Inhaltsübersicht
I. Betriebswirtschaftliche
Relevanz der Kundenzufriedenheit
II. Messung
und Analyse der Kundenzufriedenheit
III. Mitarbeiterzufriedenheit
und Zufriedenheit weiterer Stakeholder
I. Betriebswirtschaftliche
Relevanz der Kundenzufriedenheit
Die Kundenzufriedenheit zählt spätestens seit den
1990er-Jahren zu den wichtigsten Themen des Marketings in Wissenschaft und
Praxis. In den meisten Branchen sind heutzutage Käufermärkte anzutreffen, sodass
kundenorientierte Produkte und Leistungen sowie die hieraus resultierende
Zufriedenheit als Mittel zur langfristigen Bindung von Kunden und zur
strategischen Differenzierung vom Wettbewerb begriffen werden. Die
Globalisierung der Wirtschaft, die Auflösung von Branchengrenzen und das
zunehmende Machtbewusstsein der Kunden verstärken die Relevanz dieser Thematik.
Die in der Öffentlichkeit teilweise sehr emotional geführte Debatte um die
„ Servicewüste Deutschland “ hat gerade hierzulande das Interesse an dem Thema
Kundenzufriedenheit weiter verstärkt (Meyer, Anton
2002).
Mit der zunehmenden Relevanz der Kundenzufriedenheit ist
diese von einem reinen „ Marketingthema “ zu einem weithin akzeptierten Imperativ
der Unternehmensführung geworden. Veröffentlichungen zum Total Quality
Management, zur Balanced Scorecard oder im Bereich der Kennzahlensysteme setzen
Kundenzufriedenheit in ganzheitliche Ursache-Wirkungszusammenhänge und machen
diese zum Gegenstand des Controlling. So gilt beispielsweise ein nachhaltiger
Rückgang der Kundenzufriedenheit als wichtiger Frühindikator für den drohenden
Verlust von Marktanteilen und resultierende ökonomische Probleme.
II. Messung und Analyse
der Kundenzufriedenheit
Die Messung und Analyse der Kundenzufriedenheit wird im
Allgemeinen dem Marketing und hier der Domäne der Marktforschung zugerechnet.
Hinsichtlich der Konzeptionalisierung des Konstrukts Kundenzufriedenheit hat
sich das Confirmation-Disconfirmation-Paradigma als dominierendes Konzept und
integrativer Rahmen für weitere Erklärungsansätze durchgesetzt (Stauss, Bernd
1999). Hiernach entsteht Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit aus einem
individuellen Abgleich zwischen den Erwartungen an eine Leistung
(Soll-Komponente) sowie der tatsächlich erhaltenen Leistung (Ist-Komponente).
Mittlerweile hat sich die Auffassung durchgesetzt, Kundenzufriedenheit als
einstellungsähnliches Konstrukt zu verstehen, das nicht auf einzelne
Transaktionen oder Leistungsepisoden begrenzt ist, sondern den Verlauf der
gesamten Kundenbeziehung widerspiegelt (Meyer,
Anton/Kantsperger, Roland 2005). Ferner wird vermehrt angenommen,
dass Kundenzufriedenheit neben einer kognitiven Komponente auch eine affektive
Facette umfasst. Bei der Planung und Durchführung einer
Kundenzufriedenheitsbefragung sind grundsätzlich folgende Entscheidungsfelder
zu beachten (Beutin,
Nikolas 2003):
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die Zielgruppe der Befragung (Auswahl der
Kundengruppen und/oder Bestimmung der Ansprechpartner)
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die Gestaltung der Stichprobe (Vollerhebung oder
Teilerhebung, Ziehung der Stichprobe)
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die Art der Befragung (persönliche, telefonische,
schriftliche oder Internet- bzw. Online Befragung)
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die Art der Fragestellung (geschlossene und/oder
offene Fragen)
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der Inhalt der Befragung (Grobinhalte und
Detailinhalte) und
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der zeitliche Horizont der Befragung (einmalige
Befragung oder Verstetigung als Zufriedenheitsbarometer).
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Wie im Folgenden ersichtlich, hängen die einzelnen
Entscheidungsfelder in hohem Maße mit der Auswahl eines bestimmten Messansatzes
zusammen. Dieser korrespondiert wiederum stark mit den zugrunde liegenden
Analyse- und Interpretationsmöglichkeiten sowie der Erarbeitung und Umsetzung
von Gestaltungsmaßnahmen zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit und
Kundenbindung.
Für die Messung der Kundenzufriedenheit hat sich eine
Unterscheidung von objektiven und subjektiven Verfahren durchgesetzt. Objektive
Verfahren erfassen direkt beobachtbare Größen wie z.B. Umsatz oder Marktanteil,
die in hohem Maße mit der Kundenzufriedenheit einhergehen. Da objektive
Verfahren keinen direkten Bezug zum Konstrukt der Kundenzufriedenheit
herstellen und die zugrunde liegenden Indikatoren durch eine Vielzahl von
Faktoren wie z.B. Konjunkturverlauf oder Konkurrenzaktivitäten beeinflusst
werden, gelten diese als nur mäßig valide. Dementsprechend spielen objektive
Verfahren bei der Messung und Analyse der Kundenzufriedenheit eine
untergeordnete Rolle. Dies schließt selbstredend nicht aus, dass die genannten
Indikatoren im Rahmen unternehmerischer Kennzahlensysteme und Performancemaße
Verwendung finden.
Im Gegensatz zu objektiven Verfahren setzen subjektive
Verfahren an der individuellen Bildung von Zufriedenheitsurteilen an. Hier ist
eine Trennung zwischen den weit verbreiteten merkmalsorientierten sowie den vor
allem im Bereich des Dienstleistungsmarketings diskutierten
ereignisorientierten Verfahren üblich (Stauss, Bernd
1999). Beide werden im Folgenden einer genaueren Betrachtung unterzogen.
1. Merkmalsorientierte Verfahren
Merkmalsorientierte Verfahren gehen davon aus, dass sich die
Globalzufriedenheit des Kunden auf die separate Beurteilung verschiedener
Einzelmerkmale und hieraus resultierende Teilzufriedenheiten zurückführen
lässt. Entscheidend für die erfolgreiche Anwendung merkmalsorientierter
Verfahren ist, dass alle aus Kundensicht relevanten Leistungsmerkmale Berücksichtigung
finden. Hierfür sind im Regelfall im Vorfeld explorative Vorstudien nötig.
Bei den merkmalsorientierten bzw. multiattributiven Verfahren
finden verschiedene Ratingskalen Anwendung, die sich in Leistungs-, Erwartungs-
und Zufriedenheitsskalen unterteilen lassen. Während in der Wissenschaft häufig
Leistungsskalen favorisiert werden, kommen in der Praxis verbreitet
Zufriedenheitsskalen zum Einsatz. Darüber hinaus hängt die Auswahl einer
Messskala von der Fragestellung ab, ob ein direkter oder indirekter Messansatz
Verwendung findet.
Hiermit ist angesprochen, ob die Zufriedenheit in direkter
Weise oder, ausgelöst durch viel beachtete Beiträge im Dienstleistungsmarketing
und hier vor allem im Bereich der Servicequalität durch den SERVQUAL-Ansatz, indirekt
als Lücke zwischen getrennt erhobener Erwartung und Leistungsbeurteilung
(Gap-Modell) gemessen wird (Parasuraman,
Parsu/Zeithaml, Valerie A./Berry, Leonard L. 1988). Während für die
direkte Zufriedenheitsmessung eine ex-post Messung vorgenommen wird, ist für
den indirekten Messansatz sowohl eine ex-ante/ex-post als auch eine reine
ex-post Erhebung denkbar. Die separate Erhebung der beiden zentralen
Komponenten der Kundenzufriedenheit stellt aus theoretischer Sicht einen Vorzug
der indirekten Messung dar. Demgegenüber wird kritisiert, dass eine getrennte
Bewertung von Erwartungen und Leistungen kaum möglich ist und erheblich durch
konkrete Konsum- und Nutzungserfahrungen verzerrt wird. Hierzu tritt aufgrund
der verwendeten Doppelskala ein erheblicher erhebungsökonomischer Mehraufwand.
Im Ergebnis hat sich der direkte Messansatz auf breiter Front durchgesetzt.
Für eine umfassende Analyse und managementorientierte
Ableitung von Handlungsempfehlungen stellt sich die Frage, wie das Gewicht der
einzelnen Leistungsattribute bestimmt werden kann. Zahlreiche Arbeiten belegen,
dass verschiedenen Leistungsmerkmalen eine stark unterschiedliche Relevanz
hinsichtlich der Beeinflussung der Globalzufriedenheit zukommen kann. Während
beim Zweikomponentenansatz eine getrennte Erhebung der Bedeutung von
Leistungsattributen sowie der Zufriedenheit mit den einzelnen Merkmalen vorgenommen
wird, beschränkt man sich beim Einkomponentenansatz auf die Erhebung der
jeweiligen Teilzufriedenheiten (Stauss, Bernd
1999).
Der Zweikomponentenansatz bietet den grundsätzlichen Vorteil,
dass sich durch die getrennte Ausweisung von Zufriedenheitswerten eindeutige
Handlungsempfehlungen ableiten lassen. Demgegenüber wird jedoch auf das häufig
zu beobachtende Problem der Anspruchsinflation hingewiesen, wonach die
Befragten dazu tendieren, nahezu alle Leistungsmerkmale als wichtig oder sehr
wichtig einzustufen. Zudem wurde festgestellt, dass Bedeutung und Zufriedenheit
in vielen Fällen keineswegs unabhängig sind und in hohem Maße korrelieren.
Somit verlieren die auf den ersten Blick sehr klaren Empfehlungen der
Zufriedenheitsanalyse an Aussagekraft. Die skizzierten Probleme könnten zwar
mit Hilfe des Rangreihen- oder Konstantsummenverfahrens gemildert werden,
gleichzeitig entsteht hierdurch jedoch die Gefahr einer möglichen Überforderung
der Befragten. Im Ergebnis hat der Zweikomponentenansatz in den letzten Jahren
erheblich an Bedeutung verloren, da hiermit zudem ein erheblicher
Erhebungsmehraufwand im Vergleich zum Einkomponentenansatz einhergeht (Meyer,
Anton/Kantsperger, Roland 2005).
Beim Einkomponentenansatz wird häufig eine multiple
Regressionsanalyse angewendet, um den Einfluss der einzelnen Leistungsattribute
auf die Gesamtzufriedenheit zu bestimmen. Hierbei kann allerdings das Problem
der Multikollinearität auftreten. Dem lässt sich zwar durch die Anwendung einer
explorativen Faktorenanalyse und die Integration in eine weitere
Regressionsanalyse begegnen, gleichzeitig geht mit der Verdichtung der
Leistungsmerkmale jedoch ein Informationsverlust einher. Im Ergebnis lassen
sich Handlungsempfehlungen mitunter nur bedingt ableiten (Stauss, Bernd
1999). Daneben wird mittlerweile auch in der Kundenzufriedenheitsforschung
verbreitet die Kausalanalyse angewendet, die gerade zur Abbildung komplexer
Ursache-Wirkungszusammenhänge prädestiniert erscheint. Im Vergleich zur
Regressionsanalyse unterstellt die Kausalanalyse keine Unkorreliertheit der
unabhängigen Variablen und überprüft Zusammenhänge zudem unter Beachtung von
Messfehlern (Beutin,
Nikolas 2003).
Eine alternative Vorgehensweise besteht darin, die
Wichtigkeit der Einzelmerkmale über die Korrelation der Teilzufriedenheiten mit
der Globalzufriedenheit zu bestimmen. Eine anschauliche Aufbereitung der so
errechneten Bedeutungsgewichte und der einzelnen Teilzufriedenheiten in so genannten
Handlungs-Relevanz-Matrizen ermöglicht ähnlich zu klassischen
Zufriedenheitsportfolios eine eindeutige Ableitung und Priorisierung von
Verbesserungsmaßnahmen (Meyer,
Anton/Dornach, Frank 1998).
Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass die
merkmalsorientierten Verfahren in der Wissenschaft und Praxis breite Akzeptanz
gefunden haben und in der Regel reliable und valide Ergebnisse liefern. Zudem
ermöglichen sie in vielen Fällen eine Vergleichbarkeit der Resultate aus
unterschiedlichen Branchen und Unternehmen und eignen sich im Besonderen für
eine kontinuierliche und periodische Anwendung und somit für eine Verstetigung
im Rahmen unternehmerischer Controlling- und Kennzahlensysteme.
2. Ereignisorientierte Verfahren
Im Gegensatz hierzu kritisieren die Anhänger
ereignisorientierter Ansätze, dass multiattributive Verfahren lediglich die
Routinequalität erfassen und das subjektive Konsumerleben nicht konkret und in
der individuell empfundenen Dringlichkeit abbilden. Im Besonderen unterstellen
sie, dass einzelne besonders positiv oder negativ empfundene Erlebnisse, die
einer episodischen Informationsverarbeitung unterliegen, das
Zufriedenheitsurteil in besonderer und asymmetrischer Weise beeinflussen.
Dementsprechend werden ereignisorientierte Erhebungs- und Analysemethoden wie
die sequenzielle Ereignismethode, die Critical Incident Technique oder die
Beschwerde- und Lobanalyse favorisiert (Hentschel,
Bert 1992).
Bei der aus der Dienstleistungsforschung stammenden sequenziellen
Ereignismethode handelt es sich um eine prozessorientierte Kundenbefragung in
mündlichen Interviews (Stauss, Bernd
1991). Ziel ist die Ermittlung von positiven und negativen Ereignissen im
Qualitätserleben des Kunden. Hierzu werden in einem ersten Schritt die aus
Kundensicht relevanten Kundenkontaktpunkte identifiziert und mit Hilfe eines
visualisierten Kundenpfades als so genannter Blueprint dargestellt. In einem
zweiten Schritt wird den Kunden der Kundenpfad vorgelegt und auf Basis einer
Befragung die Inanspruchnahme der Leistung gedanklich durchgegangen und
episodenhaft geschildert. Obwohl die Anwendung der sequenziellen
Ereignismethode als vergleichsweise aufwändig einzustufen ist, zeigen
Erfahrungen, dass sich mit ihrer Hilfe eine Vielzahl qualitätsrelevanter
Eindrücke gewinnen lässt und häufig eine Reihe konkreter Handlungsempfehlungen
abgeleitet werden kann. Der Einsatz zusätzlicher Ratingskalen hinsichtlich
subjektiver Relevanz einzelner Ereignisse oder Zufriedenheit mit dem einzelnen
Kontaktpunkt kann die Aussagekraft dieses Verfahrens weiter erhöhen.
Während die sequenzielle Ereignismethode eher das
Normalerleben des Kunden widerspiegelt, fokussiert die aus der
Arbeitspsychologie stammende Critical Incident Technique auf Extremerlebnisse
des Kunden (Stauss, Bernd
1991). Hierzu werden die Kunden in persönlichen Interviews gebeten, sich an
außergewöhich positive oder negative Ereignisse mit dem jeweiligen Unternehmen
zu erinnern. Auf Basis weiterer dezidierter Nachfragen mittels standardisierter
offener Fragen werden die zugrunde liegenden Erlebnisse detailliert erfasst und
auf Basis eines mehrstufigen Auswertungsverfahrens zu typischen
Erlebniskategorien verdichtet. Die auf Basis der Critical Incident Technique
gewonnenen Informationen sind in der Regel besonders detailliert, vielschichtig
und aussagekräftig und ermöglichen so ein klares Ableiten von
Verbesserungsmaßnahmen. Einzelne, besonders wichtige exemplarische Ereignisse
können zusätzlich gut für Schulungszwecke genutzt werden. Demgegenüber steht
der hohe Erhebungs- und Auswertungsaufwand sowie die mangelnde
Repräsentativität der Ergebnisse. Zusätzlich kann die Zahl der zu befragenden
Personen nicht a priori festgelegt werden, da sie stark von Art und Anzahl der
geschilderten Ergebnisse abhängt.
Von Kunden vorgetragene Beschwerden sind als Artikulation von
Unzufriedenheit zu sehen. Demgegenüber lässt sich geäußertes Lob als Ausdruck
besonderer Kundenzufriedenheit verstehen. Eine systematische Beschwerde- und
Lobanalyse ermöglicht somit eine unmittelbare Identifikation
zufriedenheitsrelevanter Ereignisse mit aus Kundensicht hoher Relevanz. Da die
Kunden sich aus eigener Initiative an das Unternehmen wenden, ist dieses
Verfahren zudem effizient. Allerdings weiß man aus Studien zum
Beschwerdeverhalten, dass sich in aller Regel nur ein kleiner Anteil der
unzufriedenen Kunden beschwert und die erfassten Probleme als keineswegs
repräsentativ gelten können (Stauss, Bernd
1999). Dennoch leistet auch die Beschwerde- und Lobanalyse einen Beitrag zur
Ableitung von Managementimplikationen.
3. Würdigung
Im Ergebnis sind die Vor- und Nachteile der
merkmalsorientierten und ereignisorientierten Verfahren als komplementär
einzustufen. Die relativ einfach zu handhabenden merkmalsorientierten Verfahren
liefern in der Regel reliable Ergebnisse und ermöglichen häufig eine Vergleichbarkeit
der Resultate aus unterschiedlichen Unternehmen und Branchen. Dagegen sind die
ereignisorientierten Methoden geeignet, zusätzliche Ansatzpunkte in Form
konkreter zufriedenheitsrelevanter Erlebnisse zu vermitteln. Es erscheint
sinnvoll, unter Berücksichtigung von Effizienzgesichtspunkten innerhalb eines
Zufriedenheitsmesssystems eine Kombination merkmalsorientierter und
ereignisorientierter Verfahren anzuwenden (Meyer,
Anton/Davidson, Hugh J. 2001).
III. Mitarbeiterzufriedenheit
und Zufriedenheit weiterer Stakeholder
Ausgelöst durch zahlreiche Arbeiten im Bereich der Arbeits-
und Organisationspsychologie hat auch in der Betriebswirtschaftslehre in
letzter Zeit das Interesse an der Mitarbeiterzufriedenheit stark zugenommen. Im
Besonderen wird angenommen, dass sich ein hoher Grad der
Mitarbeiterzufriedenheit positiv auf die Kundenzufriedenheit auswirkt und somit
zum wirtschaftlichen Erfolg beiträgt. Zufriedene Mitarbeiter, so die häufige
Argumentation, gelten als engagierter, motivierter und leistungsbereiter und
erbringen so einen Beitrag zur Steigerung der Leistungsqualität und
Kundenzufriedenheit. Zahlreiche empirische Arbeiten belegen, wenn auch nicht
immer eindeutig, einen positiven Einfluss der Mitarbeiterzufriedenheit auf die
erbrachte Arbeitsleistung und die Kundenzufriedenheit (Holtz,
Richard Freiherr vom 2000). Stock untersucht in ihrer viel
beachteten Dissertationsschrift direkte, indirekte und moderierende Effekte
zwischen Mitarbeiterzufriedenheit und Kundenzufriedenheit (Stock, Ruth
2001). Sie kann zeigen, dass Mitarbeiterzufriedenheit direkt auf die Kundenzufriedenheit
wirkt und dass über eine Steigerung der Kundenorientierung des Verhaltens der
Mitarbeiter zudem ein indirekter Effekt besteht. Weiter weist sie moderierende
Effekte zwischen Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit in Abhängigkeit von
Merkmalen der jeweiligen Mitarbeiter und Kunden nach. Daneben wurde in einigen
Studien auch ein entgegengesetzter positiver Einfluss der Kundenzufriedenheit
auf die Mitarbeiterzufriedenheit nachgewiesen. Als unumstritten gilt zudem
weiterhin, dass ein hohes Niveau der Mitarbeiterzufriedenheit hilft, den Grad
von Fluktuation und Absentismus zu senken und somit auch hier unter
Effizienzgesichtspunkten relevant ist. Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass
die Beeinflussung und Förderung der Mitarbeiterzufriedenheit mittels geeigneter
Maßnahmen eine zentrale Aufgabe des Managements und der Personalführung
darstellt. Gleichzeitig sollte diese häufig unter ökonomischen Kriterien
geführte Diskussion nicht den Blick dafür verstellen, dass ein hoher Grad an
Mitarbeiterzufriedenheit auch ein wichtiges Humanziel und einen zentralen
Wohlfahrtsindikator darstellt.
Daneben erscheint es sinnvoll, Fragen der Messung und Analyse
von Zufriedenheit nicht auf Kunden und Mitarbeiter zu beschränken, sondern auf
weitere Stakeholder-Gruppen auszudehnen. Neben der offensichtlichen Relevanz
der Lieferantenzufriedenheit in mehrstufigen Wertschöpfungsprozessen ist hier
im Sinne einer Kapitalmarktorientierung und im Kontext von
Investor-Relations-Aktivitäten im Besonderen auch an die Zufriedenheit von
Investoren und Kapitalgebern zu denken. In diesem Kontext erscheint es erneut
sinnvoll, die Zufriedenheit einzelner Anspruchsgruppen ganzheitlich und unter
Beachtung möglicher Interdependenzen zu betrachten.
Literatur:
Beutin, Nikolas : Verfahren zur Messung
der Kundenzufriedenheit im Überblick, in: Kundenzufriedenheit, hrsg. v.
Homburg, Christian, 5. A., Wiesbaden 2003, S. 115 – 152
Hentschel, Bert :
Dienstleistungsqualität aus Kundensicht, Wiesbaden 1992
Holtz, Richard Freiherr vom : Der
Zusammenhang zwischen Mitarbeiterzufriedenheit und Kundenzufriedenheit, München
2000
Krafft, Manfred : Der Kunde im Fokus:
Kundennähe, Kundenzufriedenheit, Kundenbindung – und Kundenwert?, in: Die
Betriebswirtschaft, Jg. 59, H. 4/1999, S. 511 – 530
Meyer, Anton/Kantsperger, Roland :
Kundenzufriedenheit, in: Handbuch Wirtschaftspsychologie, hrsg. v. Frey,
Dieter/Hoyos, Carl Graf/Rosenstiel, Lutz von, Weinheim 2005, S. 219 – 229
Meyer, Anton : Kundenorientierung,
Kundenzufriedenheit, Kundenbindung – Erkenntnisse aus Sicht von Forschung und
Lehre, Beilage zum Kundenmonitor Deutschland, S. 34 – 44, München 2002
Meyer, Anton/Davidson, Hugh J. :
Offensives Marketing, Freiburg i. Br. 2001
Meyer, Anton/Dornach, Frank : Das
Deutsche Kundenbarometer 1998 – Qualität und Zufriedenheit: Jahrbuch der
Kundenzufriedenheit in Deutschland 1998, München 1998
Parasuraman, Parsu/Zeithaml, Valerie
A./Berry, Leonard L. : SERVQUAL: A Multiple Item Scale for Measuring Consumer
Perceptions of Service Quality, in: Journal of Retailing, Jg. 64, H. 1/1988, S.
12 – 40
Stauss, Bernd : „ Augenblicke der
Wahrheit “ in der Dienstleistungserstellung – Ihre Relevanz und ihre Messung mit
Hilfe der Kontaktpunkt-Analyse, in: Dienstleistungsqualität, hrsg. v. Bruhn,
Manfred/Stauss, Bernd, Wiesbaden 1991, S. 345 – 356
Stauss, Bernd : Kundenzufriedenheit,
in: Marketing Zeitschrift für Forschung und Praxis, H. 1/1999, S. 5 – 24
Stock, Ruth : Der Zusammenhang
zwischen Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit: Direkte, indirekte und
moderierende Effekte, Wiesbaden 2001
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