Inhaltsübersicht
I. Grundlagen
des Beschwerdemanagements
II. Aufgabenbereiche
des Beschwerdemanagements
III. Rahmenfaktoren
des Beschwerdemanagements
I. Grundlagen des
Beschwerdemanagements
1. Begriffliche Grundlagen
Beschwerdemanagement umfasst die Planung, Durchführung und
Kontrolle aller Maßnahmen, die ein Unternehmen im Zusammenhang mit
Kundenbeschwerden ergreift (Wimmer, F.
1985, S. 233). Beschwerden sind Artikulationen von Unzufriedenheit, die
gegenüber dem Unternehmen bzw. Drittinstitutionen mit dem Zweck geäußert
werden, auf ein subjektiv als schädigend wahrgenommenes Verhalten eines
Anbieters aufmerksam zu machen, Wiedergutmachung für erlittene
Beeinträchtigungen zu erreichen und/oder eine Änderung des kritisierten
Verhaltens zu bewirken. Als Reklamationen wird die Teilmenge von Beschwerden
bezeichnet, in denen Kunden in der Nachkaufphase Beanstandungen von Produkten
oder Dienstleistungen explizit oder implizit mit einer Forderung verbinden, die
juristisch durchgesetzt werden kann.
Der systematische und planvolle Umgang mit Beschwerden ist
für alle Unternehmen von großer Bedeutung, die in Übereinstimmung mit dem
Marketing Management-Konzept Kundenorientierung anstreben und
Kundenzufriedenheit als wesentliche Voraussetzung für die Erreichung
ökonomischer Unternehmensziele ansehen.
2. Kundenunzufriedenheit und
Beschwerdeverhalten
Unzufriedenheit tritt auf, wenn der Kunde eine erhebliche
negative Diskrepanz zwischen seinen Erwartungen an ein Produkt oder eine
Leistung einerseits und der wahrgenommenen Produkt- bzw. Leistungsqualität
andererseits erlebt. In diesem Falle stehen dem Kunden unterschiedliche
Verhaltensweisen zur Verfügung: Er kann abwandern im Sinne eines Marken- oder
Geschäftswechsels oder eines Marktaustritts, negative persönliche Kommunikation
betreiben, völlig inaktiv bleiben oder sich gegenüber dem Unternehmen oder
Drittinstitutionen (Schieds- oder Schlichtungsstellen,
Verbraucherorganisationen, staatliche Stellen oder Medien) beschweren.
Wesentlicher Gegenstand
der Beschwerdeforschung ist die Analyse des intra-individuellen
Reflexionsprozesses dieser Handlungsalternativen und die Erklärung des empirisch
vielfach nachgewiesenen hohen Anteils an »unvoiced complaints«, d.h. an
unterbliebenen Beschwerden trotz Unzufriedenheit (TARP, 1979;
Bruhn, M.
1982). Ergebnisse der empirischen Beschwerdeforschung zeigen, dass vor allem
folgende Faktoren das faktische Beschwerdeverhalten beeinflussen:
Beschwerdekosten, d.h. die Höhe der dem Kunden entstehenden Kosten in
materieller, zeitlicher und psychischer Hinsicht; Beschwerdenutzen im Sinne des
subjektiven Wertes der vom Anbieter gewünschten Reaktion unter Berücksichtigung
der angenommenen Erfolgswahrscheinlichkeit einer Beschwerde; Produktmerkmale wie die Bedeutung des
Produktes in finanzieller und sozialer Hinsicht; Problemmerkmale, vor allem die Eindeutigkeit, mit der die Ursache
der Unzufriedenheit dem Anbieter zugewiesen wird und das Ausmaß, in dem es sich
um ein manifestes Problem mit geringem subjektiven Bewertungsspielraum handelt;
personenspezifische Merkmale, und
zwar sozio-demographische (Alter, Geschlecht, Einkommen), psychographische
(Produktkenntnis, Selbstbewusstein, Beschwerdeerfahrung,
Persönlichkeitsmerkmale) sowie Verhaltensmerkmale (Kommunikations- und
Interaktionsverhalten) und situationsspezifische
Merkmale (Existenz von Beschwerdebarrieren).
Neben der Analyse von Determinanten des Beschwerdeverhaltens
wird im Rahmen der Beschwerdeforschung untersucht, wie die unternehmerische
Reaktion auf Beschwerden vom Kunden wahrgenommen und verarbeitet wird und wie
sich die (Un-)Zufriedenheit der Beschwerdeführer mit der Antwort des
Unternehmens auf die Einstellung sowie das Kommunikations- und Kaufverhalten
der Beschwerdeführer auswirkt. Zu den zentralen Ergebnissen entsprechender
Untersuchungen gehören folgende Erkenntnisse: Beschwerdeunzufriedenheit führt
tendenziell zu einer weiteren Verschlechterung der Einstellung gegenüber
Produkt und Unternehmen, zu negativer persönlicher Kommunikation und
Abwanderungen. Beschwerdezufriedenheit
führt in hohem Maße zu Einstellungsverbesserungen, positiver persönlicher
Kommunikation und besonders ausgeprägter Marken- und Unternehmensloyalität. Die persönliche Kommunikation im
Falle von Beschwerdeunzufriedenheit ist (noch) ausgeprägter als im Falle der
Beschwerdezufriedenheit.
3. Ziele des Beschwerdemanagements
Die generellen Ziele des Beschwerdemanagements liegen darin,
Kundenzufriedenheit wiederherzustellen, die negativen Auswirkungen von
Kundenunzufriedenheit auf das Unternehmen zu minimieren und die in Beschwerden
enthaltenen Hinweise auf betriebliche Schwächen und marktliche Chancen zu
identifizieren und zu nutzen. Daraus ergeben sich folgende marketingrelevante
Teilziele:
(a)
Herstellung von (Beschwerde-)Zufriedenheit, die als wesentliche Grundlage für
Einstellungsverbesserungen, Kundenbindung
und Markentreue anzusehen ist;
(b)
Vermeidung von Opportunitätskosten anderer
Reaktionsformen unzufriedener Kunden. Durch eine konsequente Ermutigung von
Kunden, sich im Falle der Unzufriedenheit an das Unternehmen zu wenden, soll
dem Unternehmen Gelegenheit gegeben werden, Abhilfe zu schaffen,
Problemursachen zu beseitigen und für das Unternehmen gravierendere
Verhaltensalternativen wie Abwanderung oder Einschaltung von
Drittinstitutionen zu verhindern;
(c)
Umsetzung und Verdeutlichung einer kundenorientierten Unternehmensstrategie;
(d)
Schaffung zusätzlicher akquisitorischer Effekte
mittels Initiierung positiver persönlicher Kommunikation der Beschwerdeführer;
(e)
Auswertung und Nutzung der in Beschwerden enthaltenen Informationen zu Zwecken der
Qualitätsüberwachung und -verbesserung sowie zur Identifikation von
Marktchancen;
(f)
Reduzierung interner und externer Fehlerkosten.
II. Aufgabenbereiche des
Beschwerdemanagements
Die Ziele des Beschwerdemanagements lassen sich nur erreichen,
wenn für unzufriedene Kunden leicht zugängliche Beschwerdekanäle geschaffen
werden, eine sach- und problemgerechte Beschwerdereaktion und -bearbeitung
erfolgt sowie die in Beschwerden enthaltenen Informationen systematisch
ausgewertet, innerbetrieblich kommuniziert und genutzt werden. Dementsprechend
umfasst das Beschwerdemanagement acht wesentliche Aufgabenbereiche. Vier davon
– Beschwerdestimulierung, Beschwerdeannahme, Beschwerdebearbeitung,
Beschwerdereaktion – gehören zum direkten Beschwerdemanagementprozess, da ihre
Ausführung mit einem unmittelbaren Kundenkontakt verbunden ist. Die weiteren
vier Aufgaben – Beschwerdeauswertung, Beschwerdemanagement-Controlling,
Beschwerdereporting und Beschwerdeinformationsnutzung – bilden den indirekten
Beschwerdemanagementprozess, der ohne Kundenkontakt abzuwickeln ist.
1. Der direkte Beschwerdemanagementprozess
Im Rahmen der Beschwerdestimulierung sollen unzufriedene
Kunden dazu bewegt werden, ihre Probleme gegenüber dem Unternehmen
vorzubringen. Dabei ist zunächst eine Entscheidung
über den Beschwerdeweg zu treffen, d.h. die Frage zu beantworten, auf
welche Weise (mündlich, schriftlich, telefonisch oder elektronisch) und
gegenüber welcher Stelle Kunden ihre Beschwerden vorbringen sollen.
Damit ein möglichst hoher Anteil der unzufriedenen Kunden die
Reaktionsform Beschwerde und den geeigneten Beschwerdekanal wählt, muss zudem
eine Kommunikation des Beschwerdeweges
erfolgen. Darüber hinaus sind die für das erwartete Beschwerdeaufkommen
erforderlichen Kapazitäten zu planen
und bereitzustellen.
Die Phase der Beschwerdeannahme betrifft vor allem die
Organisation des Beschwerdeeingangs und die Erfassung der
Beschwerdeinformationen. Hinsichtlich des Beschwerdeeingangs
sind für die verschiedenen Beschwerdewege eindeutige Prozesse festzulegen. Im
Rahmen der Beschwerdeerfassung geht es darum, das vom Kunden vorgebrachte
Problem schnell, systematisch, vollständig und nach einem einheitlichen
Verfahren aufzunehmen. Dabei sind Entscheidungen über die Erfassungsinhalte,
die Kategorisierung und die Erfassungsform zu fällen. Grundlegende Erfassungsinhalte stellen die
Beschwerde-Inhalts-Informationen (Informationen über den Beschwerdeführer, das
Beschwerdeproblem und das Beschwerdeobjekt) sowie die
Beschwerdeabwicklungs-Informationen (Informationen zur Beschwerdeannahme,
-bearbeitung und -reaktion) dar. Zur systematischen Erfassung von
Beschwerdeinformationen ist es erforderlich, ein Kategorienschema zu
entwickeln, das eine möglichst eindeutige Zuordnung ermöglicht und leicht
handhabbar ist. Hinsichtlich der Erfassungsform
stehen dem Unternehmen standardisierte Formblätter und/oder Eingabemasken
spezieller Softwareprogramme zur Verfügung.
Das Aufgabenfeld der Beschwerdebearbeitung umfasst eine Reihe
von Einzelaktivitäten. In einem ersten Schritt müssen unterschiedliche Arten
von Beschwerdeprozessen identifiziert
und modelliert werden. Dann sind auf verschiedenen Ebenen Verantwortlichkeiten festzulegen: Für den gesamten Beschwerdemanagementprozess
der »Process Owner«, für die
Einzelfall-Bearbeitung der »Complaint
Owner« und für einzelne Bearbeitungsstufen die »Task Owner«. Auch sind für die verschiedenen Prozesse und
Teilschritte Barbeitungstermine zu
fixieren. Zur Überwachung der Einhaltung dieser Termine dient ein Mahn- und Eskalationssystem. Weiterhin
müssen Regeln und Formen für die interne
Kommunikation der an der Bearbeitung eines Vorgangs beteiligten Stellen
festgelegt werden. In der Bearbeitungshistorie
werden schließlich alle Bearbeitungsschritte mit ihren Inhalten, ausführenden
Stellen und Terminen chronologisch für jeden einzelnen Beschwerdefall
dokumentiert.
Zum Bereich der Beschwerdereaktion
gehört es, grundsätzliche Leitlinien und Verhaltensregeln zu definieren, um das
angestrebte Ziel einer Beruhigung der Situation und einer zufrieden stellenden
Lösung zu erreichen. Dabei sind Differenzierungen vorzunehmen, je nachdem auf
welchem Beschwerdeweg die Kundenkritik artikuliert wurde. Eine weitere zentrale
Teilaufgabe liegt in der Entscheidung, welche Lösung dem Kunden angeboten werden soll. Prinzipiell kommen
finanzielle (Preisnachlass, Geldrückgabe, Schadensersatz), materielle
(Umtausch, Reparatur, anderes Produkt, Geschenk) oder immaterielle
Kompensationsangebote (Entschuldigung, Information) in Betracht. Um eine
kunden- und problemgerechte Entscheidung treffen zu können, müssen
informatorische Voraussetzungen gegeben sein. Dazu gehören die Verfügbarkeit
detaillierter Daten über den
Beschwerdeführer, seine Zugehörigkeit zu bestimmten Kundengruppen und sein
ökonomischer Wert für das Unternehmen. Zum Handlungsbereich der
Beschwerdereaktion gehören auch die Entscheidungen über Umfang und zeitliche Gestaltung der Kommunikation nach
Beschwerdeeingang. Hier ist zum einen festzulegen, welche Rückmeldungen (z.B.
Eingangsbestätigung und Zwischenbescheid) in welcher Form (mündlich,
telefonisch, schriftlich) erfolgen sollen, zum anderen sind eindeutige
Standards für maximale Zeitspannen zu setzen, in denen diese Kommunikation
durchgeführt sein muss.
2. Der indirekte Beschwerdemanagementprozess
Die Beschwerdeauswertung hat die Aufgabe, die in den
Beschwerden enthaltenen konkreten Hinweise auf Mängel in den unternehmerischen
Prozessen und Produkten sowie auf Änderungen in Kundenpräferenzen oder
Marktchancen zu erfassen. Im Mittelpunkt einer quantitativen Beschwerdeauswertung stehen die Überwachung des
Umfangs und der Verteilung des Beschwerdeaufkommens und die Priorisierung der
von den Kunden wahrgenommenen Probleme. Zudem ist Rahmen der qualitativen Beschwerdeauswertung eine
systematische Ursachenanalyse zu betreiben, um auf dieser Basis unter Einsatz
von Planungsinstrumenten Verbesserungsvorschläge entwickeln zu können.
Der Aufgabenbereich des Beschwerdemanagement-Controlling
umfasst drei wichtige Teilbereiche: Evidenz-Controlling, Aufgaben-Controlling
und Kosten-Nutzen-Controlling. Zentrales Anliegen des Evidenz-Controlling ist die Ermittlung, inwieweit das
Beschwerdemanagement in der Lage ist, das Ausmaß der unter den Kunden des
Unternehmens verbreiteten Unzufriedenheit in Form von Beschwerden aufzudecken,
d.h. für das Management evident zu machen. Das Aufgaben-Controlling überwacht, inwieweit die Aufgaben des
Beschwerdemanagements erfüllt werden. Hier sind bezüglich aller Teilaufgaben
Qualitätsindikatoren und -standards zu formulieren, deren Einhaltung und
Angemessenheit laufend überprüft werden müssen. Nur für einen Teil der
Qualitätsindikatoren können objektive Standards festgelegt werden (z.B.
zeitliche Vorgaben für die Schnelligkeit der Beschwerdebearbeitung). In anderen
Fällen bietet es sich an, Zufriedenheitswerte als Standards vorzugeben und im
Rahmen der Beschwerdezufriedenheitsbefragung zu überprüfen. Darüber hinaus sind
Produktivitätsindikatoren und -standards zu fixieren, die Aussagen über die
Effizienz der Aufgabenerfüllung machen. Das Kosten-Nutzen-Controlling
hat die Funktion, die Kosten- und Nutzeneffekte eines
Beschwerdemanagementsystems abzuschätzen (Riemer, 1986;
Hoffmann, 1991).
Im Kosten-Controlling sind die Kosten zu berechnen, die bei der Annahme,
Bearbeitung und Reaktion sowie im Rahmen des indirekten
Beschwerdemanagementprozesses entstehen. Das Nutzen-Controlling quantifiziert
die unterschiedlichen Nutzendimensionen des Beschwerdemanagements
(Informations-, Einstellungs-, Wiederkauf- und Kommunikationsnutzen). Durch
Gegenüberstellung der Kosten- und Nutzeneffekte lassen sich die
Wirtschaftlichkeit und den Return on Complaint Management berechnen.
Die Informationen aus der Beschwerdeauswertung sowie dem
Beschwerdemanagement-Controlling müssen den verschiedenen unternehmensinternen
Zielgruppen zugänglich gemacht werden. Daher sind im Rahmen des
Beschwerdereporting Entscheidungen darüber zu treffen, für welche internen
Kundensegmente (Geschäftsleitung, Qualitätssicherung, Marketing
usw.) welche Auswertungen (quantitativ und qualitativ) in welchen Zeitintervallen
verbreitet bzw. auf Anforderung bereit gestellt werden sollen.
Ein zentrales Ziel des Beschwerdemanagements liegt darin,
einen wesentlichen Beitrag für das Qualitätsmanagement zu leisten, indem es
eine aktive Nutzung der erfassten Beschwerdeinformationen für
Verbesserungsmaßnahmen gewährleistet. Insofern bedarf es nicht nur eines
regelmäßigen Beschwerdereporting, sondern auch einer systematischen
Beschwerdeinformationsnutzung unter Einsatz spezifischer Managementmaßnahmen
und Instrumente. Dazu gehören die Anwendung von Qualitätsplanungstechniken zur
Entwicklung von Problemlösungen, die Einbeziehung von Beschwerdeinformationen
in die Arbeit von Qualitätsverbesserungsteams, die Nutzung des Ideenpotenzials
von Beschwerdeführern und die Integration von Beschwerdeinformationen in ein
Kundenwissensmanagement.
III. Rahmenfaktoren des
Beschwerdemanagements
Zu den wesentlichen Herausforderungen des
Beschwerdemanagements gehört es nicht nur, die Teilaufgaben des direkten und
indirekten Beschwerdemanagementprozesses zu planen, durchzuführen und
hinsichtlich Effektivität und Effizienz zu überprüfen, sondern es müssen auch
die innerbetrieblichen Rahmenbedingungen
so gestaltet werden, dass eine bestmögliche Aufgabenerfüllung möglich wird. Dazu
gehören vor allem das systematische und sorgfältig aufeinander abgestimmte
Management personalpolitischer, informationstechnologischer und
organisatorischer Aspekte.
Für die Beschwerdezufriedenheit des Kunden und damit für den
Erfolg des Beschwerdemanagements ist vielfach das Verhalten der Mitarbeiter bei
der Beschwerdeannahme, -bearbeitung und -reaktion entscheidend. Daher kommt den
Kundenkontaktmitarbeitern eine zentrale Bedeutung zu, und die Gestaltung der personalpolitischen Aspekte stellt einen
besonders wichtigen Handlungsbereich dar. Zum einen müssen die wesentlichen
Mitarbeiterqualifikationen (Serviceorientierung, Sozialkompetenz,
Emotionalkompetenz sowie Fach- und Methodenkompetenz) definiert werden. Dann
gilt es, mit Maßnahmen eines personalorientierten internen Marketing dafür zu
sorgen, dass die erforderlichen Mitarbeiterqualifikationen im Unternehmen auch
bereitgestellt und gefördert werden. Dazu gehören Instrumente zur
zielgerichteten Rekrutierung entsprechender Mitarbeiter, Mitarbeiterkommunikation
und Training, abgestimmte Anreizsysteme, Maßnahmen zur Vermeidung von
Burn-out-Effekten sowie die Übertragung von Kompetenzen und
Freiheitsspielräumen an Mitarbeiter (Empowerment). Darüber hinaus muss dafür
gesorgt werden, dass diese Maßnahmen durch eine fest verankerte
kundenorientierte Unternehmenskultur unterstützt werden.
In informationstechnologischer
Hinsicht ist zu beachten, dass bei erheblichem Beschwerdeaufkommen die
Aufgaben des Beschwerdemanagements nicht ohne Verwendung von Softwareprogrammen effizient realisiert
werden können. Daher besteht eine wichtige Managementaufgabe darin, die
geeignete Software auszuwählen. Darüber hinaus sind Art und Umfang der
Einbeziehung von Intranet und Internet in die Aufgabenerfüllung zu bestimmen
und die entsprechende Hardware-Infrastruktur aufzubauen.
Die Einrichtung eines aktiven Beschwerdemanagements ist mit
einer Reihe organisatorischer Fragen
verbunden. So ist über den Grad der Zentralisierung der Aufgabenerfüllung, die
interne Gliederung und Funktionsverteilung in einem Bereich
Beschwerdemanagement und dessen Einbindung in die unternehmerische
Organisationsstruktur zu entscheiden. Ein erster Problemkomplex betrifft die
Frage, ob in aufbauorganisatorischer Hinsicht ein zentrales, dezentrales oder duales Beschwerdemanagement
eingerichtet werden soll, wobei diese Entscheidung von einer Reihe von Faktoren
(wie beispielsweise der Kundenanzahl, der Art des Vertriebs oder der Art des
Produkts) abhängig ist. Ein zweiter Problemkomplex betrifft die interne Gliederung und Funktionsverteilung
eines Bereichs Beschwerdemanagement. Hier ist insbesondere das Verhältnis
zwischen den Einheiten zur operativen Entwicklung von Beschwerden im
Beschwerde-Center und der Bereichsleitung Beschwerdemanagement mit ihren
konzeptionell-steuernden Aufgaben zu klären. In Bezug auf die Einbindung des
Bereichs Beschwerdemanagement in die unternehmerische Organisationsstruktur müssen die Fragen beantwortet werden, wie der
Beschwerdemanagementprozess mit anderen unternehmerischen Prozessen verknüpft
ist, welche Einflussrechte dem Bereich zuerkannt werden sollen und welche Art
der institutionellen und hierarchischen Verankerung (Stabstelle oder
Linienfunktion) sinnvoll erscheint.
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