengütern ist ein hoher Fixkostenanteil typisch, der sich auf die
Erstellung der Urkopie bezieht (First-Copy-Costs). Die variablen Kosten für die
Vervielfältigung, das Trägermedium und die Distribution hingegen sind
vergleichsweise gering, sodass im Rahmen der Produktion von Mediengütern
erhebliche Kostendegressionseffekte bei hohen Stückzahlen erzielt werden
können. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass sich die Kostenstrukturen von
Medium zu Medium erheblich unterscheiden können.
Mediengüter zeichnen sich durch Nicht-Rivalität im Konsum
aus. Das bedeutet, dass das zentrale Element des Medienproduktes, der Inhalt,
von beliebig vielen Konsumenten genutzt werden kann, ohne dass dadurch
Verbrauchserscheinungen auftreten und der Nutzen für andere Konsumenten
beeinträchtigt wird. Vielfach zeigt sich sogar ein gegenteiliger Effekt. Einige
Medien (z.B. das Internet) weisen Netzeffekte auf, sodass sich der Wert des
Mediengutes mit einer steigenden Zahl von Nutzern erhöht. Mitunter haben Medien
den Charakter eines öffentlichen Gutes. Bei öffentlichen Gütern ist ein
Ausschlussprinzip nicht praktizierbar bzw. wird nicht praktiziert. Eine solche
Eigenschaft kann beim Free-TV und beim Radio beobachtet werden. Hier können
Eigentumsrechte nur schwer definiert und durchgesetzt werden, sodass nicht
zahlende Rezipienten nicht vom Konsum ausgeschlossen werden können.
Medienbetriebe agieren in der Regel auf zwei Absatzmärkten
(Rezipientenmarkt und Werbemarkt). Der Rezipientenmarkt stellt den Markt an
Konsumenten der Medieninhalte dar, der die Informationen bzw. die Unterhaltung
mit jeweils unterschiedlichem Aufmerksamkeitsgrad und Zeitaufwand konsumiert.
Auf dem Werbemarkt liegt die Leistung in der Herstellung von
Zielgruppenkontakten. Von besonderem Belang sind dabei die Interdependenzen
zwischen Werbe- und Rezipientenmarkt, da der Erfolg bei den Rezipienten den
Erfolg auf dem Werbemarkt maßgeblich beeinflusst. In Abb. 3 ist der
beschriebene Aktionsraum von Medienbetrieben skizziert (Wirtz, Bernd
W. 2003, S. 27). Medienbetriebe stehen zuweilen in einem
Spannungsfeld zwischen publizistischen und ökonomischen Leitvorstellungen. Das
bedeutet, dass Medienbetriebe zumeist gleichzeitig ökonomische (z.B.
Wettbewerbsfähigkeit, Marktanteil, Gewinn) und nicht-ökonomische Ziele (z.B. publizistische
Qualität, Meinungs- und Informationsvielfalt) verfolgen. Dabei kann es neben
neutralen und positiven Komplementäreffekten bisweilen auch zu Zielkonflikten
kommen.
Abb. 3: Aktionsraum von Medienbetrieben
III. Ressourcen von
Medienbetrieben
Folgt man dem Resource-based View (RBV), so sind in
besonderem Maße die Ressourcen eines Betriebs für dessen Erfolg verantwortlich
(Barney, Jay.
B. 1991, S. 106). Ressourcen im Sinne des RBV konstituieren sich aus
Assets sowie Kernkompetenzen (Burmann,
Christoph 2002, S. 144 f.). Assets sind diejenigen materiellen und
immateriellen Vermögensgegenstände, die eine zentrale Rolle bei der
Leistungserstellung und -vermarktung einnehmen. Kernkompetenzen komplementieren
Assets; sie bezeichnen die Fähigkeiten des Betriebs, seine Assets so zu
kombinieren, dass dadurch ein besonderer Kundennutzen entsteht.
Auch für den langfristigen Erfolg eines Medienbetriebes sind
dessen Assets und Kernkompetenzen von hoher Bedeutung (Wirtz, Bernd
W. 2005, S. 51 ff.). Zu den bedeutendsten Assets von Medienbetrieben
zählen die Mitarbeiter, die Marke, Informations-/Beschaffungs-/Produktions-Netzwerke
und der Kundenstamm. Zu den Kernkompetenzen von Medienbetrieben zählen
insbesondere die Content-Sourcing-Kompetenz, die Content-Creation-Kompetenz,
die Produkt-/Formatentwicklungskompetenz, die Promotion- und Verwertungskompetenz
sowie die Technologiekompetenz. Mit der Content-Sourcing-Kompetenz wird die
Fähigkeit beschrieben, qualitativ hochwertige Informationen und
Unterhaltungsinhalte, aber auch Autoren oder Produzenten, als Input für die
Inhalteproduktion zu gewinnen. Die Content-Creation-Kompetenz umfasst alle
Fähigkeiten, die zur Herstellung erfolgreicher Medieninhalte erforderlich sind.
Zur vorteilhaften Positionierung auf den Rezipienten- und Werbemärkten trägt
die Produktentwicklungskompetenz bei. Sie besteht aus der Fähigkeit, Erfolg
versprechende Medienprodukte zu entwickeln und sie hinsichtlich ihrer
Marktattraktivität und Refinanzierungschancen beurteilen zu können. Die
Promotion-Kompetenz von Medienunternehmen ist vor allem für Medienprodukte relevant,
die Einzelprodukte darstellen und bei denen Markenbildung und -transfer mit
Schwierigkeiten verbunden sind. Dazu zählen z.B. Filme, Musik oder Bücher.
Promotion-Kompetenz umfasst die Fähigkeit, Medienprodukten öffentliche
Aufmerksamkeit zu verschaffen und auf diese Weise eine vorteilhafte
Marktposition zu erzielen. In der Medienbranche ist auch die
Distributionskompetenz von Relevanz. Sie bezieht sich auf die Fähigkeit,
Inhalte rechtzeitig, in der gewünschten Menge und über den richtigen Kanal für
die Rezipienten bereitzustellen. Zum einen müssen Medienprodukte häufig
kanalspezifisch an die jeweilige Zielgruppe angepasst werden, zum anderen
müssen Medienbetriebe auch in der Lage sein, die Distributionskanäle
technologisch und logistisch zu beherrschen. Eng verbunden mit der
Distributionskompetenz ist die Technologiekompetenz. Sie beschreibt
insbesondere die Fähigkeit, moderne Informations- und Kommunikationstechnologie
zur Erstellung und Vermarktung von Content einzusetzen.
IV. Kosten-/Erlösstrukturen
von Medienbetrieben
1. Erlösformen bei Medienbetrieben
Medienbetrieben stehen prinzipiell vier unterschiedliche
Erlösformen zur Verfügung: Erlöse auf Rezipientenmärkten, auf Werbemärkten, auf
Rechtemärkten und Erlöse vom Staat. Bezüglich der Erlöse auf Rezipientenmärkten
kann weiterhin differenziert werden zwischen transaktionsabhängigen und
transaktionsunabhängigen Erlösen. Bei transaktionsabhängigen Entgelten zahlt
der Nutzer nur für die Nutzung eines Medienprodukts, wobei sich die Höhe des
Entgelts nach der Leistungsmenge (z.B. Preis pro Zeitung, Preis pro Film beim
Pay-per-view-TV) oder der Leistungsdauer (z.B. Minutenpreis bei Onlinemedien)
richtet. Dagegen zahlt der Rezipient bei transaktionsunabhängigen Entgelten
nicht für eine tatsächliche Nutzung der Medienprodukte, sondern lediglich für
die Möglichkeit der Nutzung. Außer den Entgelten für die Mediennutzung kann
auch ein Entgelt für den Medienzugang erhoben werden. Durch dieses in der Regel
einmalige Entgelt erhält der Kunde die technischen und administrativen
Voraussetzungen für die Nutzung eines Medienprodukts (z.B. Decoder für Pay-TV).
Auf den Rezipientenmärkten können ebenfalls sonstige Erlöse erzielt werden.
Hier sind z.B. Erlöse aus Dienstleistungen, wie der Nutzung von Archivdiensten
von Zeitungen oder Fernsehsendern, zu nennen.
Bei einigen Medien wird ein bedeutender Teil der Erlöse auf
den Werbemärkten erzielt. Werbungtreibende Unternehmen zahlen für die
Werberaumleistung der Medienbetriebe. Die Werberaumleistung besteht z.B. aus Zeitungsanzeigen,
TV-Spots oder Internetbannern. Darüber hinaus werden zusätzliche Werbeformen
vermarktet, z.B. im Rahmen von Product Placement und Sponsorships.
Als dritte Erlösform sind Verwertungsrechte und Lizenzen
relevant. Als Verwertungsrechte werden in diesem Zusammenhang originäre Rechte
bezeichnet, die dem Besitzer jede beliebige Verwertung der Inhalte erlauben.
Lizenzen sind abgeleitete Rechte, die nur in dem Umfang genutzt werden dürfen,
den der Besitzer der originären Rechte zulässt. Beispielhaft können hier
Buchverlage genannt werden, welche die Verwertungsrechte an einem Bestseller
besitzen und Lizenzen für Taschenbuch-Ausgaben vergeben.
Als viertes Element kann der Staat als Erlösquelle aufgeführt
werden. Auch wenn die hier erzielbaren Einnahmen keine Umsatzerlöse im
betriebswirtschaftlichen Sinne sind, sind sie aufgrund ihres großen Umfangs in
bestimmten Medienbranchen für das Management von Medienbetrieben von Bedeutung.
Als wichtigste Erlösform sind zunächst die Gebühren im Rundfunkbereich zu
nennen. Neben den Rundfunkgebühren sind im Rahmen der staatlich beeinflussten
Erlöserzielung noch Subventionen und sonstige erlössteigernde Regelungen, z.B.
der verringerte Umsatzsteuersatz für Printprodukte, zu nennen. Abb. 4 gibt
einen Überblick zu den Erlösformen der Medienbetriebe.
Abb. 4: Systematik der Erlösformen für Medienbetriebe
2. Kosten- und Erlösstrukturen nach
Leistungsart
Eine weitere Präzisierung in Bezug auf die Kosten- und
Erlösstrukturen von Medienbetrieben lässt sich erzielen, indem man Kosten und
Erlöse entsprechend der Leistungsart aufgliedert (Wirtz, Bernd
W. 2005, S. 68 ff.). Dies wird in Abb. 5 dargestellt. Ausgangspunkt
der Darstellung sind die Erlöse, die dem Medienbetrieb aus einem verkauften
Exemplar eines Medienproduktes zufließen. Die Erlöse sind nach den
verschiedenen Erlösquellen strukturiert, d.h. nach Werbe- und Verkaufserlösen (Albarran,
Alan B. 2002, S. 27 f.). Daran schließt sich die Aufgliederung der
Kosten und Kostenanteile an, die bei Herstellung und Auslieferung des
Medienprodukts anfallen. Die einzelnen Kostenblöcke können zu First-Copy-Costs,
Produktions- und Vertriebskosten zusammengefasst werden; zusätzlich ist die
Handelsspanne zu berücksichtigen (für eine detailliertere Kostenarteneinteilung
vgl. z.B. Pringle,
Peter K./Starr, Michael F./McCavitt, William E. 1999, S. 46 ff.).
Unter den First-Copy-Costs werden alle Kosten verstanden, die
im Rahmen der Erstellung des ersten Exemplars eines Medienprodukts (Urkopie)
anfallen. Dazu zählen beispielsweise die Nullkopie eines Films oder das
Mastertape einer Musikproduktion. Die Zusammensetzung der First-Copy-Costs ist
medienspezifisch. In allen Medienbranchen sind in den First-Copy-Costs neben
den Kosten für die Produktion des Medienprodukts (Content-Produktion) auch die
Kosten für Marketing und Verwaltung enthalten. In einigen Medienbranchen fallen
darüber hinaus noch Kosten für die Werbeakquise und Lizenzkosten an. Die
Produktions- und Vertriebskosten enthalten alle Kosten, die zur
Vervielfältigung der Urkopie (Produktion) und zur Auslieferung der
Vervielfältigungen an eventuelle Intermediäre (Vertrieb) anfallen. Zu den
Produktionskosten zählen beispielsweise die Kosten des Zeitungsdrucks oder der
Pressung von DVDs und CDs. Medien, die auf ein physisches Trägermedium wie
Papier bzw. aufwändige Herstellungsverfahren angewiesen sind, haben einen sehr
hohen Anteil an Produktions- und Vertriebskosten, während besonders bei
digitalen Produkten der Anteil der Vervielfältigungskosten sehr gering ist.
Falls die Auslieferung der Medienprodukte an die Rezipienten nicht direkt vom
Produzenten durchgeführt wird, müssen zusätzlich die Kosten der einzelnen,
externen Distributionsstufen (Intermediäre) berücksichtigt werden.
Abb. 5: Kosten- und Erlösstruktur von Medienbetrieben
V. Entwicklungstendenzen
von Medienbetrieben
Aufgrund der fundamentalen Veränderungen der
Wettbewerbsstruktur und der hohen Wettbewerbsdynamik (Breyer-Mayländer,
Thomas 2004, S. 15) sind die Entwicklungen für die Marktakteure auf
den Medienmärkten nur schwer abschätzbar. Es kann jedoch davon ausgegangen
werden, dass sich zum einen die Internationalisierung der Medienbetriebe in
einem verstärkten Ausmaß fortsetzen wird (Kiefer, Marie
L. 2001, S. 23 f.). Ein Beispiel hierfür ist die Bertelsmann AG aus
Gütersloh, die sich zu einem global agierenden Medienkonzern entwickelt hat
(mit derzeit weniger als 30%-Umsatzanteil in Deutschland). Zum anderen wird die
fortschreitende Branchenkonvergenz, angetrieben insbesondere durch
technologische Innovationen sowie veränderte Nutzerpräferenzen, die Entwicklung
zu integrierten Medien- und Internetverbundbetrieben beschleunigen. Im Rahmen
dieser multimedialen Konvergenz wird dem Internet zukünftig eine herausragende
Bedeutung zukommen.
Literatur:
Albarran, Alan B. : Media Economics:
Understanding Markets, Industries and Concepts, 2. A., Ames 2002
Barney, Jay B. : Firm Resources and
Sustained Competitive Advantage, in: Journal of Management, Jg. 17, H. 1/1991,
S. 99 – 120
Breyer-Mayländer, Thomas : Einführung
in das Medienmanagement, München 2004
Burmann, Christoph : Strategische
Flexibilität und Strategiewechsel als Determinanten des Unternehmenswertes,
Wiesbaden 2002
Kiefer, Marie L. : Medienökonomik –
Einführung in eine ökonomische Theorie der Medien, München 2001
Meffert, Heribert/Bruhn, Manfred : Dienstleistungsmarketing:
Grundlagen – Konzepte – Methoden, 3. A., Wiesbaden 2000
Pringle, Peter/Starr, Michael
F./McCavitt, William E. : Electronic Media Management, 4. A., Burlington 1999
Pross, Harry : Medienforschung. Film,
Funk, Presse, Fernsehen, Darmstadt 1972
Pürer, Heinz : Publizistik- und
Kommunikationswissenschaft: ein Handbuch, Konstanz 2003
Schumann, Matthias/Hess, Thomas :
Grundfragen der Medienwirtschaft – Eine betriebswirtschaftliche Einführung, 3.
A., Berlin 2005
Sjurts, Insa : Medienunternehmen, in:
Gabler Lexikon Medienwirtschaft, hrsg. v. Sjurts, Insa, Wiesbaden 2004, S.
390 – 391
Wirtz, Bernd W. : Grundlagen des
Medien- und Multimediamanagements, in: Handbuch Medien- und
Multimediamanagement, hrsg. v. Wirtz, Bernd W., Wiesbaden 2003, S. 13 – 29
Wirtz, Bernd W. : Medien- und
Internetmanagement, 4. A., Wiesbaden 2005
Wirtz, Bernd W./Sammerl, Nadine :
Medienmanagement als spezielle betriebswirtschaftliche Disziplin, in:
Wirtschaftswissenschaftliches Studium, H. 2/2005, S. 87 – 92
Wöhe, Günter/Döring, Ulrich :
Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 22. A., München 2005
|