Inhaltsübersicht
I. Aufgabenstellung
der Ablaufplanung bei Einzel- und Serienfertigung
II. Modellierung
von Ablaufplanungsproblemen
III. Problematik
der Lösung von Ablaufplanungsproblemen
I. Aufgabenstellung
der Ablaufplanung bei Einzel- und Serienfertigung
In der Ablaufplanung geht es um die Reihenfolge von
Teilprozessen eines Gesamtgeschehens, etwa eines Produktionsprozesses, sowohl
in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht. Damit handelt es sich um eine
zentrale Frage der Ablauforganisation (Schweitzer,
M. 1974; Küpper, H.
-U. 1981). In typischer Form tritt sie im industriellen
Fertigungsbereich auf. Andere Anwendungsgebiete mit analogen
Ablaufplanungsproblemen sind etwa Verwaltungsprozesse, Transport- und
Übermittlungsprozesse, Informationsverarbeitungsprozesse, die internen
Verarbeitungsprozesse in Rechenmaschinen sowie die Stundenplangestaltung.
Ausgangspunkt der Ablaufplanung ist in jedem Fall eine zu
vollbringende Gesamtaufgabe. Soweit ihre Erfüllung noch nicht in Teilarbeiten (Arbeitsgänge) zerlegt ist, geschieht
dies in einer produktbezogenen Ablaufplanung (Troßmann, E.
1986). Sie gehört zur Arbeitsplanung (und
CAP). Aufgabe der periodenbezogenen
Ablaufplanung, mit der sich dieser Beitrag beschäftigt, ist es, für die
Arbeitsgänge an definierten Aufträgen auf den verschiedenen Bearbeitungsstellen
eine zeitliche und räumliche Reihenfolge so zu finden, dass bestehende
Zielvorstellungen bestmöglich erfüllt werden. Dies wird vielfach als
Ablaufplanung i.e.S. angesehen. Sie setzt die Bildung von Aufträgen voraus. Ein
Auftrag gibt an, in welcher Menge bzw. Häufigkeit welche Produkte
bereitzustellen sind. Soweit es sich nicht um Einzel- oder Massenfertigung
handelt, ist dies mit der Bildung von Fertigungslosen verbunden. Sowohl in der
Auftragsbildung als auch in der produktbezogenen Ablaufplanung werden nicht nur
technisch erzwungene Bedingungen aufgestellt, sondern Vorentscheidungen in
einer Kette sukzessiver Teilplanungen getroffen. Ihre separierte Lösung ist
zwar in der Praxis üblich, insb. eine isolierte Losbildung kann aber
zielungünstig sein (vgl. zur neueren Diskussion z.B. MacCarthy, B.
L./Liu, J. 1993; Drexl,
A./Fleischmann, B./Günther, H. -O. et al. 1994).
Die Ablaufplanungsproblematik hängt grundlegend vom Programmtyp
ab. In der Ablaufplanung
bei Massenproduktion und Großserienfertigung dominiert eher die
produktbezogene gegenüber der periodenbezogenen Ablaufplanung. Bei der Einzel-
und Kleinserienfertigung dagegen ist typischerweise für mehrere Aufträge einer
Planungsperiode ein gemeinsamer Ablauf zu finden. Die Serienfertigung eröffnet
durch eine stückweise Losbearbeitung zusätzliche Möglichkeiten der
Ablaufplanung: Die Losbearbeitung kann zugunsten eines anderen Auftrags
unterbrochen werden, mit Teillosen können auch kleine Auslastungslücken genutzt
oder die Auftragsbearbeitung auf Parallelstellen verteilt werden. Falls dagegen
jedes Los zusammenhängend zu produzieren ist, besteht in der Ablaufplanung kein
Unterschied mehr zur Einzelfertigung.
II. Modellierung von
Ablaufplanungsproblemen
1. Ziele der Ablaufplanung
Eine optimale Gestaltung eines Ablaufplans setzt in jedem
Fall Beziehungen zwischen den ablaufplanerischen Handlungsvariablen und den
relevanten Zielgrößen voraus. Die Ablaufplanung als Teil der Produktions- und
damit der Gesamtunternehmungsplanung hat ihre Ziele aus dem betrieblichen
Zielsystem abzuleiten. Soweit auf Unternehmungsebene ein bestimmter
finanzieller Überschuss angestrebt wird, muss z.B. die Deckungsbeitragswirkung
von Reihenfolge-Alternativen oder bestimmten disponiblen Ergebnisparametern der
Ablaufplanung bekannt sein. Beispiele ablauforganisatorischer Ergebnisparameter
sind etwa die geplanten Fertigstellungstermine der Aufträge, ihre
Durchlaufzeiten, die Belegungszeiten der Maschinen oder die
Umrüstungshäufigkeit. Sie sind somit eigentlich nur Bezugsgrößen für Produktionskosten und -leistungen und
die sonstige Zielberechnung. Dennoch zieht man sie bislang i.d.R. unmittelbar
als ablauforganisatorische Zielgrößen heran. Entscheidungslogisch erhalten sie
damit die Funktion von Zwischenzielgrößen. Abb.
1 zeigt eine typische Auswahl. Mit ihnen lassen sich mehrere, im Einzelnen
unterschiedliche Ziele formulieren, die stärker sachorientiert sind.
Abb. 1: Beispiele unmittelbar ablaufbezogener Zielinhalte
In der wissenschaftlichen Diskussion hat man sich mit dem
skizzierten hierarchischen Zielverhältnis bisher weniger beschäftigt als mit
den Beziehungen von Ablaufplanungszielen untereinander. Hier sind definitionslogische und empirische
Zielbeziehungen zu unterscheiden. Für typische Ablaufplanungsziele werden
im Folgenden definitionslogische Zusammenhänge aufgeführt. Vorausgesetzt werden
reihenfolgeunabhängige Bearbeitungs- und Rüstzeiten sowie gegebene
Soll-Fertigstellungstermine der Aufträge. Dann sind die folgenden
auftragsbezogenen Ziele äquivalent (vgl. hierzu und zu weiteren Beziehungen
z.B. Rinnooy Kan,
A.H. G. 1976):
1.
Minimierung der Durchlaufzeitensumme aller Aufträge,
2.
Minimierung der durchschnittlichen Durchlaufzeit,
3.
Minimierung der Summe der Fertigstellungstermine aller
Aufträge,
4.
Minimierung des durchschnittlichen
Fertigstellungstermins,
5.
Minimierung der Summe aller ablaufbedingten
Auftragswartezeiten (vor der nächsten Bearbeitungsstelle),
6.
Minimierung der durchschnittlichen ablaufbedingten
Auftragswartezeit,
7.
Minimierung der Summe aller Terminabweichungen
(Verspätungen und Verfrühungen) der Aufträge,
8.
Minimierung der durchschnittlichen Terminabweichung.
Bei den arbeitsträgerbezogenen
Zielen sind äquivalent:
1.
Minimierung der Zykluszeit der Aufträge, d.h. der
Gesamtzeit für den Durchlauf aller Aufträge (makespan),
2.
Minimierung der Gesamtbelegungszeit der Stellen,
3.
Minimierung der Summe zyklusbezogener Leerzeiten aller
Bearbeitungsstellen,
4.
Minimierung der Summe beliebig stellengewichteter
zyklusbezogener Leerzeiten aller Bearbeitungsstellen (damit auch der einfache
Durchschnitt),
5.
Maximierung des Kapazitätsauslastungsgrades als
Verhältnis der Bearbeitungszeitensumme zur Gesamtbelegungszeit,
6.
Maximierung der durchschnittlichen Anzahl von in
Bearbeitung befindlichen Aufträgen.
Schwieriger als definitionslogische sind empirische Zielbeziehungen zu untersuchen. Hier gab es ab den
1950er-Jahren über lange Zeit eine intensive Diskussion. Ausgangspunkt war eine
Überlegung von E. Gutenberg zu den
Zielen Minimierung der Durchlaufzeit und Maximierung der Kapazitätsauslastung,
die er als die beiden wichtigsten Ziele der Ablaufplanung ansah. Zwischen ihnen
ging er von einem konfliktären Verhältnis aus, das er »Dilemma der
Ablaufplanung« nannte. Verschiedene Simulationsuntersuchungen, die dazu in
späteren Jahren durchgeführt wurden, konnten weder das behauptete Dilemma noch
eine Zielverträglichkeit generell nachweisen (einen Überblick dazu gibt Küpper, H.
-U. 1981). Im Hinblick auf die zahlreichen Möglichkeiten, inhaltlich
verschiedene Ziele der Ablaufplanung zu formulieren, ist jedoch allg. nicht nur
von einem potenziellen Di- oder
Trilemma der Ablaufplanung (Mensch, G.
1972), sondern von einem Polylemma (Schweitzer,
M. 1967) auszugehen. Inwieweit die für einen bestimmten
Anwendungsfall nachgewiesene Möglichkeit von Zielkonflikten die konkrete
Ablaufplanung tatsächlich erschwert, hängt letztlich davon ab, welche der
beteiligten Ablaufplanungsziele überhaupt geeignete Unterziele im verfolgten
Zielsystem sind.
2. Klassifikation von Problemtypen und
Modellen der Ablaufplanung
So vielfältig wie der Anwendungsbereich der Ablaufplanung
sind auch ihre Problemstellungen im Einzelnen. Einen grundsätzlichen Überblick,
der nur die Haupteinteilungskriterien berücksichtigt, vermittelt Abb. 2. Für die Bearbeitungsstellen ist
dort im Anschluss an die Literatur die weniger allg. Bezeichnung Maschinen
gewählt. Grundsätzlich ist zwischen funktionsgleichen
(parallelen) und funktionsverschiedenen
Maschinen zu unterscheiden. Parallele Maschinen können technisch die
gleichen (zumindest sich entsprechende) Arbeitsgänge vollbringen. Für die
Ablaufplanung ist wichtig, ob bei allen Aufträgen die Arbeitsgang-Zeiten
unabhängig von der gewählten Maschine sind (»identische parallele Maschinen«)
oder bei jeder Maschine verschieden sein können (»heterogene (unrelated)
parallele Maschinen«). Ein besonders in der internen Maschinensteuerung von
Computern wichtiger Sonderfall besteht darin, dass die Verhältnisse der
Bearbeitungszeiten auf allen Maschinen gleich sind, jede Maschine jedoch
unterschiedlich »schnell« ist (»uniforme parallele Maschinen«). Im Falle
verschiedener Maschinen führen im herkömmlich betrachteten Standardfall alle
jeweils einen Arbeitsgang aus. Demgegenüber sind flexible Fertigungstechniken dadurch gekennzeichnet, dass die
einzelnen Anlagenkomponenten mehrere, teils gleiche, teils verschiedene
Funktionen erfüllen können. In diesem Sinne ersetzen, überlappen bzw. ergänzen
sie sich.
Abb. 2: Klassifikation von Problemen der
Fertigungsablaufplanung
Zur Kennzeichnung der auszuführenden Arbeit kann man nach den
Merkmalen der Aufträge einerseits sowie denen der Arbeitsgänge in einem Auftrag
andererseits unterscheiden. Für die ablaufplanerische Aufgabenstellung
grundlegend ist, welche Bedingungen für die Reihenfolge der Arbeitsgänge
einzuhalten sind. Beim Flow-Shop-Problem muss sie bei allen Aufträgen gleich
sein; kombiniert mit verschiedenen Einfunktionsmaschinen ist dies in der
klassischen Reihenfertigung tatsächlich der Fall. Das der Werkstattfertigung
entsprechende Job-Shop-Problem geht ebenfalls von vorgegebenen Gangfolgen aus,
sie sind aber i.A. für jeden Auftrag verschieden. Beim Open-Shop-Problem schließlich sind keinerlei Gangfolge-Bedingungen
einzuhalten.
Der Vielzahl möglicher Problemtypen, die sich aus der
Kombination von Merkmalen der Abb. 2
ergeben, entspricht eine unübersehbare Anzahl formaler Modelle, die für die
Ablaufplanung inzwischen entwickelt wurden. Die Übersichtsliteratur gliedert
sie i.d.R. in folgende Gruppen, die gleichzeitig die Hauptunterschiede im
Modellaufbau kennzeichnen (vgl. z.B. French, S.
1982; Blazewicz,
J./Ecker, K./Schmidt, G. et al. 1993; Domschke,
W./Scholl, A./Voß, S. 1993):
-
Einzel-Maschinen-Probleme,
-
Probleme mit mehreren parallelen Maschinen und
Aufträgen mit je nur einem Arbeitsgang (»parallel machine scheduling«)
-
Flow-Shop-Probleme,
-
Job-Shop-Probleme,
-
Open-Shop-Probleme,
-
Sonderprobleme, etwa Probleme mit zusätzlichen
Kapazitätsbeschränkungen (»ressource constrained scheduling«) oder die
Ablaufplanung bei flexiblen Fertigungssystemen.
Ein weiteres generelles Ordnungsprinzip für
Ablaufplanungsmodelle ist durch die Zielvorstellung gegeben, die die
Modellstruktur und Lösungsverfahren deutlich beeinflusst. Zur Klassifikation
der Modelle wird häufig eine Notation mit drei Hauptkomponenten
(α|β|γ) verwendet, die in je nach Autor verschiedene, jedoch
immer zahlreiche Unterkomponenten gegliedert wird (vgl. ursprünglich Conway, R.
W./Maxwell, W. L./Miller, L. W. 1967; Rinnooy Kan,
A.H. G. 1976; Graham, R.
L./Lawler, E. L./Lenstra, J. K. et al. 1979):
-
α für die Art und Zahl der im Modell zugelassenen
Maschinen,
-
β für die Zahl der im Modell zugelassenen
Aufträge und der vorausgesetzten bzw. berücksichtigten Bedingungen der
Aufträge und ihrer Arbeitsgänge,
-
γ für die Zielvorstellungen.
3. Methoden der Ablaufplanung
Verschiedene Modellierungen erlauben es, Ablaufprobleme
präzise zu fassen; ihre Lösbarkeit bestimmt sich jedoch nach den einsetzbaren
Methoden. Zunächst ist zwischen bloßen Darstellungsmethoden
und eigentlichen Lösungsmethoden zu
unterscheiden. Zu den grafischen Darstellungsmethoden der Ablaufplanung zählen
Gantt-Diagramme und Ablaufgrafen.
Gantt-Diagramme (vgl. Abb.
3) dienen der Abbildung eines fertigen Ablaufplans. Demgegenüber können mit
Ablaufgrafen auch Reihenfolgealternativen und -bedingungen abgebildet werden.
Hiervon sind mehrere äußerlich verschiedene Formen denkbar. Sie unterscheiden
sich darin, ob Arbeitsgänge als Knoten oder Kanten dargestellt werden. Ferner
können die Knoten nach den Aufträgen, ihren Arbeitsgängen oder den Maschinen
zeichnerisch horizontal oder vertikal geordnet sein. Ein Beispiel zeigt Abb. 4.
Abb. 3: Gantt-Diagramme zu einem Ablaufplan für vier Aufträge
auf drei Maschinen
Abb. 4: Darstellung eines Job-Shop-Problems als disjunktiver
Graf
Die vorgegebenen Arbeitsfolgen sind mit den durchgehenden
Kanten dargestellt, die zu planenden Maschinenbelegungen mit unterbrochenen.
Letztere haben zwei Pfeilspitzen, von denen je eine für einen gültigen und
vollständigen Ablaufplan auszuwählen ist. Diese Darstellungsform als
disjunktiver Graf (Balas, E.
1969) führt weiter zu einer grafentheoretischen Umformulierung des
dargestellten Job-Shop-Problems: Bewertet man Knoten bzw. Kanten mit den
jeweiligen Bearbeitungs- bzw. Umrüstzeiten, dann gibt für jede Wahl der
disjunktiven Pfeile ein längster Weg zwischen Anfangs- und Endknoten die längste
Gesamtzeit der Auftragserfüllung an. Grafentheoretisch ist das Problem der
Zykluszeitminimierung in diesem Fall damit als Suche nach derjenigen Wahl der
disjunktiven Pfeile zu interpretieren, die den längsten Weg minimiert. Eine
grafentheoretische Konstruktion einer solchen Pfeilauswahl ist damit freilich
noch nicht gegeben.
Für eine exakte Optimierung kommen zunächst prinzipiell
zahlreiche OR-Methoden infrage. Tatsächlich aber sind die meisten der bekannten
Ablaufplanungsmodelle auf eine Anwendung einer der folgenden Lösungsmethoden
konzipiert:
-
konstruktive Methoden;
-
Verfahren der (gemischt-)ganzzahligen bzw. binären
linearen Planungsrechnung;
-
Entscheidungsbaumverfahren als dynamische
Planungsrechnung, begrenzte Enumeration oder Branch-and-Bound-Methoden.
Konstruktive Methoden bauen unmittelbar die gesuchte
Reihenfolge auf. Sie nutzen dazu spezielle Eigenschaften des Problems. Für
ganze Problemklassen kann dies daher nur in ganz wenigen, eher einfachen Fällen
gelingen. Mehrere solcher Ordnungsregeln sind seit langem bekannt. Grundlegend
sind folgende Beispiele (z.B. Rinnooy Kan,
A.H. G. 1976; French, S.
1982; MacCarthy, B.
L./Liu, J. 1993; Domschke,
W./Scholl, A./Voß, S. 1993):
-
Um die mittlere Durchlaufzeit
auf einer Maschine zu minimieren, ordnet man sie nach steigenden
Bearbeitungszeiten: Regel der kürzesten Operationszeit (KOZ), SPT (=
Shortest-Processing-Time)-Regel (Smith, W.
E. 1956; Conway, R.
W./Maxwell, W. L./Miller, L. W. 1967).
-
Um die maximale Verspätung von n Aufträgen auf einer
Maschine zu minimieren, ordnet man nach frühesten zugesagten Lieferterminen: EDD
(= Earliest-Due-Date)-Regel oder Jackson\'s Regel (Jackson, J.
R. 1955). Eine Erweiterung für einen Unterfall stammt von Smith (Smith, W.
E. 1956), der die optimale Reihenfolge von hinten her aufbaut.
-
Für die Minimierung der maximalen Terminabweichung und
allgemeinere Zielsetzungen bei Ein-Maschinen-Problemen unter zusätzlichen
Auftragsreihenfolge-Bedingungen baut ein Algorithmus von Lawler (Lawler, E.
L. 1973) eine optimale Reihenfolge auf. Modifikationen zur
Erfassung zusätzlicher Bedingungen stammen z.B. von Baker/Nuttle und Glazebrook
(Baker, K.
R./Nuttle, H. L. 1980; Glazebrook,
K. D. 1980).
-
Zur Minimierung der Anzahl verspäteter Aufträge beim
Ein-Maschinen-Problem dient der Algorithmus von Moore/Hodgson (Moore, J.
M. 1968). Erweiterungen berücksichtigen die Forderung nach
Fertigstellungsreihenfolge in der Ordnung der zugesagten Termine (Kise,
H./Ibaraki, T./Mine, H. 1978) oder die Bevorzugung bevorrechtigter
Aufträge (Sidney, J.
B. 1977).
-
Für das Flow-Shop-Problem von n gleichzeitig
freigegebenen Aufträgen auf zwei Maschinen stammt der grundlegende
Algorithmus zur Zykluszeitminimierung von Johnson
(Johnson, S.
M. 1954). Hierzu gibt es mehrere Modifikationen und Erweiterungen
insb. zum Problem bei drei und mehr Maschinen (z.B. Kusiak, A.
1986; Chow, W. S.
1989). Für verschiedene Sonderfälle haben insb. Panwalkar/Woollam (Panwalkar,
S. S./Woollam, C. R. 1980) konstruktive Algorithmen angegeben.
-
Ein konstruktives Verfahren für die
Zykluszeitminimierung eines Open-Shop-Problems mit zwei Maschinen schlagen Gonzalez/Sahni (Gonzalez,
T./Sahni, S. 1976) vor.
Mit Verfahren der ganzzahligen
linearen Planungsrechnung lassen sich Problemstellungen der Ablaufplanung
sehr detailliert und auch facettenreich erfassen. Zur Abbildung der
Reihenfolge-Bedingungen und -Alternativen wählt man i.d.R. Binärvariable. Bekannte Grundmodelle stammen z.B. von Bowman und Manne (Bowman, E. H.
1959; Manne, A. S.
1960), gefolgt von zahlreichen Ansätzen insb. aus den 1960er- und 1970er-Jahren
(vgl. Überblick bei Rinnooy Kan,
A.H. G. 1976). Die LP-Formulierung hat zudem den Vorteil, dass in
die gleiche Modellstruktur viele weitere Teilprobleme aufgenommen werden
können, mit denen die Ablaufplanung zusammenhängt. So ergeben sich z.B.
simultane Losgrößen-
und Reihenfolgemodelle, ggf. auch über mehrere Produktionsstufen hinweg. Die
umfassendste Modellanalyse hierzu liefert Küpper
(Küpper, H.
-U. 1980), der insb. die Interdependenzen zwischen der Ablaufplanung
und den wichtigen anderen produktionspolitischen Entscheidungen untersucht. So
erweist sich der Modelltyp der LP als ein umfassendes Abbildungsinstrument, das
auch komplexe Modelle systematisch aufzubauen erlaubt, doch bleiben die
Lösungsmöglichkeiten ganzzahliger LP-Modelle hinter den Erfordernissen
derartiger Ablaufplanungsmodelle deutlich zurück. Zwar konnten in den
vergangenen Jahren auch hier bemerkenswerte Fortschritte erzielt werden, sodass
inzwischen auch etwas umfangreicher Binärprobleme numerisch gelöst werden
können (vgl. vor allem Preßmar, D.
B. 1992); als generelles, praktisch einsetzbares Lösungsverfahren
empfiehlt sich aber die LP für Ablaufprobleme nach wie vor kaum.
Ablaufplanungsprobleme sind mathematisch gesehen spezielle
Aufgaben der Kombinatorik. Daher liegt eine Modellierung als Entscheidungsbaumproblem nahe. Die
Reihenfolge-Alternativen werden hier systematisch enumeriert – so braucht ein
Entscheidungsbaumverfahren nicht auf Problemspezifika ausgerichtet zu sein.
Allerdings ist die Integration kontinuierlicher Entscheidungsprobleme, etwa
Losgrößenfragen, nahezu unmöglich. von den Typen der Entscheidungsbaumverfahren
sind die Branch-and-Bound-Ansätze im Rechenablauf am flexibelsten (vgl. Seelbach, H.
1975 sowie zu einem der ersten Grundsätze Ignall,
E./Schrage, L. 1965). Ihre Stärke ist, dass sie die besonderen
Eigenschaften eines Problems ausnutzen können, und zwar einmal in der »Branch«-Regel,
nach der sukzessive verschiedene Alternativenteilklassen gebildet werden, und
zum anderen in der Bestimmung der »Bounds«,
d.h. des innerhalb einer Alternativenteilklasse keinesfalls überschreitbaren,
aber bestenfalls erreichbaren Zielausmaßes. Beim Job-Shop-Problem orientiert
sich die Branch-Regel häufig an der Problemformulierung als disjunktiver Graf.
Jede Verzweigung bedeutet hier eine bestimmte Festlegung einer weiteren
disjunktiven Kante. Die Qualität eines Branch-and-Bound-Verfahrens hängt
weitgehend von der Bound-Berechnung ab. Besonders eindrucksvoll zeigen dies die
Lösungsversuche eines in der Literatur seit 1963 (Muth, J.
F./Thompson, G. L. 1963) immer wieder behandelten
Job-Shop-Fallbeispiels zur Zyklusminimierung bei 10 Aufträgen und 10 Maschinen.
Eine exakte Lösung gelang erst 1989, als Carlier/Pinson
(Carlier,
J./Pinson, E. 1989) eine besonders geschickte Bound-Berechnung
fanden.
III. Problematik der
Lösung von Ablaufplanungsproblemen
1. Komplexität exakter Verfahren zur
Ablaufplanung
Auch bei den vergleichsweise erfolgreichen
Branch-and-Bound-Verfahren stößt die tatsächliche numerische Lösbarkeit bereits
bei kleinem Problemumfang alsbald an zeitliche Grenzen. Deshalb stellt sich die
Frage, ob für nicht ganz triviale Ablaufprobleme überhaupt exakte
Lösungsverfahren mit vertretbarerem Rechenaufwand existieren können. Dies hat
man ab Beginn der 1970er-Jahre mit der Komplexitätsanalyse der theoretischen
Informatik (vgl. Cook, S. A.
1971; Karp, R. M.
1972; Bachem, A.
1980) zu beantworten versucht. Sie hat zu einer Neuorientierung der gesamten
Methodendiskussion der Ablaufplanung geführt. Kernidee ist, die
Optimierungsprobleme einer der beiden folgenden Gruppen zuzuordnen:
-
der »Klasse P«
der polynomial lösbaren Probleme:
Zu ihnen kennt man mindestens ein polynomiales Lösungsverfahren: Bei einem
solchen steigt die Anzahl der Rechenoperationen mit der Problemgröße –
gemessen durch die Länge der Eingabedaten – höchstens wie ein Polynom.
-
der Klasse der
»NP-schwierigen« Probleme:
Sie umfasst alle Probleme, die mindestens von gleicher Komplexität wie das Problem des Handlungsreisenden (Travelling
Salesman Problem) sind (Cook, S. A.
1971). Zwar existiert kein Beweis, dass sie nicht polynomial lösbar sind,
alle bisherigen Erkenntnisse lassen dies aber vermuten.
Nun kann auch die polynomiale Lösbarkeit ab einer gewissen
Größenordnung (z.B. ab einer größeren Anzahl von Aufträgen oder Maschinen) zu
einem nicht mehr vertretbaren Rechenaufwand führen. Aber es gibt dennoch einen
zentralen Unterschied zu den NP-schwierigen Problemen: Letztere erlauben schon
bei relativ kleinem Problemumfang oft nur eine Rechenzeitabschätzung, die sich
nach Jahrhunderten bemisst (Garey, M.
R./Johnson, D. S. 1979; Bachem, A.
1980). Der Nachweis seiner NP-Schwierigkeit bedeutet für ein Problem praktisch,
dass auf eine exakte Optimierung verzichtet werden muss.
Für die Ablaufplanungsprobleme sind die Ergebnisse der
Komplexitätsanalyse eher ernüchternd: Polynomial lösbar sind nur die ganz
einfachen Grundprobleme für eine oder zwei Maschinen bzw. zwei oder drei Aufträge
sowie vereinzelte Sonderfälle komplizierterer Probleme. Auf sie können im
Wesentlichen die o.g. konstruktiven Lösungsmethoden oder Modifikationen und
Weiterentwicklungen davon angewendet werden. Für einige Problemklassen ist die
Komplexitätsfrage noch ungeklärt. Die überaus meisten Probleme aber sind
NP-schwierig (vgl. zur Einordnung in die Komplexitätsklassen im Detail z.B. Rinnooy Kan,
A.H. G. 1976; Brucker, P.
1981; Domschke,
W./Scholl, A./Voß, S. 1993).
Nun darf man die Charakterisierung eines Ablaufproblems als
NP-schwierig nicht überbewerten. Es sagt eigentlich nur, dass man dafür keinen
Algorithmus erwarten darf, der in allen Unterfällen und bei jeder denkbaren
numerischen Ausprägung der Parameter mit akzeptablem Aufwand arbeitet. Da die
Komplexitätsbeweise sich am ungünstigsten Fall orientieren müssen
(»Worst-Case«-Analyse), wäre für einen konkreten Algorithmus durchaus ein
durchschnittliches Laufzeitverhalten denkbar, das weit unter den errechneten
Grenzen bleibt. Das prominente Beispiel hierfür ist das Simplexverfahren, das
in der praktischen Anwendung hervorragend, jedoch wegen des »worst-case« von
primalen und dualen Rechenzyklen nicht polynomial ist. Da zur Lösung der
Ablaufplanungsfragen typischerweise Entscheidungsbaumverfahren dominieren, ist
hier freilich derartig Markantes kaum zu erwarten. Eher schon mag eine
präzisere Analyse der Parameterverhältnisse und -größenordnungen des konkreten
betrieblichen Problemfalls rechenzeitgünstige Spezialalgorithmen ermöglichen.
Dies setzt jedoch voraus, in die Lösungsmethode mehr »problembezogenes«
Verständnis einzubringen, statt sie eher formal zu konstruieren (French, S.
1982). Gerade diese Problemdurchdringung fällt jedoch in der Ablaufplanung
besonders schwer: I.d.R. erscheint keine der möglichen Reihenfolgen von vorneherein
als optimale Lösung besonders prädestiniert.
2. Heuristische Ablaufplanung
Die weitgehende Erfolglosigkeit der Suche nach effizienten
Algorithmen und die Erkenntnisse der Komplexitätsuntersuchungen führen dazu,
dass bei der Ablaufplanung i.A. heuristische Methoden im Vordergrund stehen.
Darunter wiederum sind zunächst die Prioritätsregeln für die Reihenfolgeplanung
zu nennen. Sie führen nicht nur unmittelbar zu einer Lösung; sie erlauben auch
die sukzessive Einplanung nacheinander eintreffender Aufträge, und sie sind vor
allem auch dezentral einsetzbar (Haupt, R.
1989).
Heuristische Methoden,
die zu einem zentralen Gesamt-Ablaufplan führen, orientieren sich häufig am
Vorbild exakter Lösungsansätze für gleiche oder auch einfachere
Ablaufplanungs-Problemstellungen. So sind z.B. zahlreiche
Ablaufplanungs-Heuristiken als unvollständige (abgebrochene) Branch-and-Bound-Verfahren
zu interpretieren. Nach jeweils eigenen Regeln bleiben dann ganze Zweige des
Entscheidungsbaums unberücksichtigt. Dem gleichen Prinzip folgen die »tabu-search«-Verfahren (vgl. z.B. Glover, F.
1989; Widmer,
M./Hertz, A. 1989). Bei ihnen werden Tabu-Listen wegzulassender
Alternativenteilmengen vorgegeben bzw. aufgebaut, die aber gegen Ende einer
Lösungskonstruktion wieder unbeachtet bleiben dürfen.
Heuristiken, die auch im Verfahrensablauf stärker
problemspezifisch sind, generieren im ersten Schritt bereits eine relativ gute
Lösung, die anschließend iterativ zu verbessern versucht wird. Das Prinzip der
Verbesserungsverfahren besteht darin, zu »benachbarten« Alternativen überzugehen
(z.B. Haupt, R.
1987; Fry, T.
D./Vicens, L./Macleod, K. et al. 1989). Sie unterscheiden sich nur
durch eine Transformation, etwa einen Reihenfolgen-Tausch von der vorherigen
Lösung. Eine spezielle Variante ist das simulated
annealing (vgl. Aarts,
E./Korst, J. 1990). Zur Konstruktion einer Anfangslösung bieten sich u.a. Prioritätsregeln sowie konstruktive
Verfahren für vereinfachte (»relaxierte«) Probleme an. Für manche Problemtypen
gibt es spezifische Eröffnungsverfahren, so das »Shifting-Bottleneck«-Verfahren
von Adams/Balas/Zawack (Adams,
J./Balas, E./Zawack, D. 1988). Es konstruiert über die Bestimmung
der Auftragsfolgen geschickt aufeinanderfolgend gewählter »Engpass-Maschinen«
eine zielgünstige Anfangslösung für das Job-Shop-Problem. Erst in den Anfängen
sind Expertensysteme in PPSfür
den heuristischen Entwurf günstiger Ablaufpläne (Schmidt, G.
1989; Noronha, S.
J./Sarma, V.V. S. 1991).
Im Unterschied zu den exakten Verfahren ist bei Heuristiken der
Rechenaufwand nahezu beliebig begrenzbar. Das Generieren einer Anfangslösung
benötigt durchweg keinen nennenswerten Zeitaufwand. Ob und wie lange man
Verbesserungsiterationen durchführen will, hat man in der Hand. Versuche, die
Lösungsgüte durch Berechnung einer maximalen absoluten oder relativen
Abweichung vom exakten Optimum brauchbar abzuschätzen, schlagen – wieder aus
Gründen des Worst-Case-Ansatzes – regelmäßig fehl (vgl. Garey, M.
R./Johnson, D. S. 1979). Man kann aber mit Simulationsuntersuchungen
eine Durchschnittsgüte nachweisen. So sind für die Standardprobleme der
Ablaufplanung heute akzeptable Heuristiken verfügbar bzw. problemspezifisch
konstruierbar. Wie Anwendungsbeispiele, etwa ihr Einsatz in elektronischen Leitstandkonzepten zeigen, gilt dies
insb. auch für die Ablaufplanung unter den veränderten Bedingungen heutiger
Produktion mit flexiblen Fertigungssystemen (vgl. hierzu Kuhn, H.
1990; Montazer,
M./Van Wassenhove, L. N. 1990) und kürzeren Umrüstzeiten. Erweiterte
Möglichkeiten der Variantenfertigung, kleinere Losgrößen,
reduzierte Pufferläger, eine knapper gewordene Ressourcenausstattung sowie
engere Terminvorgaben lassen die Bedeutung einer guten Ablaufplanung künftig
eher steigen.
Literatur:
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Adams, J./Balas, E./Zawack, D. :
The Shifting Bottleneck Procedure for Job Shop Scheduling, in: MS, 1988, S.
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Bachem, A. : Komplexitätstheorie
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Blazewicz, J./Ecker, K./Schmidt,
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Bowman, E. H. : The
Schedule-Sequencing Problem, in: OR, 1959, S. 621 – 624
Brucker, P. : Scheduling, Wiesbaden
1981
Carlier, J./Pinson, E. : An
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Chow, W. S. : An Efficient
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Conway, R. W./Maxwell, W. L./Miller,
L. W. : Theory of Scheduling, Reading 1967
Cook, S. A. : The Complexity of
Theorem-Proving Procedures, in: Proceedings of the Third Annual ACM Symposium
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Domschke, W./Scholl, A./Voß, S. :
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Fry, T. D./Vicens, L./Macleod, K.
: A Heuristic Solution Procedure to Minimize T on a Single Machine, in: JORS,
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Garey, M. R./Johnson, D. S. :
Computers and Intractability: A Guide to the Theory of NP-Completeness, San
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Glazebrook, K. D. : On Single
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