Inhaltsübersicht
I. Gegenstand
und Zielsetzung
II. Verfahrensgrundlagen
III. Ablauf
einer Conjoint-Analyse
IV. Bedeutung
für das Marketing
I. Gegenstand und
Zielsetzung
Unter dem Begriff der Conjoint-Analyse wird eine Reihe von
multivariaten Untersuchungsansätzen zusammengefasst, die auf unterschiedlichen
Wegen versuchen, den Zusammenhang zwischen der Gesamtbeurteilung von Objekten
und den sie definierenden Objektmerkmalen zu bestimmen (Green, P.
E./Srinivasan, V. 1978). Die Conjoint-Analyse gehört somit zu den
dekompositionellen Verfahren der Einstellungs- und Präferenzmessung und wird
allgemein den dependenzanalytischen multivarianten Datenanalysemethoden
zugerechnet. Die größte praktische Relevanz hat die Conjoint-Analyse als
Verfahren der Präferenzmessung bei der Konzeptentwicklung für neue oder
modifizierte Produkte. In der klassischen Form der Conjoint-Analyse
(Profil-Ansatz) werden die Ausprägungen a priori festgelegter Konzeptmerkmale
systematisch miteinander kombiniert und den Auskunftspersonen (Apn.) als ganzheitliche Produktkonzepte zur
Bildung einer Präferenzrangreihe vorgelegt. Das Ziel der Conjoint-Analyse
besteht nun darin, aus diesen globalen Präferenzurteilen über Produktkonzepte
(Stimuli) die partiellen Beiträge (Teilpräferenzwerte, Teilnutzenwerte) der
einzelnen Merkmalsausprägungen für das Zustandekommen der globalen
Präferenzurteile zu bestimmen.
Aus Marketingsicht lassen sich die Untersuchungsziele beim
Einsatz der Conjoint-Analyse mit der Beantwortung folgender Fragen
charakterisieren:
Welche Produktmerkmale beeinflussen die Präferenz, und wie
wichtig ist jedes Merkmal für die Präferenzbildung der Konsumenten?
Hinsichtlich welcher Produktmerkmale bzw.
Merkmalsausprägungen können Kompromisse (trade-offs) beobachtet werden?
Welche Kombination(en) von Merkmalsausprägungen wird (werden)
besonders präferiert?
Existieren heterogene Präferenzstrukturen, sodass Konsumenten
mit homogenen Präferenzstrukturen zu sinnvollen Marktsegmenten zusammengefasst
werden können (Benfitsegmentierung)?
Wie sind die Marktchancen innovativer Produktkonzepte
einzuschätzen?
II. Verfahrensgrundlagen
Die theoretische Basis für die Erklärung von
Produktpräferenzen und deren Operationalisierung mittels Conjoint-Analyse
liefern multiattributive Präferenzmodelle (Böcker, F.
1986). Diese gehen von der Annahme aus, dass sich die Gesamtpräferenz für
alternative Produkte aus den Teilpräferenzbeiträgen einzelner Produktmerkmale
zusammensetzt. Dabei hat das linear-additive
Teilwertmodell für den Einsatz der Conjoint-Analyse die größte Bedeutung (Thomas, L.
1979). Das Teilwertmodell basiert auf der in vielen Fällen sehr realistischen
Vorstellung, dass die Präferenzwirkung der Ausprägungen eines Merkmals nicht in
einer bestimmten Richtung verläuft, sondern für jede Merkmalsausprägung
individuell unterschiedliche Präferenzwerte denkbar sind. Dies trifft v.a. für
nominalskalierte Merkmale zu (z.B. Produktfarbe). Dieses Modell enthält
weiterhin die Annahme, dass der Beurteilungsprozess kompensatorisch verläuft.
Kompensatorische Modelle gehen davon aus, dass alle Konzeptmerkmale in den
Beurteilungsprozess einbezogen werden und dass sie gegenseitig substituierbar
sind, d.h. die negative Beurteilung einer Merkmalsausprägung kann durch
positive Eindrücke bei anderen Merkmalen kompensiert werden. Bei der
Conjoint-Analyse wird aus erhebungstechnischen und forschungsökonomischen
Gründen i.d.R. von einer linear-additiven Verknüpfung der Teilpräferenzwerte
ausgegangen. Damit wird unterstellt, dass sich die Gesamtpräferenz eines
Produktkonzeptes aus der Summe der Teilpräferenzen über die einzelnen
Konzeptmerkmale ergibt. Für den Einsatz der Conjoint-Analyse leitet sich daraus
die Forderung ab, dass die einzelnen Merkmalsausprägungen ihre Wirkung auf die
Gesamtpräferenz unabhängig voneinander entfalten müssen. Das bedeutet, dass zwischen
den Konzeptmerkmalen keine Interaktionen bestehen dürfen (Green, P.
E./Srinivasan, V. 1978).
III. Ablauf einer
Conjoint-Analyse
1. Auswahl der Merkmale und deren Ausprägungen
Die wichtigsten Voraussetzungen für die Anwendung der
Conjoint-Analyse sind eine sachgerechte Auswahl der beurteilungsrelevanten
Konzeptmerkmale und die Festlegung der Merkmalsausprägungen. Sowohl die Anzahl
als auch die Art der Konzeptmerkmale beeinflussen die Gestaltung des
Erhebungsdesigns einer Conjoint-Analyse. Vor allem hängt von ihnen die
Validität und Reliabilität der Ergebnisse ab. Einerseits werden mit steigender
Merkmalsanzahl die Konzeptbeschreibungen realistischer, was sich positiv auf
die Validität auswirkt, auf der anderen Seite führt dies sehr häufig zu einer
Überforderung der Apn., da die Anzahl der zu beurteilenden Stimuli stark
ansteigt. Dadurch wird wiederum die Reliabilität der Ergebnisse beeinträchtigt.
Die Merkmale und Merkmalsausprägungen sollten aus Sicht der Apn.
beurteilungsrelevant, vom Hersteller beeinflussbar und – zumindest langfristig
– auch realisierbar sein (Schubert, B.
1991).
Abb. 1: Merkmale und Merkmalsausprägungen am Beispiel einer
Conjoint-Analyse für die Entwicklung eines neuen Früchte-Müslis
Im Folgenden werden einzelne Aspekte einer Conjoint-Analyse
am Beispiel der Konzeptentwicklung für ein neues Früchte-Müsli veranschaulicht.
Konzeptmerkmale können in Form verbaler Beschreibungen als subjektive Nutzenmerkmale (benefits)
formuliert werden (z.B. »besonders knusprig«) oder aber als objektive (physische) Produkteigenschaften
(characteristics) dargestellt werden, indem die konkrete Eigenschaft, die den
versprochenen Nutzen bewirken soll, zur Beurteilung vorliegt (z.B. die Angabe:
mit Cornflakes). Häufig werden bei der Formulierung der Konzeptmerkmale
subjektive Nutzenmerkmale mit objektiven Produkteigenschaften kombiniert (z.B.
»besonders knusprig [mit Cornflakes]«).
Die Verwendung objektiver physischer Produkteigenschaften ist
wann immer möglich vorzuziehen, da sie von allen Testpersonen gleichermaßen
wahrgenommen werden, es also zu keinem subjektiven Interpretationsspielraum
kommt.
2. Conjointanalytischer Untersuchungsansatz
Der Ausgangspunkt für die Konkretisierung des
Erhebungsdesigns ist die Entscheidung für einen conjointanalytischen
Untersuchungsansatz. Hiermit wird die weitere Vorgehensweise bei der
Stimulikonstruktion und Datenerhebung determiniert. Die verschiedenen Ansätze
unterscheiden sich v.a. in der Vorgehensweise bei der Erhebung der Präferenzurteile.
Bei den neueren Verfahren handelt es sich um Weiterentwicklungen der
traditionellen Ansätze.
Abb. 2: Verfahren zur Erhebung von Präferenzurteilen bei
Conjoint-Analysen
Beim Trade-Off-Ansatz
werden die Ausprägungen von jeweils zwei Merkmalen in sog. Trade-Off-Matrizen
miteinander kombiniert. Die Apn. werden gebeten, jeweils Paare von
Merkmalsausprägungen in eine Präferenzrangreihe zu bringen, und zwar für alle
möglichen Kombinationen der ausgewählten Konzeptmerkmale.
Aufgrund der wenig realistischen Beurteilungssituation und
dem z.T. enormen Erhebungsaufwand kommt dieser Ansatz nur relativ selten zum
Einsatz (Vriens,
M./Wedel, M./Wilms, T. 1992).
Beim Profilansatz
werden den Apn. vollständige Kombinationen der Merkmalsausprägungen zur
Beurteilung vorgelegt. Die ganzheitliche simultane Vorlage aller
Konzeptbeschreibungen soll den Apn. eine möglichst realistische Vorstellung von
den Testkonzepten vermitteln. Durch die Steigerung des Realitätsbezugs
reduziert sich die (kognitive) Belastung der Apn. Dies wirkt sich positiv auf
die Reliabilität und Validität der Ergebnisse aus. Allerdings steigt die Zahl
möglicher Stimuli mit zunehmender Anzahl von Konzeptmerkmalen und deren
Ausprägungen sehr schnell an, sodass die Beurteilungsaufgabe für die Apn. zu
komplex werden kann. Damit ist die Anwendung dieses Ansatzes nur dann sinnvoll,
wenn die Anzahl der Merkmale und Merkmalsausprägungen relativ gering ist. Diese
Anwendungsprobleme der traditionellen Conjoint-Analyse haben zur Entwicklung
neuer Untersuchungsansätze geführt.
Mit der Hybrid-Conjoint-Analyse
(HCA) steht ein Ansatz zur Verfügung, der die Vorteile kompositioneller und
dekompositioneller Verfahren der Präferenzmessung miteinander verbindet. Die
Apn. geben zunächst direkte Urteile über alle Merkmale und deren Ausprägungen
ab (kompositioneller Teil) und bewerten anschließend ausgewählte
Merkmalskombinationen ganzheitlich (dekompositioneller Teil). Durch die
Verknüpfung beider Ergebnisse werden die Teilpräferenzwerte der einzelnen
Merkmalsausprägungen für jede Apn. geschätzt. Ein wesentlicher Vorteil dieses
Ansatzes liegt darin, dass die Anzahl der von jeder Apn. zu beurteilenden
(ganzheitlichen) Konzepte drastisch reduziert werden kann. Das wird durch die
Bildung balancierter Blockdesigns erreicht, indem die Gesamtstichprobe in
Teilstichproben aufgeteilt wird und die Anzahl der ganzheitlich zu bewertenden
Konzepte auf die einzelnen Blöcke verteilt wird. Nachteilig ist, dass bei der
Hybrid-Conjoint-Analyse i.d.R. mit größeren Stichproben gearbeitet werden muss
(Schubert, B.
1991).
Die größte praktische Bedeutung haben computergestützte,
interaktive Verfahren der Conjoint-Analyse.Im Folgenden wird jedoch der
»klassische« Profil-Ansatz näher erläutert, da mit ihm die Grundsätze der
Conjoint-Analyse am besten veranschaulicht werden können.
3. Entwicklung des Erhebungsdesigns
Bei der Planung des Erhebungsdesigns einer klassischen
Full-Profile-Conjoint-Analyse sind Entscheidungen zu treffen, die sich auf die
Anzahl und die Präsentation der Stimuli beziehen. Diese Entscheidungen basieren
auf dem zugrunde gelegten Präferenzmodell, das zuvor spezifiziert werden muss (Green, P.
E./Srinivasan, V. 1978).
Abb. 3: Erstellung des experimentellen Designs
4. Erstellung des experimentellen Designs
Typisch für die Conjoint-Analyse ist, dass die
Produktkonzepte auf der Basis faktorieller Versuchspläne konstruiert werden.
Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie die Vielzahl möglicher
Merkmalskombinationen reduziert werden kann. Die größte Bedeutung für die
erforderliche Reduktion der Stimuli hat die Bildung unvollständiger
faktorieller Designs (fractional factorial designs), auf deren Basis die Schätzung
sämtlicher Haupteffekte möglich wird (orthogonal array). Für die praktische
Vorgehensweise kann auf eine Vielzahl bereits erstellter orthogonaler
Versuchspläne zurückgegriffen werden, die dann für den spezifischen Einzelfall
modifiziert werden können (Addelman, S.
1962).
5. Präsentationsform der Stimuli und
Datenerhebung
Über die Präsentationsform der Stimuli wird im Zusammenhang
mit der Gestaltung der Erhebungsunterlagen entschieden. Hier interessiert vor
allem die Form, in der die Produktkonzepte den Befragten zur Beurteilung
vorgelegt werden. In den meisten Fällen werden die Testkonzepte in Form verbaler
Stimuluskarten und z.T. mit graphischen Veranschaulichungen einzelner
Konzeptelemente präsentiert (Wittink, D.
R./Vriens, M./Burhenne, W. 1994).
Die Beurteilungsaufgabe hängt vom conjointanalytischen
Untersuchungsansatz ab. Beim Profil-Ansatz können sowohl nichtmetrische als
auch metrische Urteilswerte erhoben werden. Im ersten Fall werden die Apn.
gebeten, die (ganzheitlichen) Produktkonzepte in eine (Präferenz-)Rangreihe zu
bringen. Metrische Ausgangsdaten liegen dann vor, wenn die Apn. für die
einzelnen Konzepte z.B. Kaufwahrscheinlichkeiten angeben müssen.
6. Auswertung der Daten
a) Auswahl des Schätzverfahrens
Zur Schätzung der Parameter des zugrunde liegenden
Messmodells steht eine Reihe unterschiedlicher Verfahren zur Verfügung (Green, P.
E./Srinivasan, V. 1978). Die Auswahl eines geeigneten
Schätzverfahrens ist vom Messniveau der Urteilsdaten und dem
conjointanalytischen Untersuchungsansatz abhängig.
Für den Fall metrischer Urteilsdaten – z.B. bei der Adaptive-Conjoint-Analyse
– wird am häufigsten das Verfahren der ORDINARY LEAST SQUARE REGRESSION (OLS)
eingesetzt. Liegen ordinale Ausgangsdaten vor – wie beim Full-profile-Ansatz – ,
eignen sich der von Kruskal
entwickelte Algorithmus MONANOVA sowie das auf der linearen Programmierung
basierende Verfahren LINMAP.
b) Aggregierte und segmentspezifische
Auswertung
Als Ergebnis der Auswertungsprozeduren liegen für alle Apn.
die geschätzten Teilpräferenzwerte für alle Ausprägungen der Konzeptelemente
vor. Sie besitzen metrisches Messniveau und sind direkt miteinander
vergleichbar. Diese Werte können als Bedeutungsgewichte aufgefasst werden,
d.h., ihre Höhe drückt den Einfluss auf das Zustandekommen der Gesamturteile
aus.
Die Aggregation der individuellen Teilpräferenzwerte kann auf
unterschiedlichem Wege erfolgen: Zum einen werden für die errechneten und zuvor
normierten Teilpräferenzwerte Mittelwerte gebildet, zum anderen werden die
Urteile der Apn. als Replikationen des Untersuchungsdesigns aufgefasst. Die
Berechnung der Teilpräferenzwerte erfolgt gleichzeitig auf der Basis aller
Urteile. Vor der Aggregation sollte sichergestellt sein, dass die Apn.
bezüglich ihrer Präferenzstrukturen relativ homogen sind. Andernfalls besteht
die Gefahr, dass durch die Mittelwertbildung über alle Apn. wichtige
Informationen über segmentspezifische Präferenzstrukturen verloren gehen.
Deshalb empfiehlt es sich in vielen Fällen, die individuellen
Teilpräferenzwerte segmentspezifisch zu aggregieren. Dazu werden die
Auskunftspersonen im Hinblick auf ähnliches Urteilsverhalten mithilfe der Clusteranalyse
in möglichst homogene Gruppen aufgeteilt.
Die segmentspezifische Auswertung von Conjointdaten kann
grundsätzlich durch zwei Ansätze erfolgen, die als a-priori-Segmentierung und a-posteriori-Segmentierung
bezeichnet werden. Basis für eine a-priori-Segmentierung sind solche
Untersuchungsmerkmale, die einen Einfluss auf das Urteilsverhalten der
Testpersonen haben bzw. von denen angenommen wird, dass sie Unterschiede der
Präferenzstrukturen erklären, z.B. das Alter oder das Geschlecht. Bei der
a-posteriori-Segmentierung wird die Segmentbildung auf der Basis der individuellen
Präferenzurteile der Auskunftspersonen durchgeführt (two-stage-approach). Das
kann auf zwei Wegen erfolgen. Zum einen können die Auskunftspersonen auf der
Basis der Ausgangs-(Rang-)daten segmentiert werden, anschließend erfolgt dann
die aggregierte Berechnung der Teilurteilswerte durch die Conjoint-Analyse.
Eine zweite Möglichkeit besteht darin, die Segmentierung auf der Basis der
Teilurteilswerte vorzunehmen. Das bedeutet, dass die Befragten erst nach der
Auswertung der Konzeptbeurteilung (ex post) in Segmenten zusammengefasst
werden, und zwar nach Maßgabe der individuellen Teilnutzenwerte als »aktive«
Variablen der Clusteranalyse. Damit wird gewährleistet, dass die Befragten
innerhalb der Segmente homogene oder zumindest ähnliche Wahrnehmungs- und
Präferenzstrukturen aufweisen. Auf dieser Grundlage erfolgt dann die
segmentspezifische Aggregation der individuellen Conjointergebnisse. Die
illustrativen Merkmale (passive Merkmale) können zur Beschreibung der
»Nutzensegmente« herangezogen werden. Die hier skizzierte Vorgehensweise wird
allgemein als Benefitsegmentierung bezeichnet.
Abb. 4: Teilpräferenzwerte und Sensitivitäten
c) Interpretation der Ergebnisse
Bei der Interpretation der Ergebnisse interessiert zunächst,
welche Bedeutung die einzelnen Ausprägungen der Konzeptmerkmale für die
Gesamtbeurteilung der Konzepte haben. Diese Frage lässt sich direkt aus der
Höhe der (aggregierten) Präferenzwerte beantworten. Zur Veranschaulichung
werden die Daten i.d.R. durch Diagramme veranschaulicht.
Als nächstes soll ermittelt werden, welche Konzeptmerkmale
für die Beurteilung der Alternativen besonders wichtig sind. Dazu wird die
Streuung der partiellen Urteilswerte herangezogen. Durch die Bildung der
Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Teilwert eines jeden
Merkmals erhält man jeweils die Spannweite als deskriptives Streuungsmaß. Die
relative Wichtigkeit eines Konzeptmerkmals – vielfach auch als Sensitivität
bezeichnet – ergibt sich dann aus dem Anteil der Spannweite an der Summe der
Spannweiten aller Merkmale. Die Sensitivität eines Konzeptmerkmals gibt an, wie
groß der Einfluss des Merkmals auf die Gesamtpräferenz ist, wenn innerhalb des
Merkmals von der »besten« auf die »schlechteste« Ausprägung gewechselt wird.
Die »Testsieger« und »Verlierer« werden ermittelt, indem man auf der Basis der
errechneten Teilurteilswerte den Gesamtwert jeder Kombination berechnet. Unter
der Annahme der additiven Verknüpfungsregel können die entsprechenden
Teilurteilswerte für jede mögliche Merkmalskombination addiert werden.
d) Marktsimulationen
Auf der Basis der errechneten individuellen
Teilpräferenzwerte können anschließend Marktsimulationen durchgeführt werden (Johnson, R.
M. 1987). Dafür wird für jede Auskunftsperson ein Indexwert zwischen
0 und 100 für alle möglichen Merkmalskombinationen berechnet. Daraus lassen
sich die Marktchancen aller Produktkonzepte abschätzen (simulierte
Produktakzeptanz).
Ausgehend von einem spezifischen Produktkonzept kann
anschließend die Reaktion der Produktakzeptanz auf Eigenschaftsänderungen
simuliert werden (»what-if«-Analysen). Besonders aussagekräftig ist die
Darstellung der Stimulationsergebnisse in sog. Strategieprofilen, die
aufzeigen, wie sich die durchschnittliche Produktakzeptanz verändert, wenn
jeweils eine Ausprägung jeweils eines Konzeptmerkmals variiert wird (Stadler, K.
1993).
Weiterhin lässt sich das Wahlverhalten Apn. unter der Annahme
unterschiedlicher Marktzenarien simulieren. Bei der Festlegung eines
Marktszenarios werden solche Konzepte ausgewählt, die aus der Sicht des
Managements erfolgversprechende, innovative Konzepte darstellen. Zusätzlich
sollten Konzepte in die Analyse einbezogen werden, die bezüglich ihrer
Merkmalskombination realen eigenen und/oder konkurrierenden Produkten ähnlich
sind, um somit die mögliche Konkurrenzsituation für die neuen Konzepte
abzubilden. Das Simulationsmodell errechnet für jedes der ausgewählten
Konzepte, wie viele der Befragten die jeweilige Alternative wählen würden. Bei
der Berechnung können unterschiedliche »Wahl-Regeln« unterstellt werden. Durch
die Anwendung der (deterministischen) Mehrheitswahl-Regel wird die Annahme
getroffen, dass die Auskunftsperson immer die Alternative wählt, die den
höchsten Gesamtpräferenzwert erzielt. Auf dieser Basis können die
(hypothetischen Markt-)Anteile der im Szenario befindlichen Konzepte durch
einfaches Auszählen ermittelt werden. Bei Anwendung der (probabilistischen)
Verhältniswahl-Regel wird angenommen, dass sich jede Apn. bei ihrer
Wahlentscheidung proportional zu den individuellen Gesamtpräferenzwerten der im
Szenario befindlichen Produktkonzepte verhält. So erhalten auch solche Konzepte
noch entsprechend Wahlanteile, die von den Apn. häufig an zweiter oder dritter
Stelle gewählt werden.
Abb. 5: Strategieprofil für Simulationsergebnis
IV. Bedeutung für das
Marketing
Die Erforschung der Präferenzstrukturen von Konsumenten
gehört zu den wichtigsten Bereichen der Marketingforschung. Seit den ersten
Anwendungen (Anfang der siebziger Jahre) hat die Conjoint-Analyse inzwischen
einen festen Platz in diesem Forschungsfeld. Die besondere Wertschätzung der
Conjoint-Analyse in der Marketingpraxis lässt sich damit begründen, dass sich
aus den Ergebnissen einer Conjoint-Analyse konkrete Hinweise für die Gestaltung
der Marketinginstrumente ableiten lassen. Außerdem wird der Conjoint-Analyse
eine vergleichsweise hohe Prognosevalidität bescheinigt. Die
Einsatzmöglichkeiten der Conjoint-Analyse erstrecken sich auf alle
Gestaltungsentscheidungen einzelner Marketinginstrumente sowie auf deren
Kombination zum Marketing-Mix.
Verschiedene empirische Studien zur Bedeutung der Conjoint-Analyse im Marketing
zeigen Anwendungsschwerpunkte bei der Konzeptentwicklung von neuen oder
modifizierten Produkten sowie als Informationsgrundlage für
Preisentscheidungen. Weitere Untersuchungsziele konzentrieren sich auf den
Bereich der Konkurrenzforschung, Marktsegmentierung
und Produktpositionierung. Obwohl die Mehrzahl der Conjointstudien bisher für
Konsumgüter realisiert wurde, ist eine zunehmende Anwendung auch bei
Dienstleistungen zu verzeichnen (Wittink, D.
R./Vriens, M./Burhenne, W. 1994).
Nicht zuletzt führen immer komfortablere Software-Pakete zu
einer schnellen Verbreitung der Conjoint-Analyse. Damit ist allerdings die
Gefahr verbunden, dass die Conjoint-Analyse auch dann eingesetzt wird, wenn die
Anwendungsvoraussetzungen nicht erfüllt sind (z.B. bei Merkmalsinteraktionen
oder nicht kompensatorisch ablaufenden Präferenzbildungsprozessen). Ein
erfolgversprechender Einsatz der Conjoint-Analyse setzt eine gründliche Klärung
der Sachprobleme voraus. Im Mittelpunkt stehen dabei sorgfältige Überlegungen
bei der Auswahl der relevanten Merkmale und Merkmalsausprägungen sowie deren
Kommunikation durch geeignete Präsentationsformen der Stimuli.
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