Inhaltsübersicht
I. Einleitung
II. Begriff
III. Historische
Entwicklung des Qualitätsmanagements
IV. Konzepte
und Instrumente des Qualitätsmanagements
V. Umsetzung
der Konzepte des Qualitätsmanagements
VI. Kritische
Würdigung und Ausblick
I. Einleitung
Qualitätsmanagement hat in den letzten Jahren in der
betriebswirtschaftlichen Praxis und Literatur eine intensive Diskussion
erfahren. Es gibt wohl kaum ein Unternehmen, das von sich behaupten würde,
„ Qualität “ nicht auf seine Fahnen geschrieben zu haben und das sich
grundsätzlich gegen die Umsetzung neuerer Qualitätsmanagementkonzepte zur
systematischen Qualitätssteigerung sperren würde.
Im vorliegenden Beitrag werden nach einer kurzen
Begriffsbestimmung die historische Entwicklung des Qualitätsmanagements
nachgezeichnet und wesentliche Konzepte und Instrumente des
Qualitätsmanagements dargestellt. Anschließend wird auf die Umsetzungschancen
und -probleme der Konzepte und Instrumente des Qualitätsmanagements in Unternehmen
eingegangen. Den Abschluss des Beitrags bilden eine kritische Würdigung und ein
Ausblick auf sich abzeichnende Entwicklungen des Qualitätsmanagements.
II. Begriff
Qualitätsmanagement, das zunehmend auch unter der Bezeichnung
Total Quality Management diskutiert wird, ist eine „ Führungsmethode einer
Organisation, bei welcher Qualität in den Mittelpunkt gestellt wird, welche auf
der Mitwirkung aller ihrer Mitglieder beruht und welche auf langfristigen
Erfolg durch Zufriedenstellung der Abnehmer und durch Nutzen für die Mitglieder
der Organisation und der Gesellschaft zielt “ (DIN EN ISO 8402). Im Unterschied
zu älteren Konzepten der Qualitätssicherung, die sich auf Kontroll- und
Prüfstrategien im Leistungserstellungsprozess beziehen und wesentlich auf die
Qualität der Produkte bzw. Dienstleistung abstellen, erweitert Total Quality
Management Aufgaben und Funktionen des Qualitätsmanagements. Alle Aktivitäten
und Prozesse einer Organisation sind Aufgabe eines umfassenden
Qualitätsmanagements. Damit einher geht eine präventive Ausrichtung des
Qualitätsverständnisses; nicht die Korrektur von Fehlern wird angestrebt,
sondern deren Vermeidung (Crosby, 1979).
Im Mittelpunkt des Qualitätsmanagements steht dabei der einzelne Mitarbeiter,
der die Qualitätsverantwortung in seinem Aufgabenbereich übernehmen soll.
III. Historische
Entwicklung des Qualitätsmanagements
Der Ausgangspunkt des modernen Qualitätsmanagements ist das „ Scientific Management “ . Die von Taylor (Taylor, 1911)
und seinen Kollegen entwickelten Methoden der Überwachung der Produktion zur
Einhaltung einer bestimmten Qualität der Produkte unterlagen unvermeidlichen
Schwankungen, die durch die Leistungsfähigkeit der mit den Kontrollaufgaben
beauftragten Personen bedingt waren. Die Kontrolle des Ausstoßes und die
Auslese aller mangelhaften Produkte erwiesen sich deshalb bald, insbesondere
bei der Fertigung großer Massen von Artikeln mit niedrigem Verkaufswert, als
ebenso umständlich wie kostspielig (Lerner, 1988).
Dieses Vorgehen konnte insofern unter dem Aspekt einer kostengünstigen Qualitätssicherung nie vollends befriedigen
(Tuckman, 1995).
Das Problem hätte schon von Beginn an durch den Einsatz der bereits zu Taylors
Zeiten relativ entwickelten Methoden der Statistik weitgehend behoben werden
können (Lerner, 1988).
1931 erschien das heute als Klassiker der statistischen
Qualitätskontrolle geltende Werk von Shewhart „ Economic Control of Quality of
Manufactured Product “ (Lerner, 1988).
In diesem Buch wurden die Fragen geeigneter Stichprobenpläne und ihrer
Entwicklung, wie z.B. die Prüfung von Hypothesen über die Qualität von
Fertigungslosen, diskutiert. Der erste systematische Zugang zu den Verfahren
der statistischen Qualitätskontrolle für die industrielle Fertigung war
geschaffen. In der Folge übernahmen die Betriebsökonomen in den USA allmählich
die von den Statistikern entwickelten Methoden zur Verarbeitung und Auswertung
großer Mengen von Daten (Lerner, 1988).
Mit Hilfe dieser Verfahren wurde es möglich, die auf einen Fertigungsprozess
systematisch wirkenden Störgrößen von den zufälligen zu unterscheiden, um dann
korrigierende Maßnahmen entweder zu ergreifen oder zu unterlassen (Masing, 1978).
In Deutschland fanden die Verfahren der statistischen
Qualitätskontrolle erst ab Ende der 1940er-Jahre weite Verbreitung. Der Grund
für die späte Nutzung der statistischen Verfahren lag ähnlich wie in den USA
darin, dass den Mitarbeitern in den Unternehmen die erforderlichen Kenntnisse
zum Einsatz der Methoden fehlten.
Ab 1960 wurde das Aufgabenfeld der Qualitätssicherung
beständig ausgeweitet. Die Konzepte der Qualitätssicherung begannen, von den
Fertigungsabteilungen ausgehend, allmählich die gesamte Organisation bis hin zu
den Unternehmensleitungen zu durchziehen. Der Akzent der Qualitätssicherung
wurde auf Planungsfragen verschoben, allerdings ohne dass die statistischen
Verfahren in ihrer Bedeutung abgewertet wurden (Masing, 1978).
Mit Beginn der 1970er-Jahre fand eine weitere Ausweitung des
Aufgabenfeldes der Qualitätssicherung statt. Die Einbeziehung umfangreicher
Dokumentationspflichten wurde zu einem wesentlichen Verantwortungsbereich der
Qualitätssicherung erhoben (Masing, 1978).
Die Idee der allgemeinen Verwendung von dokumentierten
Qualitätssicherungssystemen wurde klar erkennbar (Walgenbach, 2000).
Ab Mitte der 1970er-Jahre wurden von den Qualitätsingenieuren
in Deutschland mehrere Versuche unternommen, Normen zur Dokumentation von
Qualitätssicherungssystemen zu entwickeln. Alle diese Versuche trafen bei der
deutschen Industrie auf Ablehnung. Man verwahrte sich gegen die Normung von
Qualitätssicherungssystemen, weil man einen Eingriff in die
Organisationsfreiheit und eine Standardisierung des Managements und der Organisation
befürchtete. Als jedoch Mitte der 1980er-Jahre erkennbar wurde, dass die
Europäische Kommission wegen der nun schon seit Jahren drückenden und massiven
Probleme im Bereich der technischen Harmonisierung beabsichtigte, ihre Politik
zu ändern und hierzu auf die 1987 veröffentlichte ISO 9000er Normenreihe
verweisen wollte, kam es in Deutschland zu einer Akzeptanz der DIN ISO 9000er
Normenreihe (Walgenbach, 2000).
Im Zuge der sich Ende der 1970er-Jahre ausbreitenden
„ Japanhysterie “ (Bungard, 1991)
erhielt das Qualitätsmanagement einen weiteren Schub. Infolge der
Glorifizierung des japanischen Wirtschaftssystems hielten japanische
Managementtechniken und -konzepte, wie z.B. Qualitätszirkel oder Kaizen, auf
breiter Front Einzug in deutsche Unternehmen (Bungard, 1991).
Die in jüngerer Zeit in den Vordergrund tretende Konzeption
des Total Quality Managements, wie sie sich z.B. im Malcolm Baldrige National
Quality Award, im European Quality Award (EQA) und den verschiedenen in
Anlehnung an diese Auszeichnungen entwickelten nationalen und regionalen
Qualitätspreisen manifestiert, bildet den vorläufigen Abschluss der Ausweitung
der Konzepte des Qualitätsmanagements. Im Total Quality Management wird
Qualitätsmanagement als zentrale Führungsaufgabe und als Strategie für das
gesamte Unternehmen verstanden (Malorny, 1996).
„ Total “ bedeutet dabei, dass das gesamte Unternehmen mit allen
Geschäftsbereichen, Abteilungen und allen Mitarbeitern ohne Ausnahme in das
Ziel der Qualitätsverbesserung einbezogen werden soll (Frehr, 1994).
IV. Konzepte und
Instrumente des Qualitätsmanagements
Unabhängig davon, auf welchen der „ geistigen Väter “ (Deming , 1982;
Crosby, 1979;
Juran, 1988;
Juran, 1989;
Ishikawa, 1985)
des Qualitätsmanagements man sich bezieht, die Kernidee ist, dass jede
betriebliche Aktivität, jeder betriebliche Prozess verbessert werden kann. Nach
dem heutigen Verständnis des Qualitätsmanagements liegt die Verantwortung für
die Qualität von Produkten und Dienstleistungen nicht mehr in einer gesonderten
Abteilung für Qualitätskontrolle, sondern jeder Mitarbeiter der Organisation
hat in seinem Arbeitsbereich für Mängelvermeidung und Qualitätsverbesserung
Sorge zu tragen. Die Verantwortung der Mitarbeiter bezieht sich jedoch nicht allein
auf die Qualität der Produkte oder Dienstleistungen, sondern auch und vor allem
auf den Prozess der Leistungserstellung. Dieser Prozess soll kontinuierlich
verbessert werden. Die Aufgaben der früheren Abteilung Qualitätskontrolle
verlagern sich damit auf die Entwicklung und ständige Verbesserung des
Qualitätsmanagementsystems, die Einführung von Konzepten und Instrumenten zur
Erreichung der Ziele des Total Quality Managements, die Beratung und Schulung
der Mitarbeiter und Führungskräfte der Organisation sowie die Kontrolle der
Selbstkontrolle in den anderen Bereichen der Organisation.
1. Betriebliches Vorschlagswesen
Beim betrieblichen Vorschlagswesen handelt sich um ein
inzwischen etwas betagteres Managementinstrument, das sich aber aufgrund seiner
Stoßrichtung problemlos in moderne Qualitätsmanagementkonzepte integrieren
lässt. Unter einem betrieblichen Vorschlagswesen wird ein auf Dauer
eingerichtetes betriebliches System zur Förderung, Begutachtung, Anerkennung,
Umsetzung und Honorierung von Verbesserungsvorschlägen, die überwiegend von
Betriebsangehörigen eingereicht werden, verstanden (Diensberg, 1997).
Das ursprüngliche Ziel des betrieblichen Vorschlagswesens war, die
Rationalisierung der Betriebsabläufe durch von Mitarbeitern eingereichte
Verbesserungsvorschläge voranzutreiben. Die Detailkenntnisse der Mitarbeiter
über spezifische Probleme und mögliche Lösungen für diese Probleme sollten
durch die Aussicht auf eine Prämie für nutzbringende Vorschläge erschlossen
werden (Thom, 1991).
Zunehmend wird das betriebliche Vorschlagswesen auch als ein Mittel zur
Steigerung der Identifikation der Mitarbeiter mit ihren Aufgaben und dem
Unternehmen betrachtet (Steih, 1995).
2. Lernstatt und Qualitätszirkel
Das Konzept der Qualitätszirkel hat insbesondere durch den
wirtschaftlichen Erfolg der japanischen Industrie Ende der 1970er- und Anfang
der 1980er-Jahre Popularität erfahren. Das Konzept der Qualitätszirkel wurde
als eine der wesentlichen Techniken des japanischen Human Resource Management
identifiziert, das zum enormen Erfolg der japanischen Industrie beigetragen hat
(Bungard, 1991).
Eine genaue Bestimmung dessen, was heute in der betrieblichen Praxis unter
einem Qualitätszirkel verstanden wird, lässt sich kaum vornehmen; zu sehr
variieren die Definitionen in Literatur und das Verständnis in der
betrieblichen Praxis (Deppe, 1986).
Bestimmte Elemente, die in unterschiedlichen Kombinationen als kennzeichnend
für Qualitätszirkel angeführt werden, lassen sich jedoch herauskristallisieren.
Unter Qualitätszirkeln werden i.d.R. auf Dauer angelegte Gesprächsgruppen mit
einer begrenzten Zahl von Mitarbeitern aus unteren Hierarchieebenen verstanden,
die im Wesentlichen auf freiwilliger Basis in regelmäßig stattfindenden
Gesprächen Lösungen für spezifische Probleme in ihrem Arbeitsbereich entwickeln.
Sehr häufig steht in Qualitätszirkeln die Verbesserung der Produktivität und
Produktqualität im Vordergrund.
Eigenständige Entwicklungen hin zu mit Qualitätszirkeln
vergleichbaren Konzepten finden sich in Deutschland jedoch schon ab Anfang der
1970er-Jahre. Zu diesen Konzepten gehören u.a. die „ Lernstatt “ und der
„ Werkstattzirkel “ (Antoni, 1990).
Die Lernstatt wurde bei einigen Industrieunternehmungen als Modell zur Lösung
der Kommunikationsprobleme mit ausländischen Arbeitnehmern eingeführt.
Vorgesetzte vermittelten die im Arbeitsalltag benötigten fach- und
umgangssprachlichen Kenntnisse in kleinen Lerngruppen. Werkstattzirkel waren
hingegen von vornherein sehr stark auf die Lösung betrieblicher
Produktionsprobleme ausgerichtet.
3. Kaizen – kontinuierliche Verbesserung
Kaizen – oft verstanden als eine Art „ Managementphilosophie “
(Oess, 1992)
– setzt nicht auf große Sprünge, sondern auf eine kontinuierliche Verbesserung
in (vielen) kleinen Schritten. Dabei steht nicht allein die Optimierung der
Produkte oder Dienstleistungen der Organisation im Zentrum, sondern auch und
vor allem die Verbesserung des Leistungserstellungsprozesses. Kaizen soll
jedermanns Sache und nicht Aufgabe einer speziellen Abteilung sein (Pfeifer, 1996).
Kaizen greift Konzepte wie das betriebliche Vorschlagswesen
und Qualitätszirkel auf und führt sie zu einer systematischen Strategie
zusammen. Anders als das betriebliche Vorschlagswesen, das auf durch mögliche
Prämienzahlungen ausgelöste unregelmäßige Initiativen einzelner Mitarbeiter
setzt, bedeutet Kaizen, dass die Aktivitäten, die auf Verbesserung zielen, in
einer kontinuierlichen und systematischen Form stattfinden sollen. Das
Erarbeiten von Verbesserungsvorschlägen erfolgt in (bereichsübergreifenden)
Gruppen, und es besteht ein organisatorischer Rahmen zur Steuerung der
Aktivitäten zur kontinuierlichen Verbesserung. Zudem werden reproduzierbare
Methoden zur Generierung von Problemlösung eingesetzt. Dazu gehören schon mit
geringem Trainingsaufwand handhabbare Instrumente zur statistischen
Fehleranalyse und zur Visualisierung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen (Imai, 1992).
4. DIN ISO 9000
Ein prominentes, aber nicht unumstrittenes Instrument des
Qualitätsmanagements stellt die DIN ISO 9000er-Normenreihe dar (Walgenbach, 2000).
Grundgedanke der DIN ISO 9000er-Normenreihe ist das Prinzip der
Rückverfolgbarkeit. Um Mängel und Abweichungen entdecken und in Zukunft
vermeiden zu können, sollen alle qualitätsrelevanten Prozesse der Organisation
dokumentiert werden. Das Qualitätsmanagementsystem besteht regelmäßig aus einem
Qualitätsmanagementhandbuch sowie nachgelagerten Verfahrens- und
Arbeitsanweisungen. Das Qualitätsmanagementsystem muss periodischen internen
Audits unterzogen werden.
Das System kann zudem in regelmäßigen Abständen durch externe
Auditoren überprüft werden. Die Überprüfung durch eine unabhängige
Zertifizierungsstelle bildet die Voraussetzung für Ausstellung bzw.
Verlängerung eines Zertifikats, das der Organisation bescheinigt, ein
Qualitätsmanagementsystem entsprechend der Norm DIN ISO 9001 eingerichtet zu
haben. Das Zertifikat soll dem Aufbau von Vertrauen zwischen Organisationen
dienen. Das wichtigste Instrument zur Überprüfung des
Qualitätsmanagementsystems stellt das Qualitätsmanagementhandbuch dar, das die
Qualitätsgrundsätze und -ziele der Organisation enthält, die
Organisationsstruktur und Zuständigkeiten regelt sowie auf spezifische
Verfahren und Anweisungen verweist, durch die die aufgestellten
Qualitätsstandards der Organisation garantiert werden sollen.
Der hohe Verwaltungsaufwand und der zunehmende Grad der
Formalisierung, die mit der Einführung des Qualitätsmanagementsystems
entsprechend der Norm verbunden sind, stehen jedoch in Widerspruch zur
„ antibürokratischen “ Stoßrichtung vieler anderer Konzepte des
Qualitiätsmanagements. Kritisiert wird auch, dass die Normen von ihrer Anlage
her das Bestehende festschreiben und nicht auf eine kontinuierliche
Verbesserung der Leistungen und Leistungserstellungsprozesse zielen.
5. Benchmarking und Qualitätswettbewerbe
Als eine flexiblere und dynamischere Form des
Qualitätsmanagements gilt der Vergleich mit anderen Unternehmen, wie er im
Rahmen des Benchmarking oder durch Qualitätswettbewerbe stattfinden soll.
Als Maßstab für die eigene Qualitätsverbesserung dient beim
Benchmarking nicht ein fixierter Standard, wie z.B. die DIN ISO 9001, sondern
das mit Blick auf einen bestimmten Leistungserstellungsprozess jeweils beste
Unternehmen (Walgenbach,
/Hegele, 2001). Ist beim Benchmarking der Gewinner des
Vergleichs(wettbewerbs) schon im Vorfeld klar, werden beim European Quality
Award oder seinem amerikanischen Pendant, dem Malcom Baldrige National Quality
Award, die Unternehmen von einer unabhängigen Jury bewertet.
Die Idee eines europäischen Qualitätspreises entspringt der 1988 gegründeten European
Foundation for Quality Management (EFQM). Als Bewertungsgrundlage für die
Preisvergabe dient das so genannte EFQM-Modell. Unternehmen, die sich um den
Preis bewerben, werden an den in Abb. 1 aufgeführten Kriterien gemessen (EFQM/Deutsche
Gesellschaft für Qualität, 2003). Insgesamt kann ein
Unternehmen 1000 Punkte erreichen, wenn es alle Bewertungskriterien optimal
erfüllt, wobei die einzelnen Kriterien im Beurteilungskatalog nur
schlagwortartig beschrieben sind. Die Kriterien weisen insofern nur eine
äußerst geringe Auflösung auf. Trotz der daraus resultierenden Mess- und
Bewertungsschwierigkeiten wird jedes Jahr eine eindeutige Rangfolge unter den
Unternehmen gebildet, die um den European Quality Award konkurrieren. Der
Gewinner des Wettbewerbs erhält als erfolgreichster Repräsentant des Total
Quality Managements eine Trophäe, in die der Name des Unternehmens eingraviert
wird.
Benchmarking und Qualitätswettbewerbe perfektionieren und
institutionalisieren auf einer überbetrieblichen Ebene die Kernidee des
Qualitätsmanagements: Kontinuierliche Verbesserung ist nicht nur Sache einer
Organisation, sondern wird im (Wettbewerbs-)Spiel zwischen Unternehmungen
dauerhaft vorangetrieben (Walgenbach,
/Hegele, 2001).
Abb. 1: Die Kriterien des European Quality Awards
(EFQM-Modell)
V. Umsetzung der
Konzepte des Qualitätsmanagements
Als entscheidender Faktor für die erfolgreiche Umsetzung
einzelner Konzepte oder eines Total Quality Management-Ansatzes wird das Engagement des Topmanagements genannt,
das nicht nur in der Einführungsphase bemerkbar sein sollte (siehe exemplarisch
Frehr, 1994),
weil das Qualitätsbewusstsein der Mitarbeiter wesentlich durch die Vorbildfunktion
des Topmanagements geprägt wird.
Darüber hinaus wird die Einbeziehung
und Motivierung der Mitarbeiter als eine wichtige Aufgabe im Rahmen des
Qualitätsmanagements betrachtet. Die Mitarbeiter sollen ihre Kreativität und
Problemlösungsfähigkeit von Beginn an einbringen. Schulungen, in denen den
Mitarbeitern die Ziele des Qualitätsmanagements sowie Kenntnisse über die
Konzepte des Qualitätsmanagements vermittelt werden, die sie zu einer Umsetzung
der Konzepte befähigen sollen, sind wichtiger Bestandteil des
Qualitätsmanagements. Allerdings setzt Qualitätsmanagement Reserven bei den
Mitarbeitern voraus; Reserven, die durch andere Managementkonzepte, wie z.B.
Lean Management, die vornehmlich auf Kostensenkung abzielen, in den letzten
Jahren erheblich beschnitten wurden.
Ein wichtiges Element des Qualitätsmanagements ist die
Generierung von Qualitätszielen.
Qualitätsziele können einerseits intern entwickelt oder durch Bezugnahme auf
andere Organisationen oder Organisationseinheiten (Benchmarks) gesetzt werden.
Qualitätsmanagementkonzepte bieten eine ganze Palette zur Operationalisierung
von Qualitätszielen, wie z.B. die Kosten der Nichtqualität, Fehlerraten,
Durchlaufzeiten, Anzahl der Kundenbeschwerden oder Kundenzufriedenheitsmaße.
Anders als bei vielen anderen Managementkonzepten, wie z.B.
Management by Objectives, erscheint der Widerstand der Mitarbeiter bei
Qualitätsmanagementkonzepten eher unwahrscheinlich. „ Gegen Qualität kann ?
niemand etwas haben, auch nicht der Betriebsrat “ (Bröckling, 2000,
S. 144). Problematisch in der Umsetzung erscheint vielmehr, dass
Qualitätsmanagement auch aus Sicht der Mitarbeiter oft nur eingeführt wird,
weil es gerade Mode ist (Kieser, 1997)
und Qualitätsmanagementprogramme der Unternehmung einen „ modernen Anstrich “
geben sollen (Walgenbach, 2000).
Der hohe zeitliche und personelle Aufwand, der mit der Einführung von
Qualitätsmanagementkonzepten, wie etwa einem Qualitätsmanagementsystem nach DIN
ISO 9001, verbunden ist, scheint dann aus Sicht der Mitarbeiter nicht
gerechtfertigt und mit Blick auf ihre originären Aufgaben, an deren erfolgreicher
Bewältigung sie in der Regel gemessen werden, eher hinderlich. Die Mitarbeiter
fühlen sich den Zielsetzungen und Konzepten des Qualitätsmanagements in der
Folge nicht oder nur wenig verpflichtet.
VI. Kritische Würdigung
und Ausblick
Die Konzepte und Instrumente des modernen
Qualitätsmanagements sind überwiegend von Praktikern und Unternehmensberatern
entwickelt worden. Sie orientieren sich in erster Linie am Kriterium eines
möglichen Beitrags zu einem weit gefassten Qualitätsziel und setzen mit Blick
auf eben dieses Ziel auf den Aspekt der Wirksamkeit und grundsätzliche
Umsetzbarkeit. Eine wissenschaftliche Fundierung des Qualitätsmanagements, d.h.
die systematische Entwicklung von Hypothesen über spezifische
Wirkungszusammenhänge, steht bisher weitgehend aus. Ebenso fehlt es an
großzahligen empirischen Studien, die den Beitrag des Qualitätsmanagements zum
Unternehmenserfolg eindeutig belegen könnten (Hackman,
/Wageman, 1995). Vielmehr werden die Konzepte bisher
überwiegend mit Plausibilitätsüberlegungen fundiert und mit Einzelbelegen, d.h.
z.B. Geschichten über eine erfolgreiche Einführung, gestützt. Die geringe
wissenschaftliche Untermauerung hat dem Erfolg der Konzepte des
Qualitätsmanagements – im Sinne einer weiten Verbreitung in Unternehmen –
jedoch keinen Abbruch getan. Vielmehr deutet sich an, dass die Ideen des
Qualitätsmanagements – vielleicht nicht zuletzt wegen der Unbestimmtheit des
Qualitätsbegriffs – zunehmend auf immer weitere Bereiche, z.B. auf die Person
des Mitarbeiters im Sinne eines „ Selbstmanagements “ (Bröckling, 2000),
ausgeweitet werden.
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