Inhaltsübersicht
I. Bedeutung
des Erlebnis-Marketing
II. Entwicklung
von Erlebnisprofilen
III. Instrumente
des Erlebnis-Marketing
I. Bedeutung des
Erlebnis-Marketing
1. Begriff des Erlebniswertes
Unter einem Erlebniswert versteht man den subjektiv erlebten,
durch die Kommunikation, das Produkt oder die Einkaufsstätte vermittelten
Beitrag zur Lebensqualität der Konsumenten. Es handelt sich dabei um sinnliche
Konsumerlebnisse, die in der Gefühls- und Erfahrungswelt der Konsumenten
verankert sind und einen realen Beitrag zur Lebensqualität leisten.
2. Voraussetzungen für Erlebnisstrategien
Voraussetzungen sind vor allem die aktuellen Wertetrends in der Gesellschaft. Viele
Werteforscher (Schulze, G.
2000) sehen in der zunehmenden Erlebnis- und Genussorientierung, im
Gesundheits- und Umweltbewusstsein sowie in der Betonung der Freizeit den
grundlegenden Wertewandel in der heutigen Gesellschaft. Kurz gesagt: Der
erlebnisorientierte Konsument ist auf dem Vormarsch.
Ein zentrales Phänomen ist die Informationsüberlastung in Gesellschaft und Wirtschaft. Darunter
versteht man den Anteil der nicht beachteten Informationen am gesamten Informationsangebot. Damit wächst die
Bedeutung der visuellen Kommunikation: Sie unterliegt nicht den Restriktionen
kognitiver Informationsverarbeitung und eignet sich besonders für emotionales
Erleben (Kroeber-Riel,
W./Weinberg, P. 2003).
Dementsprechend bevorzugen hedonistische Konsumenten Bilder zur schnellen und bequemen
Informationsaufnahme. Daraus folgt, dass das Erlebnis-Marketing sich vor allem
der visuellen Kommunikation bedient. Alle Instrumente des Marketing-Mix
sind darauf auszurichten, dass der Konsument bildhaft erreicht wird. Das gilt
auch für die bildhafte Sprache und die Angebotspräsentation im Einzelhandel.
Immer mehr Märkte erreichen die Sättigungsphase. Die Produkte sind ausgereift, die konkurrierenden
Anbieter unterscheiden sich kaum voneinander, ihre Produkte werden
austauschbar. Werbung
und Produktpolitik
müssen zur Imageprofilierung verstärkt auf Erlebnisstrategien zurückgreifen,
denn bei der heute vorhandenen Erlebnisorientierung kann man sich eher durch
Produktimages als durch Produkteigenschaften voneinander abheben.
Konsumenten kennen sich auf gesättigten Märkten ausgereifter
Produkte aus. Die sachliche Produktqualität
ist für sie zu einer Selbstverständlichkeit geworden, das funktional orientierte
Informationsbedürfnis nimmt ab. Konsumenten mit einem geringen Involvement sind in besonderer Weise der
emotionalen Kommunikation zugänglich, da diese die Angebote in der Gefühls- und
Erfahrungswelt im Sinne des Erlebnis-Marketing positioniert.
II. Entwicklung von
Erlebnisprofilen
1. Generierung von geeigneten Erlebnissen
Erlebniswerte kommen im Bedürfnis der Konsumenten nach
emotionaler Anregung zum Ausdruck. Man kann bei der Generierung von geeigneten Erlebnissen mehrstufig vorgehen (Kroeber-Riel,
W./Esch, F.-R. 2004; Weinberg,
P./Diehl, S. 2005):
-
Die Sammlung möglichst vieler Ideen für Erlebnisse
erfolgt mehr oder weniger intuitiv. Man kann einerseits von aktuellen
Wertetrends ausgehen und andererseits vom Produkt in seinem konkreten Markt.
Gefragt sind vor allem Phantasie und die Fähigkeit, sich vom Alltäglichen zu
lösen.
-
Ungeeignete Erlebnisse müssen im nächsten Schritt
ausgesondert werden. Dazu zählen einerseits Erlebnisse, die negative
Assoziationen (wie z.B. Angst) auslösen können, und andererseits solche, die
nicht der Unternehmensphilosophie entsprechen. Die Festlegung eines
Erlebnisprofiles erfolgt langfristig, sodass eine sorgfältige Prüfung der
passenden Ansätze unerlässlich ist. Erlebniskompetenz erlangt man nicht durch
kurzfristige, flüchtige oder diffuse Profile.
2. Auswahl von Erlebnisprofilen
Erlebnisprofile
sind das Ergebnis kreativer Leistungen, weniger das Ergebnis der Marktforschung.
Maßgebend sind Determinanten der Lebensqualität. Dazu zählen derzeit vor allem
Lebensstandard, Lebensfreude, Genuss, Familie und Kommunikation.
Bei der Festlegung der einzelnen Erlebnisse, die bildlich und
sprachlich das Erlebnisprofil bilden, müssen folgende Punkte geprüft werden:
-
Entsprechen die Erlebnisse den Lebensstiltrends, um
die Zielgruppe langfristig anzusprechen?
-
Welche Erlebniswerte erlauben eine Abgrenzung zur
Konkurrenz heute und erschweren eine einfache Imitation morgen?
-
Eignen sich die Erlebnisse zur Umsetzung durch
möglichst viele Marketing-Instrumente? Es reicht nicht aus, nur mittels Werbung ein Erlebnisprofil aufzubauen.
-
Eignen sich die Erlebnisse für eine praktikable
Umsetzung, oder stellen sie besondere Ansprüche an die Unternehmen und Agenturen?
-
Können Produktinformationen und emotionale Ansprachen
glaubwürdig und einfach verständlich so aufeinander abgestimmt werden, dass
ein unverwechselbares
Erlebnisprofil entsteht?
Die Prüfung dieser Fragen ist schwierig und überwiegend nur
qualitativ im Team möglich. Ein Konzepttest innerhalb der Marktforschung ist immer dann schwierig, wenn originelle und
ungewöhnliche Konzepte vorliegen.
III. Instrumente des
Erlebnis-Marketing
1. Gegenstand
Instrumente des Erlebnis-Marketing sind vor allem:
-
die Produktgestaltung hinsichtlich Produktqualität,
Produktdesign, Packungsgestaltung, Markenbildung und bei den Nebenleistungen,
-
die Kommunikation als Massenkommunikation und
persönliche Kommunikation beim Verkauf und
-
die Ladengestaltung einschließlich Warenpräsentation
und Maßnahmen am Point of Sale (POS).
2. Erlebnisorientierte Produktgestaltung
Erlebnisbezogenes Design
ist nicht nur das Ergebnis einer kreativen Leistung, sondern erfordert auch
verhaltswissenschaftliche Erkenntnisse. Designer müssen sich auch als Sozialtechniker begreifen, die Umwelten
für spezielle Zielgruppen schaffen. Dazu liefert die Konsumentenforschung viele
Beiträge.
Das Produktäußere umfasst die gesamte sinnlich wahrnehmbare
Gestaltung durch Form und Farbe, Geruch, Geschmack und Geräusch. Designer
konzentrieren sich noch zu stark am visuellen Erscheinungsbild, ein
erlebnisbezogenes Design sollte alle Sinne des Konsumenten ansprechen. Erste
Ansätze zeigen der Einsatz von Duftstoffen, Videotechnik, Virtual Reality
u.a.m.
Das Streben nach funktionalem Design und schöner Form hat
häufig zu langweiligen und austauschbaren Produkten geführt. Das gilt für die
Architektur ebenso wie für industrielle Produkte. Hinzu kommt, dass die
Formgebung sich nach übereinstimmenden Klischees richtet, da Designer
offensichtlich über Leitbilder verfügen, was bei der Gestaltung guter und
schöner Formen »in« ist.
Nur ein erlebnisorientiertes Produktdesign ist in der Lage,
Präferenzen beim Verbraucher und damit auch eine attraktive Umwelt zu schaffen.
Die Umweltpsychologie lehrt uns, dass
die Anziehungskraft von Produkten und die Präferenzen der Konsumenten für eine
Marke auch von Erlebniswirkungen geprägt werden. Und dazu reichen funktionale
und nur schöne Formen nicht aus.
Als »stiller Verkäufer« trägt die Verpackung einen wesentlichen Beitrag zum Produkterlebnis bei.
Mittels Geruch, Form- und Farbgebung, Grafik, Symbolik und Slogans hat sie eine
aktivierende Funktion, unterstützt die Anmutung und fördert Erlebniserwartungen
an den Artikel. Damit tritt die Verpackung in einen engen Verbund mit Design
und Produktgestaltung, um Erlebniswerte zu positionieren. Vor allem trägt der Markenname zum Erlebniswert eines
Produktes bei. Entsprechend versteht man unter Branding die Umsetzung einer Werthaltung der Verwender zum Produkt
in einen unverwechselbaren Namen, der attraktiv und marktfähig ist, sich
schutzfähig vom Wettbewerb abhebt und in den Augen der Verbraucher eine
wertmäßige Alleinstellung seines Träger beansprucht. So werden Produkte nicht
nur zu Markenpersönlichkeiten, sondern auch zu unternehmerischen
Vermögenswerten.
Anforderungen an eine erlebnisbezogene Produktgestaltung
sind:
-
Erlebnisorientierung bedingt die Ausrichtung an den
Lebensstilen und Lebensgewohnheiten der Verwender.
-
Erlebnisbezogene Produktgestaltung soll mehrere Sinne
beim Verwender ansprechen.
-
Erlebnisorientiert konzipierte Produkte als Marketing-Instrument
weisen enge Beziehungen zur Kommunikationspoliti
auf.
Beispiele: Braun
und Lamy haben aus der Gestaltung ihrer Produkte eine Unternehmensphilosophie
aufgebaut. Rowenta positioniert Hausgeräte (Toaster, Kaffeekanne) als Teil des
Frühstückserlebnisses durch Anpassung des Designs an aktuelle, modernere
Farben.
Andere Beispiele liefern Armbanduhren und Brillen: Eine
Armbanduhr wie die Swatch geht vom Bedürfnis der Konsumenten nach Abwechslung
und modischem Auftritt aus. Diese Uhr ist nicht nur ein Zeitmesser, sondern
auch und vor allem ein non-verbales
Kommunikationsmittel. In vergleichbarer Weise entwickelt sich die Brille durch
neues Design von der bloßen (und austauschbaren) Sehhilfe zum Bestandteil des
gesamten kommunikativen Eindrucks einer Person.
Im Zuge dieser Erlebnisorientierung werden Bügeleisen zu
bunten und spaßigen Haushaltsgeräten, bebilderte Kühltruhen zu Lust bereitenden
und Appetit anregenden Nahrungsspendern.
Die Devise für die erlebnisbetonte Produktgestaltung heißt:
Alle Sinne des Konsumenten ansprechen, multisensuale Wirkungen erzeugen!
3. Erlebnisbetonte Werbung
Erlebnisbetonte Werbung
übernimmt im Rahmen des Erlebnis-Marketing die Aufgabe, das Angebot in der
emotionalen Erlebnis- und Erfahrungswelt der Konsumenten zu positionieren. Sie
nutzt die Erkenntnisse aus der non-verbalen Kommunikationsforschung (Bekmeier, S.
1989).
Es empfiehlt sich, zur Darstellung emotionaler Erlebnisse
bevorzugt auf Personen zurückzugreifen. Mimik und Gestik sind prägnante
Indikatoren, um Emotionen auszudrücken, und sie werden einfach und relativ
eindeutig vom Empfänger der Werbung dechiffriert. Die Verquickung von
Werbebotschaften mit Erlebnisinhalten in Low-Involvement-Medien wie Fernsehen,
Zeitschriften und Kino dürfen nicht zu Informationsüberlastungen führen, wovor
die non-verbale Umsetzung maßgebend bewahrt.
Die Wirkung eines Erlebniskonzeptes hängt also entscheidend
von seiner visuellen Umsetzung ab nach dem Motto »Ein Bild sagt mehr als
tausend Worte«. Visuelle Markenbilder wirken mehr als Worte, und diese wiederum
stärker als Texte in Werbebotschaften. Besonders empfehlenswert ist die
Konzeption von Schlüsselbildern,
welche den langfristigen visuellen Auftritt festlegen. Es handelt sich dabei um
Leitbilder, die den Erlebniskern bilden und non-verbal werblich kommuniziert
werden. Ihre Festlegung ist mehr eine strategische Aufgabe als ein
Gestaltungsproblem (Weinberg,
P./Diehl, S. 2005).
Unter den Marktbedingungen des Erlebnis-Marketing werden
Angebote zunehmend werblich inszeniert. Nach dem Motto »Gefallen geht vor
informieren« wird ein werblicher Auftritt gesucht, der Beeinflussungsziele in
der folgenden Rangordnung verfolgt:
-
Aktualisierung:
Erzeuge Aktualität für das Angebot, bleibe im Gespräch auf dem Markt.
-
Emotionalisierung:
Vermittle ein Erlebnis, das sich von der Konkurrenz unterscheidet.
-
Information:
Vermittle zentrale Schlüsselinformationen, die das Angebot auszeichnen.
4. Erlebnisorientierter Verkauf
Erlebnisorientierte Verkaufsgespräche
sind von zentraler Bedeutung für die Vermittlung von Einkaufserlebnissen. Es
kommt darauf an, den Kunden verbal und non-verbal in die Erlebniswelt
einzuführen (Klammer, M.
1989).
Konsumenten kaufen bekanntlich keine Waren oder
Dienstleistungen an sich, sondern deren Nutzen.
Sinnvoll ist es deshalb, den Erlebniswert des Produktes in das Einkaufserlebnis
im Geschäft zu integrieren, indem auf die Ansprüche an die Lebensqualität des
Kunden eingegangen wird (Falsch: Was leistet das Produkt? Richtig: Wozu nutzt
es ihm, weshalb geht er hierher und nicht zur Konkurrenz?).
In der Eröffnungsphase,
also zu Beginn des Verkaufsgespräches, wird es darauf ankommen, den Kunden in
eine angenehme Stimmungslage zu versetzen. Dazu helfen positive Verstärker wie
Lob und Komplimente sowie aktives Zuhören. Darunter versteht man die Strategie,
wichtige Informationen des Gesprächspartners zu bestätigen und zusammenzufassen.
In diese Phase gehört auch der Einstieg in die Erlebniswelten, die Produkt,
Verkaufsgespräch und Einkaufsstätte gemeinsam vermitteln wollen. Der Kunde
fühlt sich dann verstanden, anerkannt und ermuntert, seine Wünsche zu
konkretisieren.
In der Angebotsphase
wird man dem Kunden die verkaufsrelevanten, produktbezogenen Informationen
vermitteln. Hierzu gibt es bewährte Strategien, die gute Verkäufer kennen und
auf die hier nicht eingegangen werden soll. Erlebnisstrategien sind in dieser
Verkaufsphase von untergeordneter Bedeutung.
Die Abschlussphase
wird eingeleitet, sobald der Kunde verbale bzw. non-verbale Abschlusssignale
erkennen lässt. Wichtig ist es für den Verkäufer, derartige Abschlusssignale
nicht durch erneute Argumente abzuschwächen, sondern durch Rückgriff auf die
Erlebnisstrategie den Kaufabschluss zu erleichtern. Der Kunde wird in seinem
Kaufverhalten bestärkt, wenn er seine Kaufentscheidung eingebettet sieht in
übergeordnete Kriterien seiner Lebensqualität, die die Erlebnisorientierung beim
Einkauf steuern.
5. Erlebnisbetonte Einkaufsstätten
Erlebnisbetonte Einkaufsstätten
leisten ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Vermittlung von
Einkaufserlebnissen (Gröppel, A.
1991). In Zeiten zunehmender Marktsättigung
findet man immer mehr Märkte, auf denen die Geschäfte einander stark ähneln und
in denen die gleiche Ware zum vergleichbaren Preis angeboten wird. Viele
Praktiker fürchten, dass der Preiswettbewerb und die Gefahr der Ausschaltung
profilschwacher Einzelhandlungen wachsen werden.
Kaufen und Konsum sind auch Vorgänge, die den Konsumenten
erfreuen und die er in Anbetracht der zunehmenden Freizeit auch genießen kann.
Die Umweltpsychologie hilft dem
Handel, Einkaufserlebnisse zu messen. Sie lassen sich in den psychischen
Dimensionen Lust bzw. Vergnügen und Erregung erfassen und charakterisieren das
Verhalten im Laden. Eine erlebnisorientierte Ladenatmosphäre wirkt aktivierend und verlängert die Verweildauer
im Geschäft.
Mögliche Erlebnistrends der Zukunft sind:
-
Trend zur
Individualisierung des Konsums
Es sind Betriebstypen denkbar, die atmosphärisch die Individualität besonders
betonen, z.B. durch Erlebniswerte wie Jugendlichkeit, Rustikalität oder
Avantgarde. Ein Beispiel zu Avantgarde: Hausgeräte werden in moderne
Wohnwelten integriert, um Bestandteile eines anspruchsvollen Lebensstils zu
sein. In Zukunft wird man eine Vielzahl parallel verlaufender Bestrebungen
nach Individualität beobachten können. Es gibt nicht mehr den Individualisten!
-
Trend zur Natürlichkeit
Aus diesem Trend lassen sich einfache Gestaltungsempfehlungen ableiten, z.B.
hinsichtlich Farben, Design und Gestaltungsmitteln. Dazu können Betriebstypen
passen, die Erlebniswerte wie Tradition, Stil oder Ästhetik vermitteln.
Bei diesem Trend kommt es darauf an, Produkte als selbstverständliche,
moderne Technik bei natürlichen Lebensansprüchen zu positionieren. Dazu
gehören auch ein schlichtes Design und einfache Bedienbarkeit.
-
Trend zur
Kommunikation
Dieser zentrale Trend erfordert besondere Maßnahmen hinsichtlich
Verkäuferschulungen, um nicht nur mit Produktvorteilen zu argumentieren,
sondern um dem Kunden zu zeigen, welchen Beitrag das Produkt zu seiner
Lebensqualität leistet. Sodann geht es um die Schaffung von Ruhezonen zur
Förderung der Kommunikation unter Kunden, die Ansprache des Familiensinns der
Verbraucher, sei es durch familiär ausgerichtete Angebote, sei es durch
Förderung des Einkaufs in der Familie usw. Man vergleiche hierzu die
Shopping-Malls, die das Stadtleben in künstlerische Innenwelten verlegen.
Ferner kennt man auch die Möglichkeit, seinen persönlichen Verkäufer zu
»mieten«, der bei der Auswahl berät, den Einkauf von Geschenken organisiert
usw.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen bestimmte Zonen, wie z.B.
die Außengänge, die Wartezonen im Bereich der Bedienungsabteilungen, die
Stirnseiten der Gondeln, der Kassenbereich sowie der Checkout. Sie sind für
gezielte Gestaltungsaktionen besonders geeignet, weil der Konsument hier
verweilt, teils entspannt ist und umherschaut. Auch die Imagery-Forschung bestätigt, dass Konsumenten über ein »inneres
Bild« von ihrer Einkaufsstätte verfügen, in dem die Randgebiete besonders
prägnant sind und sich für die Vermittlung von Einkaufserlebnissen besonders
eignen.
Auch in virtuellen Läden im Internet spielt die Vermittlung
von Erlebnissen eine immer wichtigere Rolle, selbst wenn zurzeit häufig noch
technische Aspekte der Gestaltung von Websites das Internetmarketing
dominieren. Diehl hat einen Vergleich der Wirkung von erlebnisbetonten realen
Läden und virtuellen Läden im Internet vorgenommen (Diehl, S.
2002). Hierfür wurde – basierend auf der Vorlage eines realen Ladens – ein
erlebnisorientierter dreidimensionaler virtueller Laden für das Internet
konzipiert, sodass erstmals ein direkter Vergleich der Wirkung von realer und
virtueller Ladengestaltung möglich war. Es konnte nachgewiesen werden, dass das
konzipierte Verhaltensmodell sowohl für reale Läden (die in Deutschland, USA
und Frankreich untersucht wurden) als auch für virtuelle Läden Gültigkeit
besitzt. Damit konnte gezeigt werden, dass erlebnisbetonte reale und virtuelle
Läden vergleichbare Wirkungen auf den Konsumenten ausüben. Erkenntnisse der
wissenschaftlich gut erforschten realen Ladengestaltung lassen sich demnach
auch auf die Gestaltung von Onlineshops übertragen.
Literatur:
Bekmeier, S. : Nonverbale
Kommunikation in der Fernsehwerbung, Heidelberg 1989
Diehl, S. : Erlebnisorientiertes
Internetmarketing, Wiesbaden 2002
Diller, H./Kusterer, M. :
Erlebnisbetonte Ladengestaltung im Einzelhandel, in: Handelsforschung, hrsg. v.
Trommsdorff, V., Heidelberg 1986, S. 105 – 126
Gröppel, A. : Erlebnisstrategien im
Einzelhandel, Heidelberg 1991
Klammer, M. : Nonverbale Kommunikation
im Verkauf, Heidelberg 1989
Konert, F.-J. : Vermittlung
emotionaler Erlebniswerte, Heidelberg 1986
Kroeber-Riel, W. : Erlebnisbetontes
Marketing, in: Realisierung des Marketing, hrsg. v. Belz, C., Savosa et al.
1986, S. 1137 – 1151
Kroeber-Riel, W. : Bildkommunikation,
München 1993
Kroeber-Riel, W./Esch, F.-R. :
Strategie und Technik der Werbung, 6. A., Stuttgart 2004
Kroeber-Riel, W./Weinberg, P. :
Konsumentenverhalten, 8. A., München 2003
Mehrabian, A. : Räume des Alltags,
oder wie die Umwelt unser Verhalten bestimmt, Frankfurt a.M. 1978
Schulze, G. : Die
Erlebnisgesellschaft, 8. A., Frankfurt a.M. 2000
Schweiger, G. : Non-verbale
Imagemessung bei Markenartikeln, in: Werbeforschung & Praxis, H. 2/1987, S.
29 – 34
Weinberg, P. : Erlebnisorientierte
Einkaufsstättengestaltung im Einzelhandel, in: Marketing-ZFP, 1986, S. 97 – 102
Weinberg, P. : Non-verbale
Marktkommunikation, Heidelberg 1986
Weinberg, P. : Erlebnismarketing, München
1992
Weinberg, P./Diehl, S. :
Erlebniswelten für Marken, in: Moderne Markenführung, hrsg. v. Esch, F.-R., 4.
A., Wiesbaden 2005, S. 263 – 286
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