Inhaltsübersicht
I. Vorbemerkung
II. Modellunabhängige
Wertgrenzen
III. Bewertung
nach dem Duplikationsprinzip
IV. Bewertung
bei unvollständigen Finanzmärkten
I. Vorbemerkung
Aktienoptionen verbriefen für den Käufer das Recht, nicht
aber die Pflicht, eine bestimmte Anzahl von Aktien (Underlying) am oder bis zum Verfalltag des Optionsrechtes zu einem
heute festgesetzten Preis (Basispreis)
zu kaufen oder zu verkaufen. Beim Kaufrecht spricht man von einem Call, beim Verkaufsrecht von einem Put. Ist die Ausübung des Optionsrechtes
nur am Verfalltag möglich, spricht man von einer Europäischen Option. Die an
Terminbörsen (z.B. der Eurex) gehandelten Aktienoptionen sind allerdings
überwiegend vom Amerikanischen Typ,
die jederzeit bis zum Verfalltag ausgeübt werden können. Am Verfalltag einer
Option entspricht ihr Wert ihrem Ausübungswert.
Letzterer ist im Falle eines Calls auf eine Aktie gleich der Differenz zwischen
dem Kurs der zugrunde liegenden Aktie und dem Basispreis, sofern diese
Differenz nicht negativ ist. Falls diese Differenz negativ ist, so lohnt es
sich für den Käufer eines Calls nicht, diesen auszuüben, und das Optionsrecht
verfällt wertlos. Bezeichnet CT den Wert des Calls am Verfalltag, ST den
Aktienkurs am Verfalltag und K den Basispreis des Calls dann gilt CT = max{0, ST – K}.
Entsprechend wird der Inhaber eines Puts sein Verkaufsrecht nur dann ausüben,
wenn der Aktienkurs am Verfalltag kleiner als der Basispreis ist. Bezeichnet PT den Wert des
Puts am Verfalltag T, so gilt PT = max{0, K – ST}.
Wie aber ist der Barwert einer Option vor ihrem Verfalltag zu modellieren? Eine erste Antwort dazu
liefert die frühe Arbeit von Louis Bachelier (Bachelier,
Louis 1900), die den Barwert einer Europäischen Option als
diskontierten Erwartungswert des
Ausübungswertes am Verfalltag darstellt. Neben der Vernachlässigung der
Risikoaversion von Investoren treten in diesem Modell zudem negative
Aktienkurse mit positiver Wahrscheinlichkeit auf, da die möglichen
Aktienkurspfade mittels einer (Arithmetischen) Brown\'schen Bewegung modelliert
werden. Letzteres Problem wird in dem nunmehr klassischen BMS-Modell dadurch
vermieden, dass nicht Kurspfade, sondern Renditepfade
durch diesen Prozess modelliert werden. Die große Bedeutung und Eleganz des
BMS-Modells ist jedoch darauf zurückzuführen, dass dieses Modell nicht die Kenntnis
der Risikopräferenz von Investoren voraussetzt. Letzteres gilt für alle auf dem Duplikationsprinzip basierenden
Bewertungsmodelle (siehe z.B. Jarrow,
Robert A./Turnbull, Stuart 2000; Stoll, Hans
R./Whaley, Robert E. 1993; Trautmann,
Siegfried 2006).
II. Modellunabhängige
Wertgrenzen
Die im Folgenden angegebenen Wertgrenzen für Aktienoptionen
sind von der Modellierung der Kursentwicklung der Aktie unabhängig. Bei einer
beobachteten Verletzung solcher Wertgrenzen besteht die Möglichkeit, profitable
Arbitrage zu betreiben, falls Optionen sowie die zugrunde liegende Aktie
zeitgleich gehandelt werden können. Unter profitabler Arbitrage wird dabei der
Aufbau einer Portefeuilleposition verstanden, deren Liquidationswert bei
beliebiger Aktienkursentwicklung nichtnegativ ist und deren Aufbau mit
positiven Zahlungsüberschüssen verbunden ist. Es wird der Einfachheit halber
unterstellt, dass während der Restlaufzeit einer Aktienoption auf die zugrunde
liegende Aktie keine Dividende entfällt.
1. Eine Wertuntergrenze für Calls auf Aktien
Symbolisiert C den aktuellen Wert des Calls, S den aktuellen
Aktienkurs, T die Restlaufzeit (in Jahren) und B(T) den Diskontierungsfaktor
(Barwert einer Null-Kuponanleihe mit Restlaufzeit T und Nennwert 1), dann gilt
die folgende Wertuntergrenze für Calls vom Europäischen Typ (Merton,
Robert C. 1973):
(1) C ≥ max {0, S – KB(T)}.
Die Handelsstrategie, die von der Verletzung dieser so
genannten Europäischen Wertuntergrenze
(entspricht dem Inneren Wert des Calls) profitiert besteht aus dem Kauf des
unterbewerteten Calls, dem Verkauf der zugrunde liegenden Aktie, und der
risikolosen Anlage des diskontierten Basispreises. Dieses Portefeuille wird bis
zum Verfalltag der Option gehalten und dann liquidiert. Dazu wird die Aktie zum
Preis von ST zurückgekauft,
um das ursprüngliche Aktienportefeuille wiederherzustellen bzw. eine geliehene
Aktie an den Verleiher zurückgeben zu können. Falls sich der Call im Geld befindet,
d.h. falls ST > K gilt, wird der Call ausgeübt und
erbringt den Nettoerlös ST – K > 0. Andernfalls
verfällt der Call wertlos. Die Liquidation der risikofreien Finanzlage erbringt
dagegen in beiden Fällen den Erlös K. Abb. 1 ist nun zu entnehmen, dass neben
dem sicheren Arbitragegewinn ε > 0 im Zeitpunkt t = 0, diese Strategie
in t = T zudem noch die Zahlung K – ST ≥ 0 verspricht, falls der Aktienkurs den
Basispreis nicht übersteigt.
Bei positiven
Zinssätzen folgt aus der Europäischen Wertuntergrenze, dass sich die Ausübung
eines Amerikanischen Calls auf eine dividendenlose Aktie vor dem Verfalltag niemals lohnt, weil der Innere Wert den
Ausübungswert übersteigt. Der vor dem Verfalltag erzielbare Marktpreis wird
sogar den Inneren Wert um den sogenannten Zeitwert übersteigen, falls
– wie im Regelfall – die Preise des Underlyings „ Aktie “ sich zufällig verändern. Bei einem erwarteten
Aktienkursrückgang wird folglich der rational handelnde Besitzer eines Calls
den Verkauf des Calls einer Ausübung vorziehen (siehe z.B. Trautmann,
Siegfried 2006, S. 304 ff.).
2. Eine Wertuntergrenze für Puts auf Aktien
Die Kombination aus Aktie und Europäischem Put mit Basispreis
K und Restlaufzeit T besitzt am Verfalltag des Puts das Liquidationswertprofil
ST + max (0, K – ST) = max (ST, K). Dasselbe Profil liefert die
Kombination eines ansonsten identischen Calls mit einer Finanzanlage mit der
Laufzeit T und der Rückzahlung K: max (0, ST – K) + K = max (ST, K). Die Forderung, dass in
arbitragefreien Märkten auch die Barwerte dieser äquivalenten Portefeuilles
übereinstimmen müssen, führt dann zu S + P = C + K B(T). Dies ist die praktisch
bedeutsame Put-Call-Parität für
Optionen vom Europäischen Typ (Stoll, Hans
R. 1969):
(2) P = C – S + K B(T).
Für Aktienoptionen vom Amerikanischen
Typ gilt dagegen die Ungleichung
(3) P ≥ C – S + K B(T),
weil einerseits ein Amerikanischer Call (im Fall ohne
Dividenden) nicht vor dem Verfalltag ausgeübt werden sollte und daher sein Wert
sich nicht von dem eines ansonsten identischen Europäischen Calls
unterscheidet, aber andererseits das Recht, einen Amerikanischen Put vor dem
Verfalltag auszuüben einen positiven Wert besitzt. Man denke etwa an die
Möglichkeit eines extremen Kursverfalls der zugrunde liegenden Aktie.
Spätestens dann, wenn die Aktie wertlos ist, also der Ausübungswert sein
Maximum erreicht hat, sollte der Put ausgeübt werden, um Opportunitätskosten in
Form von entgangenen Zinsen auf den Ausübungswert zu vermeiden.
III. Bewertung nach dem
Duplikationsprinzip
Die Festlegung eines eindeutigen Modellwertes für
Aktienoptionen erfordert zusätzliche Annahmen über die zukünftige
Aktienkursentwicklung. Auf der Basis des recht einfachen Binomialmodells (Cox, John
C./Ross, Stephen A./Rubinstein, Mark 1979) soll nun im Folgenden das
dem BMS-Modell zugrunde liegende Bewertungsprinzip erklärt werden. Dazu wird im
Unterschied zu Zinsoptionsmodellen eine flache und konstante Zinsstrukturkurve
unterstellt.
1. Das Binomialmodell
Angenommen Aktie und Call können nur zum Bewertungszeitpunkt
und am Verfalltag gehandelt werden. Zudem wird unterstellt, dass während der Restlaufzeit
einer Aktienoption auf die Aktie keine Dividende entfällt. Alle Marktteilnehmer
stimmen darin überein, dass bis zum Verfalltag einer Option der aktuelle Kurs
der Aktie S entweder auf den Wert Su ≡
U·S steigt oder auf den Wert Sd ≡D·S fällt. Mit welcher Wahrscheinlichkeit
der eine oder der andere Fall eintritt, spielt bei der weiteren Betrachtung
keine Rolle. Der Barwert der Optionen hängt dann (bei gegebenem
Diskontierungsfaktor) jeweils nur von den zwei Ausübungswerten Cu ≡
max{0, Su – K}
und Cd ≡
max{0, SdK}
ab, deren Wert wiederum vom Aktienkurs am Verfalltag abhängt. Das
Ausübungswertprofil des Calls lässt sich durch das Liquidationswertprofil einer
teilweise kreditfinanzierten Aktienanlage
exakt duplizieren.
Technisch gesprochen existiert also immer ein
Duplikationsportefeuille aus hS Aktien
und hB Null-Kuponanleihen
(hB <
0 entspricht einer Kreditaufnahme), dessen Liquidationswertprofil am
Periodenende mit dem des Calls übereinstimmt. Besitzt die Null-Kuponanleihe den
gegenwärtigen Kurswert 1 und den Rückzahlungsbetrag R > 1, dann wählt man hS und hB derart, dass sowohl hS Su + hB R =Cu als auch hS Sd + hB R =Cd gilt.Es ergibt sich folgende
Duplikationsstrategie:
(4) .
hS wird dabei als Hedge-Kennzahl (\'Delta\') bezeichnet. In
arbitragefreien Finanzmärkten muss nun der Gegenwartswert des
Duplikationsportefeuilles mit dem des Calls übereinstimmen:
(5) .
Mit der Vereinbarung q ≡ (R – D)/(U – D) und daher (1 –
q) = (U – R)/(U – D) gilt schließlich für den Wert des Calls
(6) C = [qCu + (1 – q)Cd]/R.
An einem Beispiel soll das hinter der Bewertungsformel (6)
stehende Duplikationsprinzip noch erläutert werden. Zu bewerten sei ein Call
auf eine Aktie, deren Kurswert am Periodenende bzw. am Verfalltag des Calls
entweder den Wert Su = 240 oder den Wert Sd = 160 annehmen kann. Beträgt der aktuelle
Kurswert der Aktie S = 200 und verzinst sich eine risikofreie Finanzanlage mit
10% in der betrachteten Periode, dann gilt q = 0,75 und 1 – q = 0,25 wegen R =
1,10, U = 1,20 und D = 0,80. Bei einem Basispreis von K = 200 gilt für den
Ausübungswert des Calls Cu = 40 bzw. Cd = 0 und folglich für den aktuellen Modellwert C
= 27,27. Falls der beobachtete Call-Preis diesen Modellwert übersteigt, dann
ist die in Abb. 2 dargestellte Arbitragestrategie profitabel. Falls dagegen der
Modellwert den Call-Preis übersteigt, so ist die entsprechende Umkehrung dieser
Strategie profitabel.
In arbitragefreien Finanzmärkten müssen die Parameter q und
(1 – q) zwischen 0 und 1 liegen und können damit als Wahrscheinlichkeiten
interpretiert werden. Der Barwert des Calls kann daher als diskontierter
Erwartungswert seines Ausübungswertes am Verfalltag dargestellt werden,
(7) C = EQ(CT)/R,
wobei allerdings die Erwartungswertbildung auf Basis der
Eintrittswahrscheinlichkeiten q und (1 – q) – erfasst durch die Verteilung Q –
erfolgen muss. Da nur risikoneutrale Investoren eine Investition ausschließlich
auf Basis des (diskontierten) erwarteten
Investitionsrückflusses beurteilen, werden q, (1 – q) und Q mit dem Attribut risikoneutral (risikoneutralisiert wäre zutreffender) versehen. Man spricht bei Q
auch von einem äquivalenten Martingalmaß mit folgender Eigenschaft (Harrison, J.
Michael/Pliska, Stanley R. 1981; Delbaen,
Freddy/Schachermayer, Walter 1994): Die Existenz eines äquivalenten
Martingalmaßes ist (im Wesentlichen) äquivalent zur Arbitragefreiheit des
Finanzmarktes; seine Eindeutigkeit garantiert, dass jede Option auf Basis des
Duplikationsprinzips bewertet werden kann.
Unterstellt man nun n Teilperioden bzw. n + 1
Handelszeitpunkte bis zum Verfalltag, wobei zwischen benachbarten
Handelszeitpunkten entweder ein Kursanstieg oder ein Kursrückgang mit
konstanter prozentualer Höhe zugelassen wird, dann gibt es zum k-ten
Handelszeitpunkt genau k mögliche Aktienkurse. Ausgehend von den n + 1
möglichen Ausübungswerten am Verfalltag können dann für die n möglichen
Aktienkurse am vorletzten Handelszeitpunkt die zugehörigen Call-Werte durch
n-fache Anwendung der Bewertungsformel (6) bestimmt werden. Die retrograde
Anwendung dieses Bewertungsschemas führt dann schließlich zur Bewertungsformel
(8) .
Der ganzzahlige Parameter a ist dabei so bestimmt, dass für k
≥ a Kursanstiege bis zum Verfalltag der Call im Geld endet, d.h. UkDn – k S – K > 0 für k = a, ?, n gilt. In
Übereinstimmung mit dem Einperiodenfall ist der Betrag C genau der
Eigenmitteleinsatz, der benötigt wird, um das Ausübungswertprofil des Calls
durch einen teilweise kreditfinanzierten Aktienkauf zu duplizieren. Im
Unterschied zum Einperiodenfall muss jedoch zu jedem Handelszeitpunkt vor dem
Verfalltag der Bestand an Aktien und Null-Kuponanleihen im
Duplikationsportefeuille durch Kauf oder Verkauf in Abhängigkeit der
Aktienkursentwicklung angepasst
werden. Diese Umschichtungsstrategie
wird selbstfinanzierend genannt, weil
ein Aktienkauf durch einen entsprechenden Verkauf von Null-Kuponanleihen (und
umgekehrt) finanziert wird.
2. Das Black/Merton/Scholes-Modell
(BMS-Modell)
Das Modell von Fischer Black, Robert Merton und Myron Scholes
(Black,
Fischer/Scholes, Myron 1973; Merton,
Robert 1973) kann als Grenzfall des Binomialmodells für n
→∞ aufgefasst werden. Aktienkursrenditen sind normalverteilt mit
dem annualisierten Mittelwert μ und
der annualisierten Standardabweichung σ, auch Volatilität genannt. Wählt
man in Formel (8) R = exp(rT/n), U = exp(σ√(T/n)) und D = exp( –
σ√(T/n)), dann erhält man für n →∞ die
Black/Merton/Scholes-Formel für Calls vom
Europäischen Typ:
(9) C = SN(d) – Ke – rTN(d – σ√T),
wobei d = (ln(S/K) + (r + 0,5 σ2)T)/σ√T. Neben den
bereits eingeführten Symbolen bezeichnet in der Formel N(·) die
Verteilungsfunktion einer standardnormalverteilten Zufallsvariablen und r = lnR
die zeitstetige Verzinsungsrate. Der durch Gleichung (9) gegebene Call-Wert
entspricht dem Barwert des zeitstetig angepassten Duplikationsportefeuilles, C
= hSS +
hBR,
sowie der gewichteten Differenz zwischen Aktienkurs und Barwert des
Basispreises, wobei die Gewichte N(d) und N(d – σ√T) Werte zwischen
Null und Eins annehmen können. Im Falle einer weit aus dem Geld notierenden Option (d.h. S ist viel kleiner als
K) ist der Call beinahe wertlos, weil beide Gewichte nahe bei Null liegen. Ist
die Option hingegen tief im Geld
(d.h. S ist viel größer als K), so nehmen beide Gewichte Werte nahe Eins an,
und der Wert der Option entspricht in etwa der Europäischen Wertuntergrenze
(1). Eine entsprechende Formel für Europäische
Puts lässt sich über die Put-Call-Parität herleiten.
Der einzige nicht direkt beobachtbare Parameter des
BMS-Modells ist die zukünftige
Renditevolatilität σ der
zugrunde liegenden Aktie. Dieser Volatilitätsparameter kann prinzipiell auf
zweierlei Arten geschätzt werden: auf der Basis der historischen Volatilität
der zugrunde liegenden Aktie oder auf der Basis der sogenannten impliziten
Volatilität. Letztere wird durch die Gleichsetzung der BMS-Formel mit dem
Marktpreis einer Option und anschließender (numerischer) Auflösung der
Gleichung nach dem Volatilitätsparameter bestimmt.
Der Vergleich von Marktpreisen mit korrespondierenden
BMS-Modellwerten zeigt immer wieder, dass Letztere die Marktpreise im Mittel sehr gut erklären können
(siehe z.B. Trautmann,
Siegfried 1989). Dennoch liegt keine unverzerrte Erklärung von
Marktpreisen vor, denn diese würde bedeuten, dass die implizite Volatilität auf
der Basis beobachteter Marktpreise für Optionen unabhängig ist von den
Modellparametern Basispreis und Restlaufzeit. Man beobachtet jedoch einen u-förmigen
Zusammenhang zwischen der impliziten Volatilität und dem Basispreis der
Optionen (Smile-Effekt). Demzufolge
ist die implizite Volatilität besonders niedrig für Optionen, die am Geld
notieren, während sie für Optionen, die entweder tief im Geld oder tief aus dem
Geld sind, besonders hoch ist.
3. Sonstige Duplikationsmodelle
Bedenkt man, dass bereits das Eigenkapital eines Unternehmens
als Kaufoption aufgefasst werden kann (die Eigenkapitalgeber können nämlich das
gesamte Firmenvermögen erwerben, indem sie die Fremdkapitalgeber ausbezahlen),
dann ist ein Aktien-Call bereits als Option auf eine Option (Compound Option)
zu bewerten. Letztere kann mit dem Compound
Option Model (Geske, Robert
1979) erfolgen, bei dem das Underlying der Basisoption (hier: das gesamte
Firmenvermögen) wie im BMS-Modell einer Geometrischen Brownschen Bewegung
folgt. Die Volatilität der Aktienrendite ist dann nicht mehr konstant, sondern
zufällig, aber über infinitesimal kleine Zeitspannen perfekt mit dem Aktienkurs korreliert (für das Verhalten der
Aktienvolatilität bei umlaufenden Optionsscheinen siehe Schulz,
Uwe/Trautmann, Siegfried 1994). Letztere Eigenschaft ermöglicht
wiederum die Anwendung des Duplikationsprinzips. Die Nichtbeobachtbarkeit der
Vermögensrendite und seiner Volatilität erschwert jedoch die Anwendung des
Compound Option Models auf der Basis historischer Volatilitäten.
Die Bewertung einer Amerikanischen
Option muss derart erfolgen, dass der Optionswert in jedem Handelszeitpunkt und
für jeden Aktienkurs den entsprechenden Ausübungswert nicht unterschreitet. Im
Rahmen des zeitdiskreten Binomialmodells lässt sich dies in einfacher Weise
berücksichtigen (siehe z.B. Trautmann,
Siegfried 2006). Für das zeitstetige BMS-Modell gibt es nur für
Calls (im Falle einer Dividendenzahlung vor dem Verfalltag des Calls) eine
analytische Lösung, die auf dem Compound Option Model basiert. Für Puts ist
dagegen bis heute keine analytische
Lösung bekannt. Man begnügt sich daher mit approximativen, analytischen
Lösungen bzw. mit numerischen Lösungsansätzen (siehe z.B. Stoll, Hans
R./Whaley, Robert E. 1993).
IV. Bewertung bei
unvollständigen Finanzmärkten
Das BMS-Modell modelliert die Aktienkursentwicklung mittels
einer Geometrischen Brownschen Bewegung mit stetigen
Kurspfaden und konstanter
Renditevolatilität. Neuere Modelle heben diese restriktiven Annahmen auf, um
beobachtete Eigenschaften von Aktienkursprozessen und daraus resultierende
Renditeverteilungen modellmäßig besser erfassen zu können. Das
Finanzmarktmodell wird dann allerdings unvollständig und Optionen können nicht
mehr gemäß dem Duplikationsprinzip bewertet werden. Die Präferenzabhängigkeit
der Bewertung lässt sich nur noch vermeiden, wenn man z.B. im Fall von
Kurssprüngen das zusätzliche Kurssprungrisiko als diversifizierbar unterstellt (siehe Merton,
Robert C. 1976).
Die meisten Modelle mit Kurssprüngen und/oder stochastischer
Volatilität basieren auf präferenzabhängigen Gleichgewichtsmodellen (im Fall
stochastischer Volatilität z.B. Heston,
Stephen L. 1993; Schöbel,
Rainer/Zhu, Jianwei 1999; im Fall mit Kurssprüngen z.B. Bates, David
S. 1991; Bakshi,
Gurdip/Cao, Charles/Chen, Zhiwu 1997) und führen zu
Bewertungsformeln, die nicht frei von Präferenzparametern sind (eine Ausnahme
bildet das GARCH-Modell von Duan,
Jin-Chuan 1995). Vielversprechend ist das sehr flexible CGMY-Modell
(Carr,
Peter/Geman, Hélyette/Madan, Dilip et al. 2002), das – ohne eine
Diffusionskomponente zu besitzen – sowohl kleine als auch große Kurssprünge bei
stochastischer Volatilität erfassen kann.
Da sich in diesem Modellrahmen Aktienoptionen nicht mehr
mittels einer dynamischen Duplikationsstrategie mit Aktie und Null-Kuponanleihe
perfekt duplizieren lassen, stellt sich auch die Frage, wie die Verkäufer von
Aktienoptionen sich gegen eine spätere Inanspruchnahme am besten schützen
können (siehe Grünewald,
Barbara/Trautmann, Siegfried 1997; Schulmerich,
Marco/Trautmann, Siegfried 2003).
Literatur:
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spéculation, in: Annales de l\'Ecole Normale Superieure, 1900, S. 21 – 86
Bakshi, Gurdip/Cao, Charles/Chen,
Zhiwu : Empirical Performance of Alternative Option Pricing Models, in: Journal
of Finance, 1997, S. 2003 – 2049
Bates, David S. : The Crash of \'87:
Was It Expected? The Evidence from Options Markets, in: Journal of Finance,
1991, S. 1009 – 1044
Black, Fischer/Scholes, Myron : The
Pricing of Options and Corporate Liabilities, in: Journal of Political Economy,
1973, S. 637 – 659
Carr, Peter/Geman, Hélyette/Madan,
Dilip B. : The Fine Structure of Asset Returns: An Empirical Investigation, in:
Journal of Business, Bd. 75, H. 2/2002, S. 305 – 332
Cox, John C./Ross, Stephen
A./Rubinstein, Mark : Option pricing: A Simplified Approach, in: Journal of
Financial Economics, 1979, S. 229 – 263
Delbaen, Freddy/Schachermayer, Walter
: A General Version of the Fundamental Theorem of Asset Pricing, in:
Mathematische Annalen, Jg. 300, 1994, S. 463 – 520
Duan, Jin-Chuan : The GARCH Option
Pricing Model, in: Mathematical Finance, 1995, S. 13 – 32
Geske, Robert : The Valuation of
Compound Options, in: Journal of Financial Economics, 1979, S. 63 – 81
Grünewald, Barbara/Trautmann,
Siegfried : Varianzminimierende Hedgingstrategien für Optionen bei möglichen
Kurssprüngen, in: Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung, H.
38/1997, S. 43 – 87
Harrison, J. Michael/Pliska, Stanley
R. : Martingales and Stochastic Integrals in the Theory of Continuous Trading,
in: Stochastic Processes and their Applications, 1981, S. 215 – 260
Heston, Stephen L. : A Closed-Form
Solution for Options with Stochastic Volatility with Applications to Bond and
Currency Options, in: Review of Financial Studies, 1993, S. 327 – 343
Jarrow, Robert A./Turnbull, Stuart :
Derivative Securities, 2. A., Cincinnati 2000
Merton, Robert C. : Theory of
Rational Option Pricing, in: Bell Journal of Economics and Management Science,
1973, S. 141 – 183
Merton, Robert C. : Option Pricing
When Underlying Stock Returns are Discontinuous, in: Journal of Financial
Economics, 1976, S. 125 – 144
Schöbel, Rainer/Zhu, Jianwei :
Stochastic Volatility With an Ornstein-Uhlenbeck Process: An Extension, in:
European Finance Review, Jg. 3, 1999, S. 23 – 46
Schulmerich, Marco/Trautmann,
Siegfried : Local Expected Shortfall-Hedging in Disrete Time, in: European
Finance Review, Jg. 2003, Bd. 7, 2003, S. 75 – 102
Schulz, Uwe/Trautmann, Siegfried :
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Finance, 1994, S. 841 – 859
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Trautmann, Siegfried :
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