Inhaltsübersicht
I. Optimierungsmodelle
II. Simulationsmodelle
I. Optimierungsmodelle
1. Definition
Modelle sind vereinfachte Abbildungen der Realität.
Erklärungsmodelle zeigen bestimmte Aspekte der Realität auf.
Entscheidungsmodelle dienen der Entscheidungsvorbereitung, indem sie aus einer
vorgegebenen Menge von Alternativen diejenigen auswählen, die einer
vorgegebenen Zielsetzung am besten entsprechen. Ein Spezialfall von
Entscheidungsmodellen sind Optimierungsmodelle, die die folgende Struktur
aufweisen (vgl. Kistner,
K.-P. 1993, S. 1 f.):
Gegeben sind Entscheidungsalternativen, die durch Zahlen bzw.
Vektoren charakterisiert werden können:
wobei M die Menge der zulässigen Entscheidungen ist. Weiter
sei
die Zielfunktion sei
eine Abbildung der Menge der zulässigen Entscheidungen in die Menge der reellen
Zahlen, die anzeigt, wie wünschenswert eine Entscheidung ist.
Weiter seien die Restriktionen Abbildungen
des in
die Menge der reellen Zahlen .
Berücksichtigt man, dass die Entscheidungsvariablen nur nicht-negative Werte
annehmen können, dann hat ein Optimierungsmodell die Form:
Sind die Zielfunktion und die Restriktionen linear, dann
liegt ein lineares Programm vor (zur linearen Optimierung vgl. z.B. Dantzig,
G.B./Thapa, M.N. 1997; Gal, T.
1973; Gass, S.I.
1985; Hadley, G.
1962; Kistner,
K.-P. 1993). In konvexen Programmen sind die zu minimierende
Zielfunktion sowie alle Restriktionen konvex und vom Typ „ kleiner oder gleich “ .
Ein Optimierungsproblem ist auch dann konvex, wenn diese Eigenschaften durch
Multiplikation von Zielfunktion oder Restriktionen mit – 1 erreicht werden kann
(zur konvexen Programmierung vgl. Horst, R.
1991; Kistner,
K.-P. 1993; Künzi,
H.-P./Krelle, W./v. Randow, R. 1979). Dürfen alle Variablen
nur ganzzahlige Werte annehmen, dann spricht man von einem rein ganzzahligen
Optimierungsproblem; gilt diese Bedingung nur für einige Variablen, dann liegt
ein gemischt-ganzzahliges Problem vor. Ein Spezialfall ganzzahliger
Optimierungsmodelle sind binäre Programme, bei denen einige Variablen nur die
Werte 0 oder 1 annehmen können. (Zur ganzzahligen Optimierung vgl. Burkard, R.E.
1992).
Die Theorie der Optimierungsmethoden befasst sich mit
Bedingungen, denen optimale Lösungen dieser Probleme genügen, und mit Verfahren
zu deren Bestimmung. Auch wenn es deren Zielsetzung suggeriert, können
Optimierungsmodelle niemals optimale Entscheidungen determinieren; sie liefern
lediglich Entscheidungsvorschläge, die durch den Entscheidenden
selbstverständlich modifiziert werden können. Insbesondere sind bei der
endgültigen Entscheidung qualitative oder andere Gesichtspunkte zu
berücksichtigen, die in dem Optimierungsmodell nicht berücksichtigt werden können.
2. Lineare
Optimierung
a) Definition
Ein lineares Optimierungsmodell hat die Form
Durch Einführung nicht-negativer Schlupfvariablen und die
Multiplikation mit – 1 kann jedes lineare Optimierungsproblem auf diese
Standardform gebracht werden.
Zur Lösung derartiger Programme stehen effiziente
Lösungsverfahren zur Verfügung. Diese beruhen auf zwei Grundansätzen:
-
Das Simplex-Verfahren von G. B. Dantzig, 1963 macht
davon Gebrauch, dass optimale Lösungen entweder in einem Eckpunkt des durch
die Restriktionen aufgespannten Polyeders liegen oder als Konvexkombination
optimaler Eckpunkte dargestellt werden können. Das Verfahren sucht daher
systematisch die Ecken dieses Polyeders ab und findet in einer endlichen Zahl
von Schritten eine optimale Lösung, falls eine solche existiert (Dantzig,
G.B. 1963).
-
Eine neuerer Lösungsansatz, der das Innere der Menge
der zulässigen Lösungen absucht, geht auf Khachian (Khachian,
L. 1979) zurück und wurde von Karmarkar (Karmarkar,
N.K. 1984) zu einem auch für praktische Zwecke einsetzbaren
Algorithmus ausgebaut.
Es existieren Computerprogramme, die auch große lineare
Optimierungsprobleme effizient lösen.
b) Eigenschaften
der Lösung linearer Optimierungsprobleme
Falls eine optimale Lösung eines linearen
Optimierungsproblems existiert, dann gibt es auch immer eine optimale Lösung,
bei der die Zahl der von Null verschiedenen Variablen höchstens gleich der Zahl
der Restriktionen ist. Existieren mehrere solcher Lösungen, dann ist auch jede
Konvexkombination optimal.
Zu jedem linearen Programm lässt sich ein duales Problem
angeben. Im Fall eines speziellen Maximum-Problems
hat das Dual die Form:
Zwischen dem ursprünglichen Problem, dem Primal, und dem Dual
bestehen folgende Beziehungen:
-
Das Dual des Duals ist das Primal.
-
Der Zielfunktionswert jeder zulässigen Lösung des
Primals ist kleiner oder gleich dem Zielfunktionswert jeder zulässigen Lösung
des Duals.
-
Ist der Zielfunktionswert einer zulässigen Lösung des
Primals gleich dem Zielfunktionswert einer zulässigen Lösung des Duals, dann
sind beide Lösungen optimal.
-
Das Simplex-Verfahren zur Lösung linearer
Optimierungsprobleme liefert neben einer optimalen Lösung des Primals auch
die optimale Lösung des Duals.
-
Zwischen einer optimalen Lösung des
Primals und einer entsprechenden optimalen Lösung des Duals besteht
folgende Beziehung (Preistheorem):
Falls dann
ist
für alle
Falls dann
ist
für alle
-
Die Dualvariablen können als Bewertungen der
Restriktionen angesehen werden. Sie geben die relative Änderung des
Zielfunktionswerts der optimalen Lösung in Bezug auf eine Veränderung der
entsprechenden Restriktionskonstanten an, soweit dadurch kein Basiswechsel
erzwungen wird. Mit dieser Interpretation der Dualvariablen als
Schattenpreise lässt sich das Preistheorem wie folgt lesen: Eine Dualvariable
kann
nur dann positiv sein, wenn die entsprechende Restriktion ausgeschöpft ist.
Ist eine Beschränkung nicht bindend, dann ist die Dualvariable gleich Null.
Weiter ist eine Problemvariable nur
dann positiv, wenn die mit Schattenpreisen bewertete Inanspruchnahme der
Restriktion durch eine Einheit der Variablen gleich dem Zielfunktionsbeitrag ist.
Ist die bewertete Inanspruchnahme der Restriktion größer als der
Zielfunktionsbeitrag, dann ist die Problemvariable gleich Null.
-
Die Dualitätstheorie ist auch auf allgemeine lineare
Optimierungsprobleme übertragbar. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die
zu Restriktionen der Form „ größer oder gleich “ gehörenden Dualvariablen
negativ sind und die den Beschränkungen in Gleichungsform zugeordneten
Schattenpreise nicht im Vorzeichen beschränkt sind.
Bei der Begründung von Entscheidungen ist man nicht nur an
der optimalen Lösung eines Optimierungsproblems interessiert. Vielmehr möchte
man auch wissen, wie diese auf Änderungen der Daten und auf Abweichungen von
der Empfehlung reagiert. Mit dieser Frage befassen sich Sensitivitätsanalyse
und parametrische Programmierung (vgl. hierzu: Dinkelbach,
W. 1969; Gal, T.
1973).
Die Sensitivitätsanalyse untersucht, in wie weit ein Datum
eines linearen Optimierungsproblems – insbesondere ein Koeffizient der
Zielfunktion oder eine Beschränkungskonstante, aber auch ein Koeffizient der
Beschränkungsmatrix – verändert werden kann, ohne dass dadurch die Struktur der
Lösung und damit der optimale Wert der Dualvariablen verändert wird.
Angenommen, die Zielfunktionskoeffizienten oder die
Restriktionskonstanten seien lineare Funktionen eines Parameters t:
Die parametrische lineare Programmierung untersucht, wie die
optimale Lösung und der optimale Zielfunktionswert eines linearen
Optimierungsproblems auf eine systematische Variation des Parameters t
reagieren. Dabei gilt Folgendes:
-
Der Parameter t kann innerhalb eines abgeschlossenen
Intervalls variiert werden.
-
Innerhalb dieses Intervalls gibt es eine endliche Zahl
von kritischen Punkten, in denen
ein Basiswechsel stattfindet.
-
Zwischen zwei benachbarten kritischen Punkten bleiben
die optimalen Werte der Dualvariablen
konstant, in den kritischen Punkten ändern sie sich abrupt.
-
Die Zielfunktion in Abhängigkeit von dem Parameter t
ist eine stückweise lineare Funktion mit einer endlichen Zahl von Knicken in
den kritischen Punkten. In einem Minimum-Problem ist diese Funktion konvex,
in einem Maximum-Problem ist sie konkav. Sind in einem Maximum-Problem alle
Restriktionen in der Form „ kleiner oder gleich “ gegeben, dann ist diese
Funktion monoton steigend. In einem Minimum-Problem, in dem alle
Restriktionen in der Form „ größer oder gleich “ gegeben sind, ist diese
Funktion monoton fallend. Andernfalls ist sie unimodal.
c) Anwendungen
der linearen Optimierung in der Unternehmensplanung und in der
Unternehmensrechnung
Schon früh wurde erkannt, dass lineare Optimierungsmodelle
zur Erzeugung von Entscheidungsvorschlägen in der betrieblichen Planung
einsetzbar sind. In der Produktions-Programmplanung sind die
Zielfunktionskoeffizienten eines linearen Optimierungsmodells als
Deckungsbeiträge von Produkten, die Beschränkungskonstanten als
Kapazitäten von Maschinen und der Bereitstellung anderer Produktionsfaktoren
anzusehen. Die Koeffizienten der Beschränkungsmatrix können
als Produktionskoeffizienten interpretiert werden. Führt man Beschränkungen der
Absatzmengen der Produkte ein,
dann erhält man als Grundmodell der Produktionsplanung (vgl. z.B. Kistner,
K.-P./Steven, M. 2001, S. 192 – 194):
Auf der Grundlage dieses Grundmodells entwickeln Böhm/Wille (Böhm, H.-H./Wille,
F. 1974) ein System zur Bewertung des Einsatzes knapper
Kapazitäten mit Opportunitätskosten und die Grenzerfolgskalkulation. Bezeichnet
man mit die
den Kapazitäten zugeordneten Dualvariablen, dann sind die Opportunitätskosten
der Nutzung der Kapazitäten:
Das Kalkulationsschema der Grenzerfolgskalkulation ist
gegeben durch:
Wegen der Beschränkung des Absatzes ergibt sich aus dem
Preistheorem:
Ist die mit Opportunitätskosten bewertete Kapazitätsnutzung
durch eine Produkteinheit kleiner als ihr Deckungsbeitrag, dann ist die
optimale Produktionsmenge gleich dem maximal möglichen Absatz; sind diese
Kosten größer als der Deckungsbeitrag, dann lohnt es sich nicht, das Produkt zu
produzieren; sind sie gleich dem Deckungsbeitrag, dann ist die optimale Ausbringungsmenge
nicht bestimmt; sie liegt zwischen Null und der Absatzgrenze.
Gegen die Grenzerfolgskalkulation wird eingewandt, dass
Opportunitätskosten erst bekannt sind, wenn das optimale Produktionsprogramm
bestimmt ist. Sie ermöglicht jedoch die Beurteilung von Datenänderungen und
Abweichungen von einem mit Hilfe der linearen Optimierung bestimmten
Produktionsplan. Zu verweisen ist insbesondere auf die Kalkulation von
Zusatzaufträgen.
Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Investitionsplanung
(vgl. z.B. Albach, H.
1962; Weingartner,
M.H. 1963; Hax, H.
1964). In diesen Ansätzen sind die Zielfunktionskoeffizienten
Kapitalwerte von Investitionsobjekten oder deren Endwerte; die Restriktionen
sind als Bilanzgleichungen zu interpretieren, die sicherstellen, dass das
finanzielle Gleichgewicht eingehalten wird.
Die Dualvariablen, die den Bedingungen für das finanzielle
Gleichgewicht zugeordnet sind, sind gleich den Opportunitätskosten für die
Inanspruchnahme von Kapital in einer Periode. Soll der Endwert des Vermögens
maximiert werden, dann geben diese die Reaktion des Endwerts auf eine
Veränderung der Kapitalaufnahme in einer Periode an. Aus diesen Größen können interne Kalkulationszinsfüße hergeleitet
werden, indem man sie durch die Opportunitätskosten für die Kapitalaufnahme in
der Anfangsperiode dividiert (Franke,
G./Laux, H. 1968). Bewertet man die Zahlungsströme in den
einzelnen Perioden mit diesen endogenen Zinsfüßen und bestimmt so einen
Kapitalwert, dann kann man mit dem Kapitalwertkriterium eine optimale
Investitionspolitik bestimmen, ohne die Restriktionen des Modells explizit zu
berücksichtigen. Gegen diesen Vorschlag ist einzuwenden, dass die endogenen
Kalkulationszinsfüße erst bekannt sind, wenn ein optimaler Investitionsplan
vorliegt. Man kann das Verfahren aber dazu nutzen, Abweichungen von dem
optimalen Investitionsplan, insbesondere die Aufnahme neuer
Investitionsobjekte, zu beurteilen.
3. Ganzzahlige
lineare Optimierung
In einem ganzzahligen Optimierungsproblem dürfen alle oder einige
Variablen nur ganzzahlige Werte annehmen. Natürliche Ganzzahligkeitsbedingungen
sind darauf zurückzuführen, dass bestimmte Entscheidungsalternativen nur mit
ganzzahligen Werten realisierbar sind. Daneben können sich Ganzzahligkeiten
auch aus logischen Bedingungen ergeben, denen die Lösung eines
Optimierungsmodells genügen muss: In der Produktionsplanung sind Rüstkosten zu
berücksichtigen, die nur dann anfallen, wenn eine positive Menge erzeugt wird
(vgl. z.B. Kistner,
K.-P. 1993, S. 150). In der Reihenfolgenplanung kann immer nur
eines von zwei Objekten vor dem anderen eingeplant werden (vgl. Manne, A.S.
1960; Kistner,
K.-P. 1993, S. 149). In beiden Fällen kann man mithilfe von
binären Variablen Nebenbedingungen formulieren, die sicherstellen, dass die
entsprechenden Bedingungen eingehalten werden.
Viele Planungsprobleme lassen sich als gemischt-ganzzahlige
Optimierungsmodelle formulieren. Im Gegensatz zu stetigen Problemen ist es
nicht möglich, beliebig große diskrete Modelle mit angemessenem Rechenaufwand
zu lösen. Die Komplexitätstheorie hat gezeigt, dass gerade die meisten in der
Praxis auftretenden Reihenfolgen-Probleme schwer sind, d.h. es gibt keinen
Algorithmus, für den der Rechenaufwand durch ein Polynom in der Problemgröße
beschränkt werden kann (vgl. z.B. Brüggemann,
W. 1995). Zur Lösung solcher Probleme ist der Einsatz von
Heuristiken erforderlich. Neben einfachen Heuristiken, die Problemlösungen mit
Hilfe von Prioritätsregeln aufbauen, werden Meta-Heuristiken und naturanaloge
Verfahren empfohlen (vgl. Feldmann, M.
1999).
4. Konvexe
Optimierung
In einem konvexen Programm in der Standardform:
sind die Funktionen f und gi konvex. Sind sie außerdem stetig und
differenzierbar, dann lassen sich lokale Optimalitätsbedingungen, die
Kuhn-Tucker-Bedingungen, herleiten (Kuhn,
H.W./Tucker, A.W. 1950; Künzi,
H.P./Krelle, W./v. Randow, R. 1979, S. 55 ff.). Hierzu bildet
man die Lagrange-Funktion, indem man zur Zielfunktion die gewichtete Summe der
Restriktionen addiert:
Falls das konvexe Optimierungsproblem eine innere Lösung besitzt,
dann ist genau
dann eine optimale Lösung, wenn es ein gibt,
sodass
Die Lagrange-Multiplikatoren
können als Schattenpreise interpretiert werden, die angeben, wie der
Zielfunktionswert der optimalen Lösung auf eine Veränderung der
Restriktionskonstanten reagiert. Das Preistheorem
der linearen Programmierung ist ein Spezialfall der Kuhn-Tucker-Bedingungen.
Ein wichtiger Spezialfall der konvexen Optimierung ist die
quadratische Programmierung, bei der eine definite oder semi-definite
quadratische Zielfunktion unter linearen Nebenbedingungen zu minimieren ist:
Ein Anwendungsfall ist die Bestimmung eines optimalen
Wertpapier-Portefeuilles (vgl. Markowitz,
H.M. 1969): In einem quadratischen Optimierungsmodell wird die
Varianz der Rendite eines Portefeuilles unter der Nebenbedingung minimiert,
dass deren Erwartungswert einen Mindestwert nicht unterschreitet. Um die
Effizienzlinie, die Menge der bezüglich Erwartungswert und Varianz der Rendite
effizienten Portefeuilles zu bestimmen, wird diese Mindestrendite parametrisch
variiert.
5. Dynamische
Optimierung
Dynamische Optimierungsmodelle unterscheiden sich von anderen
Optimierungsproblemen dadurch, dass sie eine sequentielle, insbesondere eine
zeitliche Struktur aufweisen.
Das Grundmodell hat die folgende Form (vgl. z.B. Kistner,
K.-P. 1993, S. 6; Schneeweiß,
C. 1974, S. 20):
Es sei der
Zustand des Systems in den Zeitpunkten und
der
Vektor der Kontrollvariablen, die es ermöglichen, den Systemzustand autonom zu
beeinflussen. Ut ist die Menge der möglichen Werte der
Kontrollvariablen .
Dann ist die Systemdynamik gegeben durch:
Für t = 0 sind Anfangswerte ,
für t = T sind meist Endwerte vorgegeben .
Die Funktionen gt heißen Systemdynamik.
Die dynamische Optimierung versucht, die Kontrollvariablen so
zu bestimmen, dass eine vorgegebene Zielfunktion
maximiert oder minimiert wird.
Grundlegend für die Lösung dynamischer Programme ist das Optimalitätsprinzip
von Bellman, (vgl. Bellman, R.E.
1957, S. 10; Beckmann,
M.J. 1968): Ein dynamisches Optimierungsproblem kann in zwei
Teilprobleme zerlegt werden, die Entscheidung in der ersten Periode und die
Entscheidungen in den folgenden Perioden. Daraus ergibt sich die
Bellman-Gleichung:
Dabei sind die
Kosten der optimalen Entscheidung in den Perioden unter
der Voraussetzung, dass sich das System zu Beginn der Periode im Zustand befindet.
Die Lösung dieser Rekursionsgleichung erfolgt mit Hilfe der
optimalen Rückkopplungssteuerung (vgl. Kistner,
K.-P. 1993, S. 202; Neumann,
K./Morlock, M. 1993, S. 602): In der Rückwärtsrekursion wird,
beginnend mit der letzten Periode, eine Folge von Politiken – bedingten
Entscheidungen – bestimmt,
die für jeden Ausgangszustand angeben,
welche Entscheidung in
der Periode t zu treffen ist. In der Vorwärtsrekursion wird dann – ausgehend
von dem Ausgangszustand – die Folge der tatsächlich zu treffenden optimalen Entscheidungen
ermittelt.
Die dynamische Programmierung wird z.B. in der
Lagerhaltungstheorie zur Bestimmung der optimalen Losgröße bei schwankender
Nachfrage benutzt (vgl. z.B. Wagner,
H.M./Whitin, T.M. 1958/59;Arrow,
K.J./Harris, T./Marschak, J. 1951). Sie ist jedoch nicht auf
die Bestimmung optimaler Entscheidungen im Zeitablauf beschränkt, sie kann auch
zur Lösung sequentiell strukturierter Probleme wie die Bestimmung optimaler
Wege durch ein Netzwerk (vgl. z.B. Dreyfus,
S.E./Law, A.M. 1977, S. 50 – 68) eingesetzt werden.
II. Simulationsmodelle
Unter Simulation kann man mathematische Experimente verstehen,
die statistische Aussagen über Eigenschaften von Modellen ermöglichen, für die
keine mathematisch exakten Lösungen ermittelt werden können. Sie sind
erforderlich, weil die zu untersuchenden Sachverhalte vielfach zu komplex sind,
um sie in einem exakten Optimierungsmodell abzubilden und einer Lösung
zuzuführen (zur Simulation vgl. Bratley,
P./Fox, B.L./Schrage, L.E. 1987; Law,
A.M./Kelton, D.W. 1991).
1. Simulation
stochastischer Prozesse
Stochastische Prozesse kann man als dynamische Modelle
auffassen, die durch zufällige Einwirkungen beeinflusst werden. Bei deren
Simulation wird zunächst ein Modell entwickelt, das das Verhalten des zu
untersuchenden Systems beschreibt. Es werden die Zustände, die dieses System
annehmen kann, die Ereignisarten, die den Systemzustand verändern, und die
Beziehungen zwischen diesen und den Zuständen erfasst. Weiter wird ein
Ausgangszustand festgelegt, in dem sich das System bei Beginn des
Simulationslaufs befindet. Das Verfahren geht wie folgt vor:
Als erstes wird für jede Ereignisart der Zeitpunkt des
nächsten Eintritts bestimmt. Hierzu wird mit Hilfe eines
Zufallszahlengenerators eine Realisation einer Zufallsvariablen generiert, die
der Verteilung der Abstände der Ereignisse entspricht, und damit der Termin des
nächsten Eintritts festgelegt. Aus der Menge der Termine für die einzelnen
Ereignisarten wird das Minimum ermittelt und so das als nächstes auftretende
Ereignis terminiert. Dann werden die durch dieses Ereignis ausgelösten
Änderungen des Systemzustandes bestimmt sowie der Termin für das nächste
Eintreten der betreffenden Ereignisart mittels einer entsprechenden Zufallszahl
ermittelt. Dieses Vorgehen wird wiederholt, bis ein vorgegebenes Abbruchkriterium
erfüllt ist; so erhält man eine Realisation des durch das Modell beschriebenen
stochastischen Prozesses.
Erzeugt man mehrere Simulationsläufe, dann erhält man eine
Stichprobe dieses Prozesses, aus der statistische Kenngrößen zu seiner
Charakterisierung zu bestimmen sind.
Derartige Simulationen werden insbesondere in der
Produktionsplanung eingesetzt. Es sind Programmpakete wie z.B. ARENA oder GPSS
verfügbar, die die Formulierung von Simulationsmodellen und deren Durchführung
unterstützen.
2. What-If-Analysen
Bei weiter Fassung des Begriffs kann man unter
Simulationsmodellen auch What-If-Analysen verstehen. Diese verändert in
Entscheidungsmodellen Parameterwerte und Entscheidungsvariablen systematisch
oder zufällig, um einen Eindruck von der Reaktion einer vorgegebenen
Zielfunktion auf diese Änderungen zu erhalten. Mit der What-If-Analyse kann man
insbesondere überprüfen, welche Auswirkungen bestimmte Entscheidungen auf den
Zielfunktionswert haben. Das Verfahren wird u.a. durch Spread-Sheet-Programme
wie Excel, Lotus 1-2-3 oder Quattro unterstützt.
3. Naturanaloge
Verfahren
Schließlich kann man auch die oben angeführten naturanalogen
Verfahren zu Lösung komplexer Optimierungsprobleme als Spezialfall von
Simulationsmodellen ansehen: Hier werden bestimmte Lösungsheuristiken mit Hilfe
der Simulation von Optimierungsprozessen der Natur nachempfunden.
Literatur:
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Investition und Liquidität, Wiesbaden 1962
Arrow, Kenneth
J./Harris, Theodore/Marschak, Jakob : Optimal Inventory Policy, in:
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Bellman, Richard E. :
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und Optimierung, München, 5. A., 1974
Bratley, Paul/Fox,
Bennet L./Schrage, Linus E. : A Guide to Simulation, Berlin et al., 2. A., 1987
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Dantzig, Geoge B./Thapa,
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Programming – Methods and Application, New York, 5. A., 1985
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NF 16, S. 430 – 446
Horst, Reiner :
Nichtlineare Optimierung, in: Grundlagen des Operations Research Bd. 1, hrsg.
v. Gal, Tomas, Berlin et al., 3. A., 1991, S. 255 – 419
Karmarkar, Narendra K. :
A New Polynomial-Time Algorithm for Linear Programming, in: Combinatorica, Jg.
4, 1984, S. 373 – 395
Khachian, L. : A
Polynomial Algorithm in Linear Programming, in: Soviet Mathematics Doklady, Jg.
20, 1979, S. 191 – 194
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Klaus-Peter/Steven, Marion : Produktionsplanung, Heidelberg, 3. A., 2001
Kuhn, Harold W./Tucker,
Albert W. : Non-Linear Programming, in: Proceedings of the Second Berkeley
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Berkeley, Cal 1950, S. 481 – 492
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Wilhelm/v. Randow, Rabe : Nichtlineare Programmierung, Berlin et al., 2. A.,
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Neumann, Klaus/Morlock,
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Schneeweiß, Christoph :
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