Inhaltsübersicht
I. Ziele,
Funktionen und theoretische Grundlagen
II. Konzeption
der Führungskräfteentwicklung
III. Grenzen
und Ausblick
I. Ziele, Funktionen und
theoretische Grundlagen
In der Literatur wird i.a. von individuellen und
institutionellen Zielen der Aus- und Fortbildung von Führungskräften ausgegangen, die jedoch nicht als grundsätzlich
verschieden, sondern als komplementär angesehen werden.
Institutionelle Ziele sind:
-
direkte Entwicklung der Humanressourcen im Unternehmen
durch Ausbau des vorhandenen Führungspotenzials
-
indirekte Entwicklung der Humanressourcen im
Unternehmen durch die gewachsenen Einflussmöglichkeiten der qualifizierten
Führungskräfte auf die Mitarbeiter
-
Beitrag zur Wissensproduktion und -nutzung sowie einer
lernorientierten Unternehmenskultur
-
Signalisierung von Perspektive, Potenzial und
Modernität der Organisation gegenüber dem Umfeld und potenziellen Bewerbern.
Als individuelle Ziele sind zu nennen:
-
Erwerb von Wissen und Fähigkeiten für die Bewältigung
der gegenwärtigen und zukünftigen Aufgaben, d.h. Aufbau von kulturellem (und
symbolischem) Kapital
-
Sicherung der persönlichen Karriere bzw. Verbesserung
der Karrierechancen
-
Befriedigung von Bedürfnissen nach Wissenserwerb,
Lernen, sozialem Kontakt etc.
-
Möglichkeit zum Aufbau von Beziehungsnetzwerken, d.h.
von sozialem Kapital
-
Chancen zur Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmer.
Diese Auflistung verdeutlicht die Problematik der Annahme
einer Zielharmonie. Zugleich ergibt sich aber auch eine realistischere
Einschätzung von Gestaltungsmöglichkeiten und Grenzen unter den jeweiligen
situativen Bedingungen im Rahmen einer konzeptionellen und instrumentellen
Gestaltung der Führungskräfteaus- und -fortbildung (Sattelberger,
1996).
Besonders verhaltenswissenschaftliche,
handlungs- und lerntheoretische Ansätze haben sich für die Gestaltung der
Führungskräfteentwicklung als bedeutsam erwiesen. Ihr Erklärungsbeitrag liegt
vor allem auf Prozessen der Verhaltensbeeinflussung und -änderung durch das
Handeln in organisierten Lernprozessen. In diesem Kontext sind als wichtige
(lern)theoretische Grundlagen neuerer Gestaltungsansätze das „ action learning “
und der Zyklus des Erfahrungslernens von Kolb (Kolb, 1984)
hervorzuheben.
II. Konzeption der
Führungskräfteentwicklung
1. Personalplanung und Erfolgssteuerung
Mit der verstärkten strategischen Ausrichtung der Unternehmen
ist zunehmend der Anspruch verbunden, die Führungskräfteplanung mit der
strategischen Unternehmensplanung zu verzahnen. Die strategische Personalplanung
für Führungskräfte i.S. einer langfristig problembezogenen und in andere
Systeme integrierten Planung orientiert sich damit am derzeitigen und
zukünftigen Bedarf sowie an möglichen Erfolgspotenzialen (u.a. Pawlowsky, 1999;
Mayerhofer, 1999).
Die operative Planung umfasst dann die Bestimmung konkreter Maßnahmen. Der Bedarf
an Führungskräften ist sowohl quantitativ als auch qualitativ zu bestimmen.
Dabei ist die Personalplanung für Führungskräfte mit folgenden Besonderheiten
konfrontiert (vgl. Weber,
/Martin, 1987):
-
Die Bestimmung der anzustrebenden Ziele und der (zu
erwerbenden) Kompetenzen ist besonders schwierig, da neben fachlichen
Kenntnissen und Fertigkeiten insb. Management- und Führungsfähigkeiten im
Zentrum des Interesses stehen (Personalbeurteilung;
Potenzialbeurteilung).
-
Der Erwerb von spezifischen Qualifikationen oder
Verhaltensänderungen benötigt viel Zeit (Personalentwicklung;
Trainingsmethoden).
-
Die notwendigen Investitionen je Führungskraft sind im
Vergleich zu anderen Beschäftigten sehr hoch.
-
Die Schadensgefahr ist bei Fehlbesetzungen mit
unplanbaren Folgeschäden verbunden.
Prinzipiell müssen Unternehmen klären, auf welchem Weg sie
ihren derzeitigen und künftigen Bedarf an Führungskräften sichern können. Der
Weg über Neueinstellungen wird in Abhängigkeit von der Arbeitsmarktlage, der
Branche und den geforderten Qualifikationen ggf. rasch auf quantitative und
qualitative Grenzen stoßen. Als Alternative bietet sich die
Führungskräfteentwicklung bzw. die interne Fortbildung von Führungskräften an,
bei der das im Unternehmen bereits vorhandene Potenzial genutzt wird.
„ Klassische “ Ansätze beschreiben die
Führungskräfteentwicklung als einen Entscheidungs- und Problemlösungsprozess
mit den Phasen:
-
Analyse des Entwicklungs- bzw. Fortbildungsbedarfs
-
Generierung, Bewertung und Festlegung entsprechender
Maßnahmen sowie deren Durchführung
-
Evaluation und Kontrolle des Entwicklungs- bzw.
Fortbildungserfolgs.
Die Bedarfsermittlung basiert dabei auf einem Vergleich der
Ist- und Sollqualifikationen der vorhandenen Führungskräfte zum gegenwärtigen
und zukünftigen Zeitpunkt. Entwicklungsbedarf wird abgeleitet, wenn eine
Diskrepanz zwischen den (prognostizierten) Soll-Qualitäten der
Führungspositionen und den Ist-Qualitäten der Führungskräfte diagnostiziert
wird, wobei i.d.R. negative Abweichungen gemeint sind. Die
Ermittlungsergebnisse bilden unter Berücksichtigung von Unternehmensressourcen
die Basis für anforderungsdefizitgesteuerte Gegenmaßnahmen.
Aufgrund methodischer u.a. Probleme zeigt sich in der betriebswirtschaftlichen
Literatur eine allmähliche Distanzierung von „ traditionellen Idealmodellen “ der
Bedarfsanalyse als alleinige Grundlage von Weiterbildungsentscheidungen
zugunsten von mehr selbstbestimmter Qualifizierung (u.a. Heidack, 1997).
Insb. auf der Basis der systemischen Organisationstheorie werden Vorstellungen
weitgehender Plan- und Steuerbarkeit zugunsten einer stärkeren
Selbstentwicklung der Führungskräfte in Form der Eigeninitiative ( „ career
ownership “ ) zurückgedrängt. Schützenhilfe bei der Neukonzeptionalisierung
liefern auch die Vertreter politischer Ansätze, die den Eigensinn und die
Eigeninteressen der Weiterbildungsadressaten zunehmend ins Blickfeld rücken
(u.a. Nienhüser, 1999).
Die veränderten Bedingungen des Managementhandelns in der
Gegenwart, die nicht nur durch eine hohe Verfallsgeschwindigkeit gegebener
Managementqualifikationen, sondern auch durch neue Anforderungen gekennzeichnet
sind, erfordern zeitunabhängige Schlüsselqualifikationen, ein lebenslanges,
mehr selbstgesteuertes und innovativeres Lernen (z.B. Friedrich,
/Mandel, 1997; Welge, et
al. 2000; AoM, Learning
& Education2005). Fortbildung in einer lernenden Organisation bedeutet
nunmehr auch Qualifizierung der Führungskräfte mit dem Ziel,
bereichsübergreifendes Dauerlernen initiieren und etablieren zu können sowie
Potenziale zu verstärken.
Vor diesem Hintergrund ergeben sich zusätzliche Probleme
einer traditionellen Erfolgssteuerung und -beurteilung. So sind z.B. die in der
Literatur zur Evaluation von Trainingsmaßnahmen angebotenen Kontrollgruppen
(z.B. Weinert, 1998)
nur mit großem Aufwand und unter Laborbedingungen sinnvoll einzusetzen. In der
Praxis verzichtet man daher i.d.R. auf diese aufwendigen Verfahren und Tests.
Da jedoch „ messbare “ oder zumindest nachweisbare Effekte von Maßnahmen der
Führungskräfteentwicklung zunehmend gefordert werden (Häring,
/Voss, 2000) und für die Planung und Legitimation der
Maßnahmen wichtig erscheinen, gewinnt das Thema in Theorie und Praxis weiter an
Gewicht. Konsequenterweise müssen bei Selbstlernprozessen vor allem auch
Selbstkontrollen als wichtige Formen stärker integriert werden.
2. Inhaltliche Ausrichtung
Die Betrachtung der Aus- und Fortbildung von Führungskräften
als Element strategischer Unternehmensführung impliziert, dass geklärt werden
muss, über welche Kenntnisse, Fähigkeiten, Erfahrungen und Verhaltensweisen Führungskräfte
verfügen sollen. Wie dies genau erfolgt, ob in Form eines allgemeinen
Anforderungsprofils oder differenziert nach Hierarchieebenen, Funktionsgruppen
oder auch für einzelne strategisch bedeutsame Positionen, wird in jedem
Unternehmen i.d.R. spezifisch entschieden werden. Vor dem Hintergrund
unterschiedlicher Rollenanforderungen (vgl. Bartlett,
/Goshal, 1998 für Managementebenen) erscheint eine
Differenzierung zweckmäßig. Trotzdem tragen Managementbestseller, Berater und
Trainer mit entsprechenden Trainingsprogrammen und Empfehlungen auch zu einer
gewissen Uniformierung bei, die dem angestrebten Ziel entgegensteht, unternehmensspezifische
Potenziale zu entwickeln, die aufgrund ihrer Einmaligkeit einen
Wettbewerbsvorteil darstellen.
In der Literatur werden die erforderlichen
Persönlichkeitseigenschaften, Kenntnisse, Denkweisen und Fähigkeiten sowie
Handlungspotenziale, mit denen eine Führungskraft zur Bewältigung ihrer
jeweiligen Aufgaben ausgestattet sein soll, als Kompetenzen bezeichnet. Eine
allgemeine Gliederung der Kompetenzen geht von drei Dimensionen aus, die
jeweils den Bezug zu bestimmten Teilen der Tätigkeit kennzeichnen: die Fach- und Methoden-Kompetenz (Bezug zu
Objekten und Prozessen), die soziale
Kompetenz (Bezug zu anderen Personen) und die personelle bzw.
Selbstkompetenz (Bezug auf sich selbst). Dabei konkretisieren sich die
beiden letztgenannten Basiskompetenzen u.a. in der Führungskompetenz und in der interkulturellen
Kompetenz als weitere, die spezifische Rolle der Führungskräfte sowie
aktuelle Anforderungen und Schwerpunkte der Führungstätigkeit adressierende
Dimensionen. Daneben werden zunehmend Kompetenzbereiche bestimmt, die sich aus
einer Kombination fachlich-methodischer Kompetenzen mit der Selbstkompetenz und
sozialen Kompetenzen ergeben. Dazu gehört insb. der Begriff der Managementkompetenz und, als besondere
Ausprägungen, die strategische Kompetenz
sowie die Lernkompetenzen. Im
angelsächsischen Sprachraum richtet sich der Fokus auf die Entwicklung
unterschiedlicher „ Management Skills “ (Whetten, 2005).
Die weitere Ausdifferenzierung des Kompetenzbegriffes führt jedoch eher zu
einer zunehmenden Unschärfe (Baitsch, 1996).
Diese Problematisierung des Kompetenzbegriffes beinhaltet
jedoch auch ein wesentliches Argument, das für die Gestaltung bedeutsam ist.
Kompetenzen im Sinne von Wissen, Kenntnissen und Fähigkeiten sowie Erfahrungen
als Ausgangspunkt der Personal- und Führungskräfteentwicklung greifen insofern
zu kurz, als grundlegende Veränderungen in diesem Bereich aus
handlungstheoretischer und lerntheoretischer Sicht eng mit einer Veränderung
der Alltagstheorien des Handelns, der „ theories in use “ und der
dahinterstehenden Werte verbunden sind. Führungskräfteentwicklung kann damit
nicht auf die Veränderung von Kompetenzen im o.g., engeren Sinne reduziert
werden, sondern muss Veränderungen in den Werten, Einstellungen, Bedürfnissen,
Zielen und Motiven in ihren wechselseitigen Zusammenhängen einschließen. Die
noch verbreitete isolierte „ Skill “ - oder Kompetenz-Orientierung praktischer
Managementtrainings greift demnach auch zu kurz, es geht um umfassende
Handlungskompetenz (Hollenbeck,
/McCall, 2003).
3. Methoden, Instrumente und Maßnahmen
Im Rahmen der Führungskräfteentwicklung kommt eine Vielzahl
von Methoden, Instrumenten und Maßnahmen zum Einsatz. Aufgrund der Anzahl und
Unterschiedlichkeit hinsichtlich Zielrichtung und -arten, Zielgruppe nach Größe
und Zusammensetzung, Dauer der Maßnahme, Systematik, Aktivität und Einbeziehung
der Teilnehmer, Träger, Anforderungen an Ort, Umfeld und Ausstattung u.a.m. ist
eine rationale Auswahl erschwert (Neuberger, 1994).
Vielmehr spielen bei der Auswahl und Kombination der Methoden und Instrumente
im Rahmen der durchgeführten Maßnahmen zur Führungskräfteentwicklung insb.
-
die Größe des Unternehmens
-
die Landes- und Unternehmenskultur
-
die Personalpolitik und der Grad der
Professionalisierung des Personalmanagements
-
die intern vorhandenen Kompetenzen und Erfahrungen in
der Führungskräfteentwicklung
-
der Grad der Integration der Führungskräfteentwicklung
in die Unternehmensstrategie sowie ihrer Verbindung mit weiteren Maßnahmen
der Unternehmensentwicklung
-
das Interesse am Transfer von externem Know how und
externen Erfahrungen sowie
-
der Zeitfaktor
eine wichtige Rolle.
Unter Beachtung der grundsätzlichen Systematik der Maßnahmen
gehören zur Ausbildung des Führungskräftenachwuchses und der sog. „ high
potentials “ sowohl Traineeprogramme zur systematischen Einarbeitung in
unternehmensspezifische Probleme wie auch die Mitarbeit in oder Leitung von
Projekt- und Arbeitsgruppen sowie die Teilnahme an Führungstrainings off the
job. Auch die Mitwirkung und Übernahme von Führungsaufgaben in Junior- oder
Übungsfirmen stellt eine geeignete und zunehmend genutzte Form für den
Führungsnachwuchs dar. Häufig erfolgt im Anschluss an das Traineeprogramm ein
Einsatz als Assistent oder in Stabsbereichen. I.V.m. und im Ergebnis einer Potenzialbeurteilung
erfolgt dann oft die Aufnahme in einen Förderkreis oder Talentpool, der
Abschluss von Entwicklungspartnerschaften, die Benennung eines Mentors o.Ä.
Aus den veränderten Rahmenbedingungen ergibt sich fast
zwangsläufig die wachsende Bedeutung und zunehmende Dominanz der arbeitsplatzgebundenen
Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen, die unmittelbar mit der Erfüllung
unternehmerischer Aufgaben gekoppelt sind und die Teilnehmer unter
realistischen Bedingungen mit den Anforderungen des jeweiligen Funktionsfeldes
konfrontieren (Heidack, 1997).
Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen setzt jedoch voraus, dass ein deutlicher
Zusammenhang zur Laufbahn- und Nachfolgeplanung von Fach- und Führungskräften
vorhanden ist, die weiteren Rahmenbedingungen (entsprechende Vergütungssysteme,
entsprechende Lernumgebungen und Lernressourcen im Arbeitsumfeld, flexible
Organisationsstrukturen, eine Kultur, die es gestattet, Neues zu probieren und
dabei Fehler zu machen) den Lernprozess unterstützen und eine Reflexion der
gewonnenen Erfahrungen durch Coaching oder Supervision flankiert wird. Die
verschiedenen Instrumente der Aus- und Weiterbildung von Führungskräften sind
dabei in den Unternehmen in Deutschland wie auch im internationalen Kontext in
unterschiedlichem Ausmaß verbreitet; vor allem Instrumente und Formen wie
Coaching, Mentoring oder Supervision finden sich eher in großen Unternehmen (Becker,
/Schwertner, 2002) und sind etwa in Schweden oder Großbritannien
deutlich häufiger anzutreffen als in Deutschland (Larsen, 2000,
übergreifend Brewster, et
al.2004).
Das Führungstraining stellt ein wichtiges Element der Aus-
und Fortbildung von Führungskräften dar. Training ist dabei als Sammelbegriff
für verschiedene Methoden mit übungsorientiertem Charakter zu verstehen, die
i.d.R. „ off the job “ zunehmend jedoch auch „ on “ und „ near the job “ realisiert
werden. Führungstraining richtet sich insb. auf Führungs- sowie
(inter)kulturelle Kompetenzen und wird unter Beachtung von bestimmten
Lernprinzipien (u.a. Anknüpfen an Zielen u. Motiven der Teilnehmer,
Strukturierung in Übungssequenzen mit Feedback, Berücksichtigung
interindividueller Unterschiede) geplant und realisiert (u.a. Weinert, 1998).
Die Auswahl der Trainingsmethoden erfolgt analog der Führungskräfteentwicklung
insgesamt (Mayer, 2003).
Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Globalisierung und
weltweitem Einsatz von Führungskräften hat vor allem das interkulturelle
Training an Bedeutung gewonnen. Ziel ist der global agierende Manager (DiStefano,
/Maznevski, 2003; House, et
al.2004).
Zur Unterstützung der Aus- und Fortbildung der Führungskräfte
und ihrer Integration in Prozesse der Unternehmensentwicklung, des
Kulturwandels, der Generierung und Verbreitung von Wissen in der Organisation
und des organisationalen Lernens haben sich in den letzten Jahren insb. in
größeren Unternehmen Corporate universities herausgebildet. Diese
unternehmenseigenen Einrichtungen bestehen i.d.R. aus einem Netzwerk interner
und externer Experten unter Einbeziehung von Universitäten und Business Schools
(u.a. Töpfer, 1999;
Scholz, 2000).
Ziel ist die unternehmensspezifische Entwicklung, Nutzung und
(Weiter)Vermittlung von Aus- und Fortbildungsprogrammen ( „ customized consortia
programs “ ), die auch vor dem Hintergrund einer zunehmenden Kritik an der
MBA-Ausbildung zu sehen ist (Mintzberg, 2001).
Durch den speziellen Zuschnitt soll eine bessere Passfähigkeit und Integration
in die weiteren Maßnahmen der Führungskräfteentwicklung erreicht werden. Beispiele
sind General Electric, Daimler Chrysler, Bertelsmann, Lufthansa, Deutsche Bank
u.a.
III. Grenzen und Ausblick
Die Erfahrungen in Praxis und Wissenschaft haben gezeigt,
dass eine weitgehend fremdbestimmte Planung und Steuerung der Führungskräfteentwicklung
an ihre Grenzen stößt. Steuerungsimpulse können nur dann das beabsichtigte Ziel
erreichen, wenn die Akteure „ mitspielen “ (Eckardstein,
von, 1999). Bezüglich der Möglichkeiten und der Ausgestaltung
der Führungskräfteentwicklung heißt dies, dass mit der traditionellen Illusion der Machbarkeit, der
Vorstellung von einer uneingeschränkten Erzeugung von Fähigkeits- und
Verhaltensänderungen zunehmend gebrochen wird (Felsch, 1999;
Kammel, 2001).
Die aktuellen Entwicklungen in Praxis und Wissenschaft haben eine
Neuorientierung in der Führungskräfteentwicklung angestoßen (vgl. Tab. 1).
Tab. 1: Neuorientierung im Management Development (nach Kammel, 2001,
S. 59; Baum,
/Russell, 1999, S. 357 ff.)
Nachdem das Lernen von Organisationen seit Beginn der
1990er-Jahre in Wissenschaft und Praxis zu einem aktuellen Thema geworden ist,
verschiebt sich der Fokus vom Lernen einzelner Führungskräfte hin zum Lernen
von Managementteams und bereichsübergreifenden (Dauer-)Lernen. Die Bedeutung
von kollektiv handlungsbezogenem Wissen
und oft implizitem Wissen als Quelle dauerhafter Wettbewerbsvorteile wird in
diesem Zusammenhang herausgestellt. Anders als reines Sachwissen kann kollektiv
handlungsbezogenes Wissen jedoch nur langfristig entwickelt werden. Dies
spricht dafür, neben den Aktivitäten für die verschiedenen Führungsebenen
frühzeitig mit der Erschließung eines größeren Pools an Managementtalenten zu
beginnen. Verbunden ist damit die Option, schneller neue Strategien formulieren
und realisieren zu können sowie die organisationale Flexibilität zu erhöhen.
Alle Reorganisationsbemühungen gehen jedoch davon aus, dass die
Führungskräfteentwicklung als strategische HR-Aufgabe nicht ausgelagert wird (Wals, 2005)
Entgegen der insgesamt recht positiven Beurteilung der
Führungskräfteentwicklung in der Mainstream-Literatur muss jedoch auch auf
wichtige Beiträge der kritischen Managementforschung verwiesen werden. So begünstigen
insb. die Konsequenzen neuer, schlanker und flexibler Unternehmensformen, wie
Netzwerke, sowie einer Einbeziehung breiterer Gruppen in die
Führungskräfteentwicklung eine Diffusion des Managementwissens und partielle
Entwertung des Expertenwissens, eine Polarisierung zu Lasten der mittleren
Führungskräfte und eine Steigerung der Arbeitsintensität dieser Gruppe. Der
neue flexible Manager verfügt zwar noch über entsprechende Ressourcen, aber das
Feld seiner Expertise wird zunehmend fragmentiert und instabil (Reed, 1996;
Scarbrough, 1998).
Der Gegensatz zwischen langfristiger Führungskräfteentwicklung und der
Eigenverantwortung für die Karriere erscheint unter diesen Rahmenbedingungen
problematisch. Für die Führungskräfteentwicklung bedeutet dies, dass die
Perspektive des „ critical action learning “ , d.h. die kritische Reflexion und
Überprüfung aller Managementfunktionen im Rahmen des „ Action learning “ (Alvesson,
/Willmott, 1996), wie auch eine kritische Betrachtung und
Selektion der in einem „ Agenda setting “ – Prozess entstandenen Inhalte und
Formen der Aus- und Fortbildung durch den Einzelnen erfolgen muss.
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